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Großenhain

Emotionen wie Kloppo

Sebastian Blut ist Trainer der Kicker von Lebenshilfe und Fußballverein Großenhain. Sein Team schlägt sich bei der Landesmeisterschaft wacker.

Sebastian Blut ist stolz auf seine Mannschaft der Lebenshilfe Großenhain. Carsten Münch sowie Tom Münch und das gesamte Team inklusive Co-Trainerin Kerstin Krause wurden am Sonntag Siebenter bei der Hallenlandesmeisterschaft für Menschen mit Behinderung.
Sebastian Blut ist stolz auf seine Mannschaft der Lebenshilfe Großenhain. Carsten Münch sowie Tom Münch und das gesamte Team inklusive Co-Trainerin Kerstin Krause wurden am Sonntag Siebenter bei der Hallenlandesmeisterschaft für Menschen mit Behinderung. © Matthias Kost

Großenhain. Als seine Jungs nach einem 0:3-Rückstand noch den Ausgleich gegen den Kontrahenten aus Schwarzenberg erzielen, zeigt Sebastian Blut die "Säge". Kurz zuvor ist er wie ein Brummkreisel aufs Parkett der Rödertalhalle gestürmt, hat seine Jungs vom Fußballteam der Lebenshilfe und Fußballverein Großenhain umarmt und geherzt. 

Als sie wiederum nach knapp drei Minuten das dritte Gegentor kassierten, musste man um die nächststehende Bank fürchten - sie bekam einen Fußtritt vom Coach. "Wie Kloppo", hört man schmunzelnd von den Tribünen. Tatsächlich erinnern die Gesten an den einstigen Dortmunder und heutigen Liverpooler Trainer Jürgen Klopp.

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"Ich bin nun mal ein sehr emotionaler Mensch", sagt Sebastian Blut wenige Minuten später lachend. Längst hat er sich beruhigt und dies auch auf seine Spieler übertragen. "Alles ist gut", sagt der 32-Jährige.  Der Start für die Mannschaft beim 7-er Turnier um die Landesmeisterschaft in der Rödertalhalle ist zwar durchwachsen. 

Doch Sebastian Blut hat viel Gutes seiner Mannen gesehen. Zum Beispiel, dass sie das Verschieben der einzelnen Positionen auf dem Parkett gut machen. "Das habe ich bei ihnen vorher noch nie so gut gesehen", sagt der Trainer. Und wenn nicht die schlechte Chancenverwertung wäre ...

Tom Münch ist der Kapitän der Großenhainer und auch sonst so etwas wie der "Motor" im Team. "Sebastian ist ein sehr guter Trainer. Er motiviert uns", sagt der 25-Jährige. Selbst ist er auf dem Fußballfeld ein Heißsporn wie fast alle, die bei den Titelkämpfen dem runden Leder hinterher jagen.

 Tom gesteht, dass er früher auf Niederlagen oder auch schlechtere Leistungen oft zu emotional und aggressiv reagiert hat. "Das ist jetzt ein bisschen besser geworden", sagt er und schmunzelt. Fairness geht sowieso vor bei den Spielen der Menschen mit Behinderung. Da ist kaum mal ein böses Foul zu sehen. 

Und wenn doch, gibt es prompt die Entschuldigung mit Handabklatschen. Tom Münch geht auch dabei voran. Als der Torwart der Roßweiner Konkurrenten mit dem Fuß umknickte, half er ihm ohne zu zögern auf die Wechselbank. "Wir sind doch untereinander fast alle irgendwie Freunde", begründet er das. 

"So soll es sein", sagt Sebastian Blut zufrieden. Er hat Erfahrung im Umgang mit seinen Spielern, zu denen übrigens auch drei weibliche Akteurinnen zählen. Und natürlich Karsten Münch. Der junge Mann mit Down-Syndrom ist so etwas wie das "Maskottchen" der Truppe. Und der Sportler mit der kürzesten Spielzeit.

 Aber die nutzt er. Beim 1:7 gegen den späteren Hallenmeister CSW Zwickau St. Mauritius bereitet er den einzigen Großenhainer Treffer vor - mit mustergültigem Pass in die Gasse. Da kennt der Jubel keine Grenzen - und natürlich ist Sebastian Blut sofort auf dem Spielfeld, außer sich vor Freude.

Nur gut, dass es da auch noch seine Co-Trainerin gibt. Kerstin Krause gehört seit ein paar Monaten zur Mannschaft, ist der Ruhepol. "Die Motivatorin", sagt ihr Chef an der Außenlinie. Sie selbst sieht ihre Rolle gelassen. "Ja, ich bin vielleicht nicht ganz so aufgeregt wie die Jungs und Mädels", sagt die 45-Jährige. "Aber es macht Spaß mit der Truppe", fügt sie lächelnd an. Sebastian Blut ist froh, sie dabei zu haben. Schon deshalb, damit es die drei Mädchen in der Mannschaft etwas leichter habe.

Im Turnier selbst bleiben die Großenhainer ein wenig unter den selbstgesteckten Zielen. Trotz teils wirklich guter Leistungen und mehrerer nur knapper Niederlagen reicht es letztlich zu zwei Punkten und den 7. Platz. Mund abputzen und wieder angreifen! Das Motto ist klar für den nächsten Auftritt.

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