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Leipzig

Endlich Frieden im Weinberg

Nach zehn Jahren Streit um einen Hang am Störmthaler See bei Leipzig dürfen die Hobby-Winzer in Ruhe ihre Rebstöcke anbauen. 

Höchstrichterlich festgestellt: Die Hobbywinzer vom Störmthaler Weinberg dürfen für den Eigenbedarf genehmigungsfrei Wein anbauen.
Höchstrichterlich festgestellt: Die Hobbywinzer vom Störmthaler Weinberg dürfen für den Eigenbedarf genehmigungsfrei Wein anbauen. © Sebastian Willnow/dpa

Von Sven Heitkamp

Friedlich liegt der Hang mit den Weinreben in der Sonne am Störmthaler See. Doch die Idylle währt erst seit ein paar Tagen. Denn der kleine Weingarten von etwa 5.000 Quadratmetern im Leipziger Südraum war zehn Jahre lang einer der wohl am meisten umkämpften Weinhänge Deutschlands und musste zeitweise sogar gerodet werden. 

Der Garten ruft

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Erst jetzt ist auf höchstrichterlichen Beschluss klar: Der Störmthaler Weinberg darf bleiben. Das Bundesverwaltungsgericht stellte jetzt klar, dass der hobbymäßig betriebene Weinanbau zum Eigenverbrauch keiner Genehmigung bedarf. Damit herrscht endlich Frieden im Weinberg am gefluteten Tagebausee.

„Das Urteil bedeutet, dass wir nun endlich unbeschwert unserer Freizeitbeschäftigung nachgehen und den Weinanbau pflegen können“, sagt Thomas Neuhaus, seit rund zehn Jahren Vorsitzender des Vereins Störmthaler Wein. Bisher habe über all der Arbeit im Weinberg immer die Frage gestanden, ob man die Reben noch einmal roden müsse, wie schon 2011. „Man ist schon erleichtert, wenn endlich Rechtssicherheit herrscht und man das Hobby weiterentwickeln kann“, sagt Neuhaus, im Hauptberuf Zivilrechtsanwalt in Leipzig.

2008 hatte zunächst die Gemeinde Großpösna auf etwa 3.000 Quadratmetern am Störmthaler See rund 1.300 Rebstöcke angepflanzt: Eine neue Idee zur Rekultivierung der ehemaligen Tagebaulandschaft. Kurz darauf gründete sich der Störmthaler Wein-Verein, pachtete die Flächen von der Gemeinde und schloss mit seinen Mitgliedern Pachtverträge über einzelne Parzellen des Weingartens ab – ähnlich, wie es in anderen Bundesländern praktiziert wird.

37 Parzellen von 37 Pächtern

Doch Sachsens Umweltministerium hielt den Weinanbau für rechtswidrig und forderte, den Weingarten zu roden. Der Freistaat sah in dem äußeren Erscheinungsbild des Weinhangs eine durchgehende und damit unzulässige Fläche, er akzeptierte die Lesart der einzelnen Parzellen nicht. Im April 2011 mussten sogar die meisten Rebstöcke entfernt werden. Sie wurden später von den mehr als 30 Hobby-Winzern wieder neu angebaut. Seither wurde der Streit vor Gerichten ausgetragen. Zunächst am Leipziger Verwaltungsgericht, dann am Oberverwaltungsgericht in Bautzen, die die Sicht des Freistaates jeweils noch bestätigten.

Jetzt aber gab das Bundesverwaltungsgericht grünes Licht: Bei einem Verbrauch „im eigenen Haushalt“ sei der Wein genehmigungsfrei. Die vorausgegangenen Urteile würden entsprechend geändert. Das Umweltministerium, so ein Sprecher, sieht damit auch keine Notwendigkeit mehr, gegen den Weinanbau vorzugehen, zumal sich die Rechtslage zwischenzeitlich ohnehin gelockert hatte. 

Derzeit gibt es 37 Parzellen von 37 Pächtern, die jedes Jahr ein paar Flaschen Wein aus ihrem eigenen Anbau genießen können. Vor allem die widerstandsfähigen Rebsorten Solaris für Weißwein und Cabernet Jura für Rotwein werden angebaut. Ein erfahrener sächsischer Winzer übernehme das Keltern und Abfüllen, berichtet Vereinschef Neuhaus. Ein Verkauf oder eine andere gewerbliche Nutzung seien überhaupt nicht vorgesehen.

„Auch dem Genuss des Weins mit engen Freunden oder Bekannten steht nun nichts mehr entgegen“, sagt Rechtsanwalt Klaus Füßer. Er hatte die Klage geführt, war im Zuge des Rechtsstreits selbst zum Pächter und Vereinsmitglied geworden und hatte jedes Jahr ein paar Flaschen des Weinertrags erhalten. In anderen Ländern wie Frankreich oder Italien sei diese Rechtsauffassung schon immer gang und gäbe gewesen, betont Füßer. Dies gelte nun auch in Sachsen. Denkbar und rechtlich möglich sei nun auch, die Anbauflächen zum Eigenverbrauch in Störmthal noch zu erweitern. Aber darüber müssten die Beteiligten vor Ort entscheiden.

Für den Verein ist eine Ausweitung aber bisher kein Thema. „Die Arbeit im Weingarten ist einfach ein angenehmer Ausgleich“, sagt Neuhaus. „Und man bekommt einen gut trinkbaren Wein, für den man selbst mit Hand angelegt hat.“