merken
PLUS Pirna

Enso bohrt unter der Elbe durch

In Bad Schandau wird die Gasleitung unter dem Fluss verlegt. Das nützt der gesamten Sächsischen Schweiz.

Oberbauleiter Thomas Meyer (Mitte), mit den Bürgermeistern Thomas Kunack (Bad Schandau) und Mike Ruckh (Sebnitz) sowie Birgit Hertzog (Landratsamt und Wolfgang Jäger (Enso Netz)(v.l.).
Oberbauleiter Thomas Meyer (Mitte), mit den Bürgermeistern Thomas Kunack (Bad Schandau) und Mike Ruckh (Sebnitz) sowie Birgit Hertzog (Landratsamt und Wolfgang Jäger (Enso Netz)(v.l.). © Daniel Schäfer

Das lkw-große Bohrgerät steht direkt am Elberadweg, ein Stück flussabwärts der Eisenbahnbrücke in Bad Schandau. Das Ziel liegt drüben auf der anderen Elbseite in Rathmannsdorf. Die gut zweihundert Meter bis ans andere Ufer hat die 268-PS-starke Maschine schon vor einigen Tagen überwunden. In bis zu neun Metern Tiefe hat sich der Bohrkopf unter der Elbe hindurch gegraben. 

Jetzt geht es noch um den Durchmesser der gebohrten Röhre. In mehreren Durchgängen wird sie Stück für Stück aufgeweitet. Aktuell sind es 40 Zentimeter, knapp 60 müssen es werden. 

Anzeige
Late Night Shopping Dresden
Late Night Shopping Dresden

Zur langen Einkaufsnacht unter dem Motto "Late Night Shopping" lädt das City Management Dresden am Freitag, 2. Oktober, in die Dresdner Innenstadt ein.

Die Enso Netz lässt hier in Bad Schandau eine neue Gasleitung verlegen, mit der die Versorgung in der gesamten Sächsischen Schweiz sichergestellt wird. Es handele sich um eine anspruchsvolle Aufgabe, sagt Enso-Netz-Geschäftsführer Wolfgang Jäger: "Sowas machen wir nicht jeden Tag." Rund 1,6 Millionen Euro investiert der Energieversorger in dieses Stück Infrastruktur. Zusammengenommen mit der Anbindung links und rechts des Flusses werden rund 1,2 Kilometer Gasleitung erneuert.

Gestein erschwert das Bohren

Eigentlich hätte bereits an diesem Dienstag die neue Rohrleitung in das Bohrloch eingezogen werden sollen. Doch das feste Felsgestein unter der Elbe hat das Vorankommen verzögert. Genau genommen ist es der Wechsel zwischen Fels- und Sandsteinblöcken, der die Bohrarbeiten verkompliziert, erklärt Sven Fischer, Geschäftsführer bei der Baugesellschaft Pfaffinger in Leipzig, die mit dem Leitungsbau beauftragt ist.  

Um die genaue Position des Bohrkopfes zu überwachen, waren die Rohrleitungsspezialisten auch mit einem Boot auf der Elbe unterwegs. Das Einziehen der Leitung ist nun für kommende Woche angesetzt. Das geplante Bauzeitende im November ist durch die Verzögerung nicht in Gefahr. "Nach aktuellem Stand schaffen wir es", sagt Pfaffinger-Geschäftsführer Fischer.  

Die zwölf Meter langen Rohrstücke, aus denen die Leitung zusammengesetzt wird,  liegen am Rathmannsdorfer Ufer schon bereit. Sie werden vor Ort aneinandergeschweißt und die Schweißnähte per Röntgenstrahlen überprüft, damit alles dicht hält. Die gut 20 Zentimeter dicken Stahlrohre sind mit einer Glasfaserhülle ummantelt, um sie gegen Korrosion zu schützen. 

Interessant ist vor allem die bisherige Trassenführung. Die alte Gasleitung hängt in Bad Schandau seitlich an der Eisenbahnbrücke über die Elbe. Eine Lösung, die heutzutage wohl kaum eine Chance hätte auf Genehmigung. Selbst zur Entstehungszeit in den 1970er-Jahren war die Deutsche Reichsbahn von den Plänen einer Gasleitung an ihrer Carolabrücke alles andere als begeistert. 

Alte Gasleitung für DDR-Ministerrat

Ein Schreiben, aus dem dies hervorgeht, hat Enso-Netz-Geschäftsführer Wolfgang Jäger in den Unterlagen von damals entdeckt. Gebaut wurde die Gasleitung aber dennoch. "Auf besondere Anordnung", wie es in den Unterlagen heißt. Die kam von ganz oben. Die Leitung wurde gebraucht, um das Gästehaus des Ministerrats der DDR in Gohrisch mit einem Gasanschluss zu versorgen - das heutige Hotel Albrechtshof. 

Neben der SED-Polit-Prominenz nächtigten hier unter anderem der russische Komponist Dimitri Schostakowitsch, der in Gohrisch sein 8. Streichquartett komponierte sowie Nordkoreas Staatschef Kim Il-sung. 

Mittlerweile ist die Gasleitung an der Carolabrücke in die Jahre gekommen und wird deshalb ersetzt. Die neue unterirdische Leitung wird Teil der bestehenden Trasse, die aus Richtung Pirna über Königstein nach Bad Schandau verläuft und von hier aus weiter nach Sebnitz und nach Neustadt. Das Hochdrucknetz wird sowohl aus Richtung Neustadt als auch von Dresden aus mit Erdgas gespeist. 

Noch im November soll die neue Gasleitung in Betrieb gehen. Die angeschlossenen Haushalte werden von der Umstellung nichts merken. Auf 100 Jahre beziffert die Enso Netz die Lebensdauer des Bauwerks. Sie werde damit auch die bis 2050 schrittweise geplante Umstellung des Fernwärme-Netzes auf zunächst Erdgas-Wasserstoff-Gemische und später Wasserstoff zur CO2-Reduktion miterleben.

Mehr Nachrichten aus Pirna lesen Sie hier.

Den täglichen kostenlosen Newsletter können Sie hier bestellen. 

Mehr zum Thema Pirna