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Es darf wieder gezaubert werden

Der Dobraer Florian Steinborn zeigt seine Künste derzeit vor allem bei Familienfeiern – die größeren Events müssen noch warten.

Gefragter Trick bei Familienfeiern: Zauberkünstler Florian Steinborn lässt in seinem Arbeitszimmer Tomaten erscheinen.
Gefragter Trick bei Familienfeiern: Zauberkünstler Florian Steinborn lässt in seinem Arbeitszimmer Tomaten erscheinen. © Manfred Müller

Dobra. Was macht ein Zauberkünstler, der seinem Publikum wegen der Corona-Gefahr nicht zu sehr auf die Pelle rücken darf? „Die Beteiligung der Zuschauer ist in unserer Branche wirklich wichtig“, erklärt Florian Steinborn. „Deshalb sage ich gleich am Anfang einer Veranstaltung, dass ich niemandem zu nahe kommen werde, der das nicht will.“ 

Nachdem die bereits gebuchten Veranstaltungen für ein Vierteljahr komplett ins Wasser gefallen waren, darf jetzt zumindest im kleinen Kreis wieder gezaubert werden. „Ich hatte von April bis Juni einen gut gefüllten Kalender“, erzählt der 28-jährige Unterhaltungskünstler.

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 Ende Februar sei die erste coronabedingte Absage gekommen, und dann ging es Schlag auf Schlag. Keine einfache Situation für jemanden, der sich vorgenommen hat, von seinen Zauberprogrammen zu leben. Mit etlichen Kunden konnte sich der Dobraer auf eine Verschiebung seines Auftritts einigen.

 Bei den anderen bleibt immerhin die Hoffnung, dass sie sich später an die einst geplante Zaubershow erinnern. Stornogebühren – wie sie in der Künstlerszene diskutiert wurden – verlangte Steinborn nicht.

Was er in den drei Monaten erzwungener Arbeitsruhe gemacht hat? „Langweilig war es auf keinen Fall“, sagt der gebürtige Schönfelder. Er habe viel im Haus gewerkelt, umgebaut und eingerichtet. Als studierter Physik- und Englischlehrer konnte Steinborn auch Nachhilfeunterricht geben und Schülern bei der Prüfungsvorbereitung helfen. Außerdem habe er die Zeit genutzt, um mit einem Bekannten an seiner öffentlichen Darstellung zu arbeiten.

 An einer neuen Website zum Beispiel, an Visitenkarten und Briefbögen. Und um für seine musikalischen Programmteile an den Instrumenten zu üben. Aber so richtig Neues einzustudieren, sei ihm nicht gelungen. Da fehle einfach die Rückkoppelung vom Publikum.

„Als Selbstständiger kann man so eine Durststrecke eine Zeitlang überstehen“, sagt Florian Steinborn. Die Spritkosten fielen ja schon mal weg, und wenn man kein teures Auto abzubezahlen habe und sparsam lebt, seien die Ausgaben überschaubar. Ansonsten habe er es gar nicht so schlecht gefunden, mal aus dem Alltag rausgerissen zu sein, um bei dem alltäglichen Überfluss zu sehen, was wirklich wichtig ist.

 Aber da sei er quasi in einer privilegierten Situation. Er kenne Kollegen, die durch Miete für Proberäume oder kleine private Theater finanziell hart getroffen wurden und teilweise umdenken müssen. 

Viele Spielstätten können aufgrund der Kontaktbeschränkungen nur im Teilbetrieb arbeiten, was nicht wirtschaftlich ist. Für den öffentlichen Kulturbetrieb bleiben viele Spannungen und eine große Ungewissheit. „Dort wäre politisch mehr Aufmerksamkeit angebracht“, sagt Steinborn.

Was ihm in den vergangenen Monaten am meisten gefehlt hat? Das Publikum natürlich. Da freue er sich schon auf den Spätsommer und den Herbst. Größere Veranstaltungen, wie Kunst- und Kulturtage, seien zwar immer noch nicht möglich.

 Auch die Firmen hielten sich mit Feiern bedeckt. Aber einige Events sollen dem Vernehmen nach doch stattfinden. So die Dampferfahrt auf der Elbe, wo Florian Steinborn vor internationalem Publikum ein Programm in englischer Sprache vorführen wird. Oder die Dinnershows in der Großenhainer Mückenschänke.

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