merken
PLUS Döbeln

Ex-Döbelner unter Mordverdacht

Er war ein Vorzeige-Flüchtling, der als Sechsjähriger nach Deutschland kam. Jetzt sitzt Edris Z. in U-Haft. Die Ermittler sprechen von einer heimtückischen Tat.

Längere Zeit hat Edris Z. mit seiner Familie im Asylbewerberheim in Döbeln gelebt. Dann zog er nach Leipzig.
Längere Zeit hat Edris Z. mit seiner Familie im Asylbewerberheim in Döbeln gelebt. Dann zog er nach Leipzig. © Archiv/Dietmar Thomas

Döbeln/Leipzig. Er kam als Sechsjähriger nach Deutschland. Edris Z. war mit seiner Familie aus Afghanistan geflüchtet. Die ersten acht Jahre lebte er in Leisnig, sieben weitere in Döbeln. Dann zog er nach Leipzig. Überall engagierte er sich. Seine Biografie zeichnet einen positiven Lebensweg. Bis jetzt. Seit einer Woche sitzt der heute 30-Jäh-rige in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft Leipzig ermittelt gegen ihn wegen des dringenden Tatverdachts des Mordes. Die Ermittler sprechen dabei von Heimtücke.

Edris Z. wird vorgeworfen, am 8. April seine ehemalige Lebensgefährtin im Leipziger Auwald angegriffen und ihr so schwere Kopfverletzungen zugefügt zu haben, dass die 37-jährige Deutsche trotz sofortiger intensivmedizinischer Behandlung zwei Tage später im Krankenhaus verstarb. Erst vor zwei Monaten hat sie eine Tochter zur Welt gebracht.

Autohaus Dresden
Eines der besten Autohäuser in Deutschland
Eines der besten Autohäuser in Deutschland

Dresden braucht starke und innovative Unternehmen, wie das Autohaus Dresden. Der Opelhändler ist seit über 25 Jahren tief mit der Region verwurzelt.

Bereits kurz nach der Tat hatte es aus dem Umfeld des Opfers Hinweise gegeben, dass der gebürtige Afghane möglicherweise der Angreifer war. „Aufgrund weiterer Ermittlungen zu dieser Person wurde durch die Staatsanwaltschaft ein dringender Tatverdacht bejaht und noch am Tattag ein Haftbefehl gegen den Beschuldigten beim Amtsgericht erwirkt“, erklärt Oberstaatsanwalt Ricardo Schulz.

Ob sich Edris Z. inzwischen zu den Tatvorwürfen geäußert hat, dazu macht der Pressesprecher mit Blick auf die laufenden Ermittlungen keine Angaben. Auch nicht dazu, ob die Tat mit einem Gegenstand ausgeführt wurde. Die Ermittlungen zum mutmaßlichen Tatablauf und zu möglichen Hintergründen der Tat dauern an. „Insoweit wird auch geprüft, ob die frühere Beziehung von Täter und Opfer und die nachfolgende Trennung von Bedeutung sind“, so Schulz.

Sollte Botschafter Sachsens sein

Edris Z. ist nicht vorbestraft. Seit er über Tschechien und Hamburg in die Region Döbeln kam, verlief sein Leben relativ geradlinig. Deutschland war das Land der Wahl seiner Eltern – wegen der guten Bildungsmöglichkeiten, erzählte er vor einigen Jahren bei einer Veranstaltung des Bündnisses "Willkommen in Döbeln".

Der Junge integrierte sich schnell, nutzte die Bildungschanchen und war eins von zehn Zuwandererkindern, die im Jahr 2006 ein Start-Stipendium bekamen. Das beinhaltete ein monatliches Bildungsgeld, eine Computer-Grundausstattung sowie die Unterstützung bei der Ausbildungs-, Studien- und Lebensplanung .„Begabte Zuwandererkinder sind gute Botschafter Sachsens“, sagte der damalige sächsische Ministerpräsident Georg Milbradt.

Edris Z. bestand das Abitur am Döbelner Lessing-Gymnasium und studierte anschließend in Leipzig Philosophie. Nach rund 20 Jahren erhielt er die deutsche Staatsbürgerschaft. In Döbeln spielte er in seiner Freizeit über viele Jahre Handball und engagierte sich im Treibhausverein. Dessen Mitstreiter zeigen sich von der mutmaßlichen Tat entsetzt und betroffen. Sie wollen sich zur Person Edris Z. aber nicht äußern.

Er spürte, wie er damals selbst sagte, nach Jahren des Hierseins wieder mehr Ablehnung und empfand den Umzug ins weltoffenere Leipzig als Befreiung. Trotzdem kehrte er noch einmal nach Döbeln zurück, um das Bündnis "Willkom-men in Döbeln" zu unterstützen. Das war während einer Protestdemo gegen die geplante Erstaufnahme für die Solidarität mit Flüchtlingen. 

Edris Z. erzählte seine Geschichte und forderte: "Die Menschen sollen die Asylsuchenden selbst kennenlernen und sich dann ein Bild machen und nicht die Meinung, die verbreitet wird, einfach widergeben und Ängste aufbauen." Auch in Leipzig engagierte er sich weiter in der Flüchtlingshilfe.

Mehr lokale Nachrichten aus Döbeln und Mittelsachsen lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Döbeln