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Fahrschüler in der Warteschleife

Wer jetzt in einer Zittauer Fahrschule seinen Führerschein machen will, der muss Zeit mitbringen. Das liegt nicht nur allein am eigenen Können.

Fahrlehrer Felix Müller mit seinem Fahrschüler Maximilian Weidner.
Fahrlehrer Felix Müller mit seinem Fahrschüler Maximilian Weidner. © Jan Lange

So ändern sich die Zeiten: Vor einigen Jahren interessierte die Fahrschüler bei ihrer Anmeldung zuerst der Preis, heute fragen sie, ob es überhaupt noch einen Platz gibt. Denn das ist nicht mehr selbstverständlich. Die Nachfrage sei hoch, erklärt der Eckartsberger Fahrlehrer Felix Müller. Und das schon vor Corona. 

Dieser Trend beschränkt sich nicht nur auf den Zittauer Raum, auch in Löbau sei die Zahl der Fahrschüler erheblich gestiegen, so die Bestätigung vonseiten der Fahrschule Roland Aust. Das habe, so die Einschätzung der Löbauer Fahrlehrer, zwei Gründe: Zum einen gehe die Zahl der Fahrschulen immer weiter zurück. So wird es auch in Zittau demnächst wieder eine Fahrschule weniger geben. Zum anderen wollen jetzt die geburtenstärkeren Jahrgänge der frühen 2000er Jahre ihren Führerschein machen.

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Maximilian Weidner gehört zu diesen Jahrgängen. Der 18-Jährige hatte Glück, er bekam einen Platz in der Fahrschule Müller. Anfang des Jahres begann er mit der Theorie, die ersten Fahrstunden absolvierte der junge Zittauer im Februar. Dass er seinen Führerschein noch immer nicht in den Händen hält, liegt nicht an seinem Können. Die Theorieprüfung bestand der 18-Jährige beim ersten Mal. Geschuldet ist seine lange Fahrausbildung vielmehr dem Corona-Lockdown. Zwei Monate war keine einzige Fahrstunde möglich. Danach musste er zwar nicht von vorn anfangen, aber ein paar Auffrischungsstunden waren Maximilian Weidner ganz recht. "Wir sprechen das mit den Fahrschülern ab, wenn sie so lange nicht gefahren sind", sagt Fahrlehrer Felix Müller. 

Klassenkamerad musste unbedingt fertig werden

Maximilian Weidner hatte keinen Druck, die Fahrausbildung schnell abschließen zu müssen. Er bleibt in Zittau, beginnt an der Hochschule im Herbst ein Studium. Bei seinem Klassenkameraden sah das anders aus, sagt der 18-Jährige. Der musste unbedingt fertig werden, weil er wegzieht. 

Die Fahrschulen zeigen sich in solchen Fällen kulant und arbeiten Fahrschüler, die beruflich auf den Führerschein angewiesen sind, schneller ab. Die meisten müssen aber Geduld mitbringen. Wurde die Fahrausbildung früher nach drei Monaten abgeschlossen, dauert sie jetzt zwischen sechs und neun Monate - selbst bei denen, die alle Prüfungen sofort bestehen. Die Zittauer Fahrschulen unterscheiden sich da nicht untereinander. Überall ist die Nachfrage groß und die Dauer der Ausbildung ähnlich lang. 

In Löbau kommen die Fahrschüler schneller zum Führerschein. Bei der Fahrschule Aust müssen sie mit einer Dauer von etwa drei bis vier Monaten rechnen. Auch Frank Muschik bestätigt, dass die Dauer normal sei. Nur die Fahrschüler, deren Praxisausbildung durch den Corona-Lockdown unterbrochen wurde, dauere es etwas länger.

Dass es bei den Zittauer Fahrschulen länger dauert, liegt auch am fehlenden Nachwuchs. Viele Fahrschule suchen Fahrlehrer - und finden keine. In dem Punkt unterscheiden sie sich nicht von den Löbauer Kollegen. Auch Frank Muschik von der gleichnamigen Löbauer Fahrschule sucht seit Längerem einen Fahrlehrer - bisher ohne Erfolg. Die Fahrschule Aust fand nach langer Suche - seit 2014 - zwei neue Kollegen. Einer hat inzwischen die Prüfung absolviert und kann eigene Fahrschüler betreuen, die zweite Kollegin steht kurz vor dem Abschluss der Fahrlehrerausbildung.

Während die Löbauer Fahrlehrer bestrebt sind, dass ihre Fahrschüler mehrmals in der Woche hinter dem Lenkrad sitzen, ist das in Zittau kaum zu realisieren. Zwei bis drei Fahrstunden pro Woche bei jedem Schüler sei schwer bis unmöglich zu leisten, sagt der Zittauer Fahrlehrer Ronald Baudisch. Wenigstens eine Fahrstunde in der Woche ist aber das Ziel. "Man muss allen gerecht werden", meint auch Felix Müller. Man könne nicht den einen Fahrschüler dreimal die Woche fahren lassen, andere aber drei Wochen auf die nächste Fahrstunde warten lassen. 

"Stau" abbauen

Die Fahrschulen müssen auch noch den "Stau" vom Corona-Lockdown abbauen. Immerhin bekommen die Fahrschüler, die von dem Stillstand betroffen waren, eine Verlängerung. Normalerweise müssen sie innerhalb eines Jahres, nachdem sie den Führerscheinantrag abgegeben haben, die Theorieprüfung bestehen und innerhalb eines weiteren Jahres die Praxisprüfung absolvieren. Wer aber im Frühjahr einen Antrag gestellt hat, hat nun etwas länger Zeit.

Den Corona-"Stau" hat die Fahrschule Aust ganz einfach abgebaut. Neue Fahrschüler wurden nach dem Ende des Lockdowns erst angenommen, als die schon angemeldeten Fahrschüler ihre Praxisausbildung weitestgehend abgeschlossen hatten. Man habe noch nie mehr Schüler angenommen, als man leisten könne, heißt es vonseiten der Löbauer Fahrschule. Lieber werde ein Fahrschüler zu einer anderen Fahrschule geschickt, als dass sich dessen Ausbildung in die Länge zieht.

In Zittau ist das kaum möglich, da alle Fahrschulen gut zu tun haben. Aus dem Grund sei es derzeit auch nicht möglich, schon während der Theorieausbildung die ersten Fahrstunden zu absolvieren, erklärt Felix Müller. Zuerst seien die Schüler an der Reihe, die bereits die Theorieprüfung bestanden haben. So wie Maximilian Weidner. Der steht jetzt kurz vor der Prüfung. Er muss noch die letzten Sonderfahrten machen und dann könne die Prüfung erfolgen, erklärt sein Fahrlehrer. 

Prüfungen sind zeitnah möglich

Auf den Prüfungstermin lange warten, muss er aber nicht. In der Regel dauert es von der Anmeldung bis zur eigentlichen Prüfung zwei Wochen. Das sei die normale Wartezeit, daran habe auch die Corona-Pandemie nichts geändert, sagt Müller. In anderen Regionen wie Dresden oder Leipzig sei es deutlich schwieriger, einen zeitnahen Prüfungstermin zu bekommen, weiß Ulrike Lorenz von der City-Fahrschule Krause. 

Auch für eventuelle Nachprüfungen gebe es problemlos Termine, sagt Frau Lorenz. Gesetzlich ist sowieso eine Wartezeit von mindestens zwei Wochen vorgeschrieben, wenn die Fahrschüler die praktische Prüfung nicht bestehen. Ob die neue Prüfung gleich nach zwei Wochen oder später stattfindet, hängt auch vom Fahrschüler und seinem "Fehler" in der Prüfung ab. Mindestens zwei weitere Fahrstunden muss der Schüler bis zur nächsten Prüfung absolvieren, oft sind es mehr, heißt es vonseiten der Fahrlehrer.

Maximilian Weidner hofft, die praktische Prüfung beim ersten Mal zu bestehen. Er hätte dann neun Monate für seine Fahrausbildung benötigt. "Schneller wäre besser gewesen", meint der 18-Jährige. Am Ende ist er aber froh, sie nun abschließen zu können.

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