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Strafen für Felsenwelt-Rambos

Manche Besucher im Nationalpark Sächsische Schweiz werden immer dreister. Nationalpark und Bergsteigerbund wehren sich dagegen.

Das Foto sorgte vergangene Woche für Aufsehen. Jetzt schlagen Naturschützer und Bergsteiger Alarm.
Das Foto sorgte vergangene Woche für Aufsehen. Jetzt schlagen Naturschützer und Bergsteiger Alarm. © Mike Jäger

Mit dem Auto bis an die Boofe, mit dem Rad querfeldein durch die Kernzone des Nationalparks Sächsische Schweiz, ein Feuer unterhalb des Quirls - das sind nur drei Beispiele aus der letzten Woche dafür, wie einige rücksichtslose Wander- und  Kletterfreunde mit unserer Sächsischen Schweiz umgehen. Wer erwischt wird, muss mit empfindlichen Strafen rechnen, so wie einige Leute, die im letzten Jahr beim Boofen erwischt wurden, obwohl in dieser Zeit Betretungsverbot herrschte. Sie müssen nun rund 1.000 Euro Straße zahlen, jeder einzeln.  

Mehr Touristen, mehr Verstöße

Unter den unzähligen Touristen, die derzeit die Sächsische Schweiz bevölkern, sind einige schwarze Schafe. Und da mehr Menschen als sonst unterwegs sind, gibt es offenbar auch mehr schwarze Schafe. Sie tauchen in der Statistik des Nationalparks auf. Über das Einhalten der Nationalparkverordnungen wachen die 16 Ranger, die im Sommer im Elbsandsteingebirge im Einsatz sind. Sie haben seit Mai 2020 mehr als vor einem Jahr zur selben Zeit zu tun. Nach aktuellem Stand habe man in den Monaten Juni und Juli rund 160 Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet, sagt Hanspeter Mayr, Pressesprecher des Nationalparks Sächsische Schweiz.  Dazu kommen noch sechs Anzeigen der Wasserschutzpolizei für diesen Zeitraum zu Verstößen in der Nationalparkregion. Macht insgesamt 166 Anzeigen in nur zwei Monaten. Zum Vergleich:  Im gesamten vergangenen Jahr waren es laut Landesdirektion Dresden etwa 500 Anzeigen. Auf den Monat runtergerechnet waren das also im vergangenen Jahr 41 Anzeigen pro Monat. 

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Vor allem gehe es um das Verlassen der Wege in der Kernzone, Lagerfeuer sowie Parken auf Rettungswegen und Waldeinfahrten. Dazu kommen noch die Parkverstöße, die das Sebnitzer Ordnungsamt entlang der Kirnitzschtalstraße registriert hat. Allein an den letzten zwei Wochenenden kamen hier über 162 Falschparker zusammen, in Hinterhermsdorf nochmal 43 Verstöße. Auch da waren es meist Fahrzeuge, die Rettungswege beziehungsweise -gassen zugeparkt hatten.  Während die Knöllchenempfänger Post von der Stadt Sebnitz bekommen, erhalten die restlichen Post von der Landesdirektion in Dresden. Denn die Nationalparkverwaltung verhängt nicht selbst das Ordnungsgeld. Von den Mitarbeitern werden nur die Daten aufgenommen. Das geht dann alles samt Stellungnahme an die Landesdirektion. Dort wird dann die Höhe des Ordnungsgeldes festgelegt oder eben auch ein Strafverfahren angestrengt.

Wer erwischt wird, muss blechen

Welche Strafe nun zum Beispiel den Kraftfahrer und die Radler bezahlen müssen, steht noch nicht fest. "Die Dauer der Bearbeitung von Ordnungswidrigkeiten-Verfahren hängt von jedem Einzelfall ab. Unter Berücksichtigung der Ermittlungszeiten, des Anhörungsverfahrens und der gewährten Frist für einen Einspruch dauert ein solches Verfahren in der Regel zwei bis drei Monate. Bei Verwarngeldern liegt durchschnittliche Bearbeitungszeit bei etwa einem Monat", sagt Holm Felber, Pressesprecher der Landesdirektion. 

Laut Naturschutzgesetz können die in der Nationalparkregion erfassten Ordnungswidrigkeiten mit einer Geldbuße bis zu 50.000 Euro geahndet werden. In weniger schwerwiegenden Fällen, zum Beispiel dem Verlassen von gekennzeichneten Wegen oder dem Fahren mit dem Fahrrad / dem Kfz außerhalb von ausdrücklich zugelassenen Straßen, Wegen und Plätzen, werden Betroffene verwarnt und es wird ein Verwarnungsgeld bis zu 55 Euro erhoben. Das Übernachten an nicht ausgewiesenen Stellen wird üblicherweise die mit einer Geldbuße von 80 Euro, zuzüglich der Verwaltungskosten, geahndet. Fallen mehrere Verstöße gleichzeitig an, summieren sich die entsprechenden Beträge. Grundsätzlich gilt: Bei der Entscheidung über die Höhe der Geldbuße oder des Verwarnungsgeldes kommt es stets auf den Einzelfall an. 

Klettern im Elbsandstein ist nicht ohne

Aufgrund der Vorkommnisse fühlt sich auch der Sächsische Bergsteigerbund (SBB)  angesprochen. Denn echte Kletterer oder Bergsteiger reisen nun Mal nicht mit dem Auto zum Boofen an. "Das Klettern an den Sandsteinfelsen ist an Regeln gebunden, die sich über viele Jahrzehnte bewährt haben. Das gemeinsame Ziel ist, dass auch die nachfolgenden Generationen die einzigartige Natur und unvergessliche Klettertouren erleben können", sagt Christian Walter, Geschäftsführer des SBB. Deshalb sollte sich jeder auf die Klettertouren gut vorbereiten und vorher auch Informationen einholen, rät er. Grundsätzlich sei das Bergsteigen im Elbsandstein anders als in der Kletterhalle oder den meisten Sportklettergebieten.  Aus diesem Grund sollten sich Kletterer auch über die geltenden Regeln in der Sächsischen Schweiz kundig machen. Der Bergsteigerbund reagiert damit unter anderem auch auf Aktionen von Freizeitkletterern, die immer wieder auch am nassen Fels ihr Glück versuchen. "Das ist untersagt, denn es zerstört die empfindlichen Sandsteinformationen und bringt auch den Kletterer selbst in Gefahr", sagt Christian Walter.

Tipps für die Nationalpark-Besucher

Öffentliche Verkehrsmittel: Die Nationalparkverwaltung appelliert an Besucher, mit öffentlichen Verkehrsmitteln anzureisen. Jede Stunde hält ein Eurocity-Zug in Bad Schandau, von Dresden aus kann man mit der S-Bahn fahren oder auch die Parkplätze an den Nationalparkbahnhöfen in Bad Schandau und Sebnitz nutzen. Mit dem Bus oder der Kirnitzschtalbahn geht es dann durch das Tal. Das hat den Vorteil, dass die nervige Parkplatzsuche entfällt, denn auf die werden sich Ausflügler sonst auch in den nächsten Wochen noch einstellen müssen.

Markierte Wege nutzen: Ein weiteres Problem - manche Wanderer laufen quer durch den Nationalpark. Allerdings sollte man auf den markierten Wanderwegen bleiben.  500 Kilometer Wanderwege allein im Nationalpark führen die Touristen zu allen 100 Aussichten, Schlüchten und Tälern. 1.600 Wegweiser zeigen zuverlässig den Weg, auf dem man auch bleiben sollte. "Hintergrund ist, dass sich die Tiere nur dann auf Besucherverhalten einstellen können, wenn diese die gewohnten Routen laufen", sagt Nationalparksprecher Hanspeter Mayr. Immer wenn ein Besucher einen Weg verlasse, erhöhe das das Unsicherheitsgefühl der Tiere. Es könnte durchaus passieren, dass Tiere ihren gewohnten Lebensraum verlassen. Hunde müssen angeleint werden.

Feuer im Wald:  Feuer und rauchen sind überall im Wald verboten, nicht nur im Nationalpark.  Boofen sind nur für Kurzaufenthalte gedacht, nicht zum Urlauben. Wildes Campen ist verboten. Es dürfen nur ausgewiesene Boofen genutzt werden.

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