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„Wir schreiben niemandem Werte vor“

Carsten Hacker ist Freimaurer. Mit der SZ spricht er exklusiv über die neue Meißner Loge und ihre Ziele.

Wenn Carsten Hacker kein Freimaurer ist, arbeitet er als Außendienstmitarbeiter im Lebensmittelhandel.
Wenn Carsten Hacker kein Freimaurer ist, arbeitet er als Außendienstmitarbeiter im Lebensmittelhandel. © Claudia Hübschmann

Herr Hacker, warum sind Sie Freimaurer geworden?

Oh, da muss ich weiter ausholen. Heutzutage hat jeder einen anderen Zugang. Bei mir war es eine Führung auf dem Eliasfriedhof in Dresden mit meiner Frau. Dort gab es Freimaurer-Zeichen auf den Grabmälern, die uns schon immer beschäftigten. Der Führungsleiter wusste dazu einiges. 

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Danach habe ich mir im Internet Anti-Freimaurer-Literatur bestellt. Nach der Lektüre überlegte ich: Eine Bewegung, die so alt ist, auch wenn sie noch so schlecht dargestellt wurde – irgendetwas Positives muss sie ja haben. Danach las ich Freimaurer-Literatur und ging zum ersten Gästeabend. So fing es an. Jetzt bin ich zwölf Jahre dabei.

Was macht ein Freimaurer?

Unser Slogan ist: „Die Arbeit am eigenen rauen Stein“. Das heißt, jeder versucht, ein besserer Mensch zu werden. Die Werte der Freimaurerei sollen die Mitglieder dann in anderen Institutionen und im Alltag leben. Wir stehen für Menschlichkeit, Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. 

Wir schreiben aber niemandem vor, welche Werte für ihn gültig sind. Ehrlichkeit setzen wir in jedem Fall voraus. Außerdem unterstützen wir gern Projekte, die für alle zugänglich sind und sich in der Region befinden. In der Vergangenheit waren es zum Beispiel das Kinder- und Jugend-Hospiz und das „Eselsnest“ in Dresden.

In Meißen gründeten Sie erst vergangenes Jahr im November die Loge „Krone im Elbtal“. Warum?

In unserer Region gibt es eine lange Tradition der Freimaurerei – aber keine eigene Loge. Das wollten wir ändern. Denn es gibt viele Brüder, die hier wohnen und aktiv werden wollen. In Meißen sind wir nun 14 Mitglieder, in Dresden waren wir etwa 100, insgesamt in allen drei Logen.

Wo treffen Sie sich?

Wir tagen im Hinterzimmer einer gemütlichen Meißner Gaststätte. Dort machen wir unsere Bruderabende zu freimaurischen, philosophischen Themen. Gästeabende veranstalten wir auch. Der nächste ist Anfang März mit Kathrin Krüger. Sie ist sehr engagiert mit dem Thema Freimaurerei im Landkreis und Dresden.

Darf jeder zum Gästeabend kommen?

Im Prinzip ja. Alle sind herzlich eingeladen. Interessierte können gern über unsere Internetseite mit uns Kontakt aufnehmen oder per E-Mail: [email protected] Dann teilen wir dem Interessenten den Ort und die Zeit mit. Wer weiß, vielleicht entstehen so neue Mitgliedschaften.

Wie nehmen Sie neue Mitglieder auf?

Normalerweise finden die Aufnahmerituale in Tempeln statt. Wir werden deshalb unsere erste Aufnahme in der Walhalla in Weinböhla machen. Dann gestalten wir eine in einem schönen, alten Schloss bei Hof in der Nähe von Stauchitz. Das heißt, wir werden an verschiedenen Orten unseren Tempel einrichten, um unsere Rituale durchzuführen. Unser jüngstes Mitglied ist 23 Jahre alt, unser ältester Bruder 77.

Welche Ideen vertreten Sie?

Bei uns sind Leute aus verschiedenen Berufen mit unterschiedlichen Hintergründen. Gerade diese Differenziertheit hat einen Vorteil. Wir beleuchten unterschiedliche Themen von vielen Seiten. Deswegen kommen einige Mitglieder zu uns. Sie haben zwar alles erreicht: Familie, Kinder, Haus, Beruf und so weiter, aber irgendetwas fehlt ihnen. Wir sind keine politische oder kirchliche Organisation. 

Wenn jemand eine Meinung zu einem Thema hat, dann brüllt ihn niemand nieder. Sondern er stellt seine Meinung daneben und überlässt das den Brüdern, was sie daraus ziehen. Wenn 15 Leute zu unseren Treffen kommen, verlassen meist genauso viele Meinungen den Raum. Meistens gibt es Abende, an denen man mit mehr Fragen als Antworten hinausgeht.

Sind Sie religiös?

Nein. Gläubig – ja. Die Freimaurerei geht vielmehr davon aus, dass es einen „Großen Baumeister aller Welten“ gibt. Wie der Einzelne das interpretiert, ist jedem selbst überlassen. Für den einen ist das Gott, für den anderen ist das die Summe der Werte, die man hat. Diese Werte sind es, die die Bruderschaft verbindet.

Wen nehmen Sie als Mitglied auf?

Wir suchen „freie Männer von gutem Ruf“. Freie Männer sind Menschen, die das, was sie sagen, auch so meinen. „Von gutem Ruf“ meint, dass ein Mitglied kein Gewalttäter oder Verbrecher sein darf. Oder wenn jemand mit Naziideologie zu uns kommen würde – der hätte keinen Platz. Wichtig ist uns eine Vorbereitungszeit.

 Wir wollen den neuen Bruder erst mal kennenlernen, denn die Mitgliedschaft ist auf Dauer angelegt. Natürlich dürfen uns Mitglieder verlassen. Die Quote liegt allerdings nur bei einem Prozent. Verpönt ist die Freimaurerei als Geschäftsmaurerei. Wir wollen die Vielfalt der unterschiedlichen Berufe in einer Loge vereinen. Wir sind ein Netzwerk im Sinne der Wissensvermittlung.

Über was dürfen Sie nicht reden?

Alle Informationen, die ich über die Brüder weiß, über ihre Meinungen und familiäre Situation. Die bleiben in unserem geschützten Raum. Ich würde deshalb nie den Namen eines anderen Bruders ohne dessen Zustimmung nennen.

Das Gespräch führte Martin Skurt.

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