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Opernball-Chef: Die Verleihung war ein Fehler

Nach der Verleihung des St. Georgs Ordens an Ägyptens Machthaber Al-Sisi entschuldigt sich Hans-Joachim Frey. Beim Ball soll der Preis keine Rolle mehr spielen.

Semperopernball-Chef Hans-Joachim Frey verteidigte zunächst seine Entscheidung, den ägyptischen Diktator zu ehren.
Semperopernball-Chef Hans-Joachim Frey verteidigte zunächst seine Entscheidung, den ägyptischen Diktator zu ehren. © Sven Ellger

Nur zwei Tage, nachdem Hans-Joachim Frey in Kairo den St. Georgs Orden an Ägyptens Machthaber Abdel Fattah al-Sisi übergeben hatte, richtete sich der Semperopernball-Chef jetzt mit einer Entschuldigung an die Öffentlichkeit. „Die Debatte um die Verleihung des St. Georgs Orden an den ägyptischen Präsidenten Al-Sisi bewegt die Öffentlichkeit. 

Als Semperopernball nehmen wir die Kritik und die vorgebrachten Argumente sehr ernst. Uns sind die entstandenen Irritationen bewusst, und wir bedauern sie von Herzen.“, so der Ballchef. Und weiter: „Wir möchten uns für diese Preisverleihung entschuldigen und davon distanzieren. Die Verleihung war ein Fehler. Wir nehmen die Debatte zum Anlass, über unser Selbstverständnis als Kulturbotschafter und wie man dieses ausgestaltet und lebt, nachzudenken.“

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Nachdem die Kritik an der Verleihung nicht abriss, sah Frey offenbar keine andere Möglichkeit, als so zu reagieren. Zuvor hatte sich Tagesschau-Sprecherin Judith Rakers, die den Ball am 7. Februar zusammen mit Schlagerstar Roland Kaiser moderieren soll, irritiert von der Preisverleihung gezeigt. Über die Entscheidung, Al-Sisi mit dem St. Georgs Orden zu ehren, habe sie erst aus der Presse erfahren. Zu möglichen Konsequenzen für ihr eigenes Engagement könne sie noch nichts sagen. „Ich bitte zu respektieren, dass ich mich erst abschließend äußern kann, wenn alle Gespräche – vor allem mit dem übertragenden ARD-Sender MDR – abgeschlossen sind.“

Später äußerte sich auch Roland Kaiser bei Facebook: „Ich hatte mich sehr darauf gefreut, den Semperopernball an der Seite von Judith Rakers zu moderieren. Durch die Verleihung des St. Georgs Ordens an den ägyptischen Machthaber Abdel Fattah al-Sisi ist aus dem rauschenden kulturellen Ereignis ein Politisches geworden.“ Ebenso wie Judith Rakers sei er irritiert über die Ordensvergabe und deshalb in Gesprächen über die Konsequenzen, die er voraussichtlich ziehen werde.

Roland Kaiser ist nicht nur Star der Dresdner Kaisermania am Elbufer, sondern seit  vergangenem Jahr auch das Gesicht des Semperopernballes. Foto: Sven Ellger
Roland Kaiser ist nicht nur Star der Dresdner Kaisermania am Elbufer, sondern seit  vergangenem Jahr auch das Gesicht des Semperopernballes. Foto: Sven Ellger © Sven Ellger

Nachdem bereits mehrere Politiker und Kulturschaffende die Preisvergabe kritisiert hatten und Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) gar seine Teilnahme am Ball infrage stellte, kommen weitere Forderungen. „Keine Steuergelder mehr für den Semperopernball!“ will etwa der Fraktionsvorsitzende der Dresdner Linken, André Schollbach. Künftig sollten keine öffentlichen Gelder mehr eingesetzt werden, um Karten für den Ball zu erwerben. Seine schriftliche Anfrage habe ergeben, dass jährlich mehrere Tausend Euro aus der Dresdner Stadtkasse „für teure VIP-Ballkarten von Oberbürgermeister Dirk Hilbert und dessen Gefolge“ ausgegeben würden. „Die Verantwortlichen des Semperopernballs haben mit der jetzt bekannt gewordenen Ehrung dem Ansehen unserer Stadt erheblichen Schaden zugefügt“, schreibt Schollbach in seiner Erklärung und bezeichnet die Finanzierung der Tickets über die Stadt als „ohnehin fragwürdigen Umstand“.

Auch der Mitteldeutsche Rundfunk als ein Partner des Semperopernballs distanzierte sich: „Wir halten diese Entscheidung für falsch“, sagte eine Sprecherin. Sollte sich der Veranstalter entscheiden, die Ehrung von Al-Sisi beim Ball zu thematisieren, werde das nicht mit ausgestrahlt.

Frey versichert nun aber in seiner Erklärung: „Für den kommenden Ball bestätigen wir, dass die Preisverleihung keinerlei Rolle auf dem Semperopernball spielen wird. Sie wird weder in Wort noch im Bild im Programm oder im Fernsehen stattfinden.“

Ursprünglich gab es Überlegungen, die Übergabe in Kairo während der Gala per Video einzuspielen.

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In eigener Sache

DDV-Mediengruppe distanziert sich von Semperopernball-Preisträger: Der künstlerische Leiter des Semperopernballs, Hans-Joachim Frey, hat am Sonntag den ägyptischen Staatspräsidenten Abdel Fatah Al-Sisi mit dem St.-Georgs-Orden des Dresdner Semperopernballs ausgezeichnet.

Die DDV-Mediengruppe ist seit vielen Jahren offizieller Medienpartner des Dresdner Semperopernballs. Ziel dieses Engagements war und ist es, ein Dresdner Event mit nationaler Ausstrahlung für Sachsen aufzubauen und zu befördern. Umfang und Art dieses Engagements werden regelmäßig neu bewertet.

Die DDV-Mediengruppe hat keinen Einfluss auf die inhaltliche Gestaltung des Balls.

Die DDV-Mediengruppe (u.a. Sächsische Zeitung, Morgenpost, sächsische.de, TAG24.de) distanziert sich ausdrücklich von der Entscheidung, den ägyptischen Staatspräsidenten Al-Sisi mit dem St.-Georgs-Orden des Dresdner Semperopernballs auszuzeichnen. Missachtung von Menschenrechten einschließlich des Rechts auf freie Meinungsäußerung sind nicht vereinbar mit Haltung und Selbstverständnis von Verlag und Redaktionen in der DDV-Mediengruppe.

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