merken
PLUS

Glashütter Uhrenchef macht Kirche zum Konzertsaal

In ein entweihtes Gotteshaus in Glashütte zieht wieder Leben ein. Darum kümmert sich der Geschäftsführer einer Uhrenfirma.

Seit 67 Jahren prägt dieses Gebäude die Glashütter Stadtkulisse. 1952 als katholisches Gotteshaus fertiggestellt, gehört es seit Ende 2017 der Uhrenmanufaktur Nomos Glashütte.
Seit 67 Jahren prägt dieses Gebäude die Glashütter Stadtkulisse. 1952 als katholisches Gotteshaus fertiggestellt, gehört es seit Ende 2017 der Uhrenmanufaktur Nomos Glashütte. © Foto: Egbert Kamprath

Um Glashüttes frühere katholische Kirche ist es ruhig geworden. Der letzte Gottesdienst fand Ende September 2017 statt. Seither steht sie ungenutzt am Müglitzhang. Das soll sich ändern. Wer das ankündigt, ist Uwe Ahrendt, Geschäftsführer des Uhrenherstellers Nomos Glashütte und mit ihr seit Ende 2017 Besitzer dieser Immobilie.

In den nächsten Wochen werden Bauleute anrücken. Sie werden die von den Katholiken begonnene Sanierung des einstigen Pfarrhauses beenden. „Es werden zwei Wohnungen entstehen“, sagt Ahrendt. Diese werden nach der Fertigstellung vermietet. Bis dahin soll auch der bisher noch unbefestigte Pfad zwischen dem Dittersdorfer Weg und dem Gebäudekomplex asphaltiert werden.

Küchen-Profi-Center Hülsbusch
Nichts anbrennen lassen und ab nach Weinböhla!
Nichts anbrennen lassen und ab nach Weinböhla!

Schon Goethe wusste: Essen soll zuerst das Auge erfassen und dann den Magen. Das gelingt besonders gut in einer schicken neuen Küche. Jetzt zum Küchen-Profi-Center Hülsbusch und sich beraten lassen.

Musiker Dietmar Löhnert.
Musiker Dietmar Löhnert. © Foto: Egbert Kamprath

Und auch für das einstige Gotteshaus hat der Glashütter Pläne. Dieses soll zu einem Mehrzeckraum werden. Die erste Veranstaltung wird bereits vorbereitet. Es wird ein Konzertabend, kündigt Ahrendt an. Dafür habe er Dietmar Löhnert gewinnen können. Der Musiker aus Bärenstein ist im Osterzgebirge kein Unbekannter. Seit 54 Jahren steht er auf der Bühne und macht Musik. Angefangen hat er als Livemusiker. Zehn Jahre spielte er in der Band „Die Falken“ mit. Später war er als Discjockey unterwegs. Vor sieben, acht Jahren startete der Bärensteiner dann das Musikprojekt „Dietmar and Friends“. Zusammen mit befreundeten Musikern spielt er „Background-Livemusik“. Die kleine Band covert Songs von Eric Clapton, Tom Petty und den Dire Straits. Mit dieser „erdigen Musik“ begeistert der Bärensteiner sein Publikum. Das findet sich hauptsächlich in kleineren Lokalen ein, wie der Beerenhütte in Zinnwald, dem Alten Raupennest in Altenberg aber auch beim Dittersdorfer Maifest. Auch zu größeren Geburtstagsfeiern spielen „Dietmar and Friends“ auf. Und genau bei so einem hat Uwe Ahrendt sie entdeckt.

Nomos-Chef Uwe Ahrendt.
Nomos-Chef Uwe Ahrendt. © Foto: Kretschel

Der Uhrenchef konnte Löhnert für die Premiere gewinnen. Der Bärensteiner sagte zu. Inzwischen wurden Nägel mit Köpfen gemacht, der Termin steht. Ahrendt hat mit dem Betreiber des einstigen Bistro H 4, Remo Steinigen, auch einen Gastronomen gewinnen können, der sich um die Bewirtung und die Ausgestaltung des Raumes kümmern wird. Denn der ist seit der Aufgabe der Kirche so gut wie ausgeräumt. Löhnert ist gespannt, wie der Musikabend bei den Glashüttern und und ihren Gästen ankommt. Löhnerts Musikabend soll am 9. März, 20 Uhr, beginnen und bis Mitternacht gehen. Dazwischen werde es drei Pausen geben. Ahrendt ist zuversichtlich, dass die Premiere gelingt. „Dietmar Löhnert ist ein feiner Musiker und in Glashütte kein Unbekannter“, sagt der Unternehmer. Wie es nach diesem Konzert weitergeht, steht noch nicht fest. Ahrendt kann sich aber gut vorstellen, dass hier ähnliche Veranstaltungen stattfinden. Auch eine Technoparty hält er für möglich.

Ahrendt hofft, dass er den Glashüttern mit der früheren Kirche einen Veranstaltungsort anbieten kann, den einige nach der Aufgabe des Kulturhauses vermissen. Wie lange das Gebäude noch so genutzt werden kann, stehe noch nicht fest. Der Unternehmer kann sich aber vorstellen, dass das noch ein Weilchen so geht. Zumindest so lange, bis die Glashütter ihr Vereinshaus bekommen. Das soll im derzeitigen Schützenhaus entstehen.

Das Auf und Ab einer Gemeinschaft

Durch die Einwanderung von katholischen Uhrmachern und Uhrmacherschülern entstand im evangelisch-lutherisch geprägten Glashütte nach 1830 eine katholische Gemeinschaft. 

Die Katholiken wurden von der Hofkirche in Dresden und der Pfarrei in Pirna betreut.

Am 16. Juni 1929 fand im damaligen Gasthof Stadt Dresden seit langer Zeit der erste katholische Gottesdienst statt.

Durch Flucht und Vertreibung stieg nach 1945 die Zahl der Zahl der hiesigen Katholiken. Bis 1950 gab es vier Versuche, ein Grundstück für einen Kirchenbau zu bekommen. Das gelang 1951.

Am 28. September 1952 wurde der Grundstein für die Sankt Christophorus-Kirche gelegt. Am 31. Oktober wurde sie von Bischof Heinrich Wiencken geweiht.

Die Kirche wurde Ende der 1960er-Jahre und 2004 umgestaltet.

Seit 2016 gehört Glashütte zur Pfarrei Osterzgebirge. Diese entschied, Kirche und Pfarrhaus zu verkaufen. Die Gründe waren die hohen Unterhaltskosten und der schwierige Zugang zur Kirche, die an einem Hang steht. (SZ/mb)

1 / 7

Sie wollen noch besser informiert sein? Schauen Sie doch mal auf www.sächsische.de/dippoldiswalde vorbei.

Für Informationen zwischendurch aufs Handy können Sie sich unter www.szlink.de/whatsapp-regio anmelden.