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Großenhain

Für ihn ist Blindheit keine Ausrede

Frank Herrmann benutzt PC und Smartphone, obwohl er nichts sieht. Trotz der Einschränkung ist er vielen anderen weit voraus.

Eigentlich braucht Frank Herrmann seine Brille nicht. Der Lampertswalder ist seit seinem 30. Lebensjahr aufgrund einer Erbkrankheit völlig blind, auch wenn sein Lachen es nicht vermuten lässt.
Eigentlich braucht Frank Herrmann seine Brille nicht. Der Lampertswalder ist seit seinem 30. Lebensjahr aufgrund einer Erbkrankheit völlig blind, auch wenn sein Lachen es nicht vermuten lässt. © K.-D. Brühl

Lampertswalde/Großenhain. Leider ist es mit dem neuen Augenlicht nichts geworden. Die Firma, auf die Frank Herrmann seine Hoffnung gesetzt hatte, wenigstens hell und dunkel zu unterscheiden, ist pleite. 

Der Lampertswalder, der schon mit drei Jahren stark kurzsichtig war und als Erwachsener vollständig erblindete, hatte vor drei Jahren an einer Studie am Städtischen Klinikum Dresden-Friedrichstadt teilgenommen. Dort wurde ihm ein drei Millimeter winziger Chip auf die zerstörte Netzhaut eingepflanzt. 

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Mit ihm sollten Blinde wieder etwas Licht sehen können. Erste Tests bei mehreren Patienten waren erfolgreich. Doch dann kam die Nachricht, dass die Retima Implant AG einen Insolvenzantrag gestellt hatte. Anfang April wurde dann die Auslösung der Firma bekannt gegeben. Ein Schock für Mediziner und Patienten.

„Den Chip habe ich immer noch im rechten Auge“, erzählt Frank Herrmann. „Aber mehr als ein paar Lichtquellen in der Dunkelheit kann ich damit nicht sehen.“ Etwas Enttäuschung klingt schon aus seiner Stimme. Doch er hofft, dass die Forschungen weitergehen. Der 57-Jährige würde sich auf alle Fälle wieder für Studien zur Verfügung stellen, wenn die Augenspezialisten des Friedrichstädter Klinikums anfragen würden.

Dieses „Es muss weitergehen“ beeindruckt. Frank Herrmann lebt dieses Motto. Seine Blindheit ist kein Hindernis, neue Technologien auszuprobieren. Er arbeitet mit Computer und Smartphone, die ihm den Alltag erleichtern. Und das nicht erst seit gestern. 

„Ich habe schon lange ein papierloses Büro“, erzählt er und tippt mit den Fingern auf sein I-Phone. Der Bildschirm ist schwarz. Eine Stimme ertönt und sagt ihm, welche App er gerade nutzt. Davon gibt es einige, die speziell für Blinde entwickelt wurden, zum Beispiel einen Text-Leser, einen Geldschein-Erkenner oder ein Navi, das seiner Frau und ihm im Urlaub wertvolle Dienste leistet. Und auch Podcasts hört er gern per Handy. Am liebsten Welle 1953, die Radioshow über seinen Lieblingsfußballverein Dynamo Dresden.

„Es ist toll, was mittlerweile mit dem Smartphone alles möglich ist. Das bringt den Blinden sehr viel Selbstständigkeit zurück“, sagt Herrmann. Deshalb ist die absolute Dunkelheit in seinem Leben keine Ausrede für ihn, nichts zu tun und sich traurig in sein Schicksal zu fügen. Dieser Mann ist ein Paradebeispiel dafür, sich nicht unterkriegen zu lassen, neue Wege zu gehen und trotz aller Einschränkungen sich für andere einzusetzen.

Und das tut der zweifache Vater. Seit 25 Jahren leitet er die Kreisorganisation Großenhain des Blinden- und Sehbehindertenverbandes. Sie zählt zurzeit 23 Mitglieder, die sich auf ihn verlassen können. Frank Herrmann organisiert monatliche Aktivitäten, kümmert sich um Anträge für Fördermittel, hält Kontakt zu Sponsoren, wie zum Beispiel Kronospan. 

„Ohne sein eigenes bedingungsloses Engagement würde die Kreisorganisation Großenhain sicher nicht so gut funktionieren“, sagt Nachbarin Regina George. Die ehemalige Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Meißen und ihr Mann Bruno wollen Frank Herrmann für den Ehrenamtspreis der Stadt Großenhain, die Kleine Preuskermedaille, nominieren. Dafür werden momentan Vorschläge gesucht. 

Er selbst weiß davon noch nichts. Fröhlich und bescheiden sagt er: „Wenn ich die Unterstützung meiner Frau und meiner Kinder nicht hätte, könnte ich vieles nicht machen.“

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