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Neuer Meniskus für Benny Kirsten

Dem früheren Torwart von Dynamo Dresden wird ein Spenderorgan im rechten Knie transplantiert. Vor der Operation ist er erleichtert, seine Freude aber verhalten.

Im Mai 2015 war für Benjamin Kirsten bei Dynamo Schluss, sein Vertrag wurde nicht verlängert. Seine Karriere setzte der Torwart bei Lok Leipzig fort, doch nun muss das rechte Knie operiert werden.
Im Mai 2015 war für Benjamin Kirsten bei Dynamo Schluss, sein Vertrag wurde nicht verlängert. Seine Karriere setzte der Torwart bei Lok Leipzig fort, doch nun muss das rechte Knie operiert werden. © Robert Michael

Dresden. Auf diese Nachricht hatte Benjamin Kirsten gewartet, deshalb ist er erleichtert. Aber es bleibt ein merkwürdiges Gefühl. „Meine Freude hält sich aus ethischen Gründen in Grenzen“, sagt der 32 Jahre alte Fußball-Torwart, der beim Regionalligisten 1. FC Lok Leipzig unter Vertrag steht, aber seit Monaten nicht mehr spielen kann. Ende vorigen Jahres hatte ihm der Arzt erklärt, dass sein rechtes Knie nur durch eine Meniskus-Transplantation wieder belastbar werden könnte.

Nun gibt es in der Gewebebank in Österreich ein Organ, das zu seinen Werten passt. „Ich bin natürlich erleichtert, aber mir ist bewusst, dass jemand gestorben ist, der bereit war, seine Organe zu spenden. Das ist etwas Spezielles“, sagt Kirsten. Am 24. Juni wird er im Brüderhaus Koblenz, einer katholischen Klinik, operiert. Über die Risiken wurde er bereits aufgeklärt, die Chancen wiegen für ihn jedoch schwerer.

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„Deshalb ist diese Transplantation alternativlos“

„Ich kann das Knie nicht belasten, es gibt sofort eine Reaktion“, hatte er im Interview mit der SZ zu seiner Meniskus-Transplantation gesagt und erklärt: „Es wurde eine beginnende Arthrose festgestellt, weshalb man handeln muss, wenn ich im normalen Lebensablauf beschwerdefrei sein will. Das hat also vordergründig nichts mit dem Fußball zu tun.“ Trotzdem hofft Kirsten natürlich, noch mal auf den Platz zurückkehren zu können, vor allem will er nach der Karriere als Torwart-Trainer arbeiten. „Deshalb ist diese Transplantation alternativlos“, erklärt der Vater zweier Kinder.

Bereits in der Saison 2010/11 stieg Benny Kirsten unter Trainer Matthias Maucksch zur neuen Nummer eins bei Dynamo auf - und blieb das auch unter dem nächsten Chefcoach Ralf Loose. Mit starken Leistungen auch in den Relegationsspielen gegen den VfL Osnabr
Bereits in der Saison 2010/11 stieg Benny Kirsten unter Trainer Matthias Maucksch zur neuen Nummer eins bei Dynamo auf - und blieb das auch unter dem nächsten Chefcoach Ralf Loose. Mit starken Leistungen auch in den Relegationsspielen gegen den VfL Osnabr © Robert Michael

Fast ein Jahr lang hatte Kirsten alles versucht, das Knie durch einen konventionellen Eingriff und verschiedene Reha-Programme zu stabilisieren. Vergeblich. Seit Januar stand er nun auf der Warteliste für einen menschlichen Meniskus, ein künstlicher komme bei ihm nicht infrage, haben ihm die Spezialisten erläutert. Die Meldung, dass es soweit ist, erhielt er unspektakulär per E-Mail. Eine Prognose zu den Erfolgsaussichten lasse sich nicht stellen, er habe aber von Tennisspielern gehört, die danach wieder ihre Leistung bringen konnten. Auch Wolfgang Wolf, bei Lok sein Trainer und Sportchef, konnte von einem ehemaligen Spieler berichten, der sich nach seiner aktiven Zeit operieren lassen hat.

Neue sportliche Heimat bei Lok in Leipzig

Kirsten ist jetzt 32, selbst wenn die Reha noch mal sechs bis acht Monate dauert, könnte er noch einige Zeit als Torwart spielen. Sein Verein unterstützt ihn. Bei Lok in Leipzig hat er seit November 2016 eine neue sportliche Heimat gefunden. Für Dynamo Dresden hatte er zwischen 2008 und 2015 insgesamt 126 Pflichtspiele bestritten, davon 74 in der 2. Bundesliga, sein Vertrag wurde jedoch im Sommer 2015 nicht verlängert. Danach kam ein Engagement in den USA wegen einer Verletzung nicht zustande, beim niederländischen Erstligisten NEC aus Nijmegen wurde sein Vertrag nach nur sechs Monaten beendet, weil er sich schon damals am Knie operieren lassen musste.

Benjamin Kirsten stand sieben Jahre bei Dynamo Dresden unter Vertrag, wurde als Aufstiegsheld 2014 und Elfmeterkiller für die Fans zu einem Idol wie einst sein Vater Ulf als Stürmer.
Benjamin Kirsten stand sieben Jahre bei Dynamo Dresden unter Vertrag, wurde als Aufstiegsheld 2014 und Elfmeterkiller für die Fans zu einem Idol wie einst sein Vater Ulf als Stürmer. © Robert Michael

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Der nächste Eingriff aber, dessen ist sich Kirsten bewusst, wird der bisher größte. „Angst und Bedenken habe ich immer, weil es etwas ist, das ich nicht selbst in der Hand habe“, gibt er zu. Dennoch denke er positiv, im besten Fall könnte es die letzte Operation sein. „Ich weiß, dass viel davon abhängt.“ Nach den ersten Behandlungen in der Koblenzer Klinik wird er die Reha bei Physiotherapeut Frank Friedl in Dresden absolvieren. „Diese Zeit wird sehr wichtig. Ich will wieder fit werden.“

Für einen Kämpfertyp wie ihn gibt es dazu tatsächlich keine Alternative.

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