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Dynamo nutzt auch Strafgelder für die Sicherheit

Der Verein besteht die Dekra-Prüfung für das Dresdner Stadion – und entschärft eine weitere Problemzone. Der Geschäftsführer erklärt das Konzept.

Das bislang letzte Risikospiel im Rudolf-Harbig-Stadion: Das Derby gegen Aue sahen am 8. März 30.753 Zuschauer. Für das Sicherheitskonzept hat Dynamo ein Zertifikat bekommen.
Das bislang letzte Risikospiel im Rudolf-Harbig-Stadion: Das Derby gegen Aue sahen am 8. März 30.753 Zuschauer. Für das Sicherheitskonzept hat Dynamo ein Zertifikat bekommen. ©  dpa/Robert Michael

Dresden. Die Urkunde ist nur in den Rahmen gesteckt, muss noch ausgetauscht werden. Direkt neben dem Besprechungsraum in der Geschäftsstelle von Dynamo Dresden hängt ein besonderes Zertifikat. Es bescheinigt dem Fußball-Zweitligisten ein sehr gutes Sicherheitsmanagement. Nachdem der Verein die von der Dekra vorgenommene Prüfung bereits 2017 bestanden hatte, wurde ihm das gute Zeugnis jetzt bestätigt, in einigen Punkten fiel die Bewertung sogar noch besser aus.

Es ist quasi die Bescheinigung, dass sowohl in der Vorbereitung als auch beim Ablauf der Heimspiele im Rudolf-Harbig-Stadion alles dafür getan wird, damit die Zuschauer sich sicher fühlen können. Immerhin sind das außerhalb von Corona-Zeiten durchschnittlich fast 30.000. Dafür muss das Zusammenspiel aller Beteiligten reibungslos laufen: Polizei, Feuerwehr, Rettungskräfte, Sicherheits- und Ordnungsdienst genauso wie alle involvierten Abteilungen des Vereins. „Wir haben in Dresden eine sehr gute Zusammenarbeit, die Prozesse funktionieren sehr gut“, sagt Geschäftsführer Michael Born.

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Dynamos Geschäftsführer Michael Born kämpft gegen das „nervige Bierbecherwerfen“, das den Verein jede Saison viel Geld kostet.
Dynamos Geschäftsführer Michael Born kämpft gegen das „nervige Bierbecherwerfen“, das den Verein jede Saison viel Geld kostet. ©  dpa/Robert Michael

Mit dafür verantwortlich sind unter anderem Norbert Gebauer als Sicherheitsbeauftragter und David May als Leiter Organisation bei Dynamo. „Der Austausch ist sehr intensiv und konstruktiv“, betont der 34 Jahre alte May, der sich zum Sicherheitsmanager im Profifußball qualifiziert hat. „Wir überprüfen uns ständig selbst sowohl intern als auch mit den externen Partnern, um Maßnahmen abzuleiten.“ Für die Zertifizierung wurden die Verantwortlichen bei der Partie gegen Darmstadt Anfang Februar von zwei Auditoren der Dekra aufmerksam beobachtet.

Der Arbeitstag beginnt früh

Ein solcher Arbeitstag beginnt auch bei einem Abendspiel früh um sieben Uhr mit den ersten Besprechungen, die Vorbereitung fängt Tage, oft Wochen vorher an. In die Sicherheitsberatungen sind die Geschäftsführungen, Sicherheitsbeauftragten und Fanabteilungen beider Klubs einbezogen. Aufwand und Kosten sind dabei durchaus abhängig vom Gegner. Die Spiele sind in drei Risikostufen eingeteilt wie bei einer Ampel: Grün, Gelb, Rot. Deshalb gibt es drei Grundkonzepte. „Es ist natürlich ein Unterschied, ob 25 Fans aus Sandhausen oder 2.000 aus Magdeburg kommen“, erklärt Born. Insgesamt spricht er von einem siebenstelligen Betrag für Sicherheit pro Saison, inklusive der Fanbetreuung.

Ein Teil des Geldes wird auch dafür verwendet, erkannte Problemzonen durch bauliche Veränderungen zu entschärfen. So kam es trotz eines Pufferblocks zwischen Heim- und Gästefans immer wieder zu gegenseitigen Provokationen. Also hat sich der Verein gemeinsam mit dem Stadionbetreiber entschieden, eine vier Meter hohe Trennwand einzuziehen, für die – anders als in Berlin beim 1. FC Union – nach sächsischem Baurecht kein Plexiglas verwendet werden durfte, sondern bruchsicheres Glas genommen werden musste.

Trotzdem hat es sich bereits rentiert, die 150.000 Euro zu investieren, und das doppelt: In dem Bereich passiert nichts mehr und der Pufferblock ist überflüssig. Dadurch können bis zu 700 Karten mehr verkauft werden, von den Mehreinnahmen profitieren Verein und Stadionbetreiber. Demnächst wird eine weitere Schwachstelle behoben. Das Fangnetz vor dem K-Block ist derzeit an Stangen befestigt, Fans fühlen sich dadurch in der Sicht behindert. Nun soll es am Dach befestigt werden. „Gleichzeitig werden wir es über die anschließenden Kurven ziehen“, sagt Born – und erklärt: „Damit wir dieses nervige Bierbecherwerfen verhindern.“

Es ist der bislang letzte Eindruck von der Stimmung: Beim 2:1-Sieg gegen Aue war das Rudolf-Harbig-Stadion ausverkauft. Derzeit dürften jedoch keine Zuschauer rein.
Es ist der bislang letzte Eindruck von der Stimmung: Beim 2:1-Sieg gegen Aue war das Rudolf-Harbig-Stadion ausverkauft. Derzeit dürften jedoch keine Zuschauer rein. ©  Foto: dpa/Robert Michael

Manche Zuschauer haben ihre Emotionen nicht im Griff, immer wieder muss der Verein wegen des Werfens von Gegenständen, wie es in den Urteilen des Sportgerichtes heißt, Geldstrafen zahlen, ein gewisser Prozentsatz darf für sicherheitsrelevante Maßnahmen eingesetzt werden. „Das Netz wurde in Berlin mitfinanziert“, meint der Geschäftsführer ironisch.

„Investieren lieber freiwillig“

Zu dem DFB-Pokalspiel bei Hertha BSC im Oktober 2019 waren rund 30.000 Dynamo-Fans im Olympiastadion, einige zündeten mehrfach und massiv Pyrotechnik. Von den 89.900 Euro der Strafe dürfen 30.000 investiert werden. Dafür müssen die Kostenvoranschläge genauso wie die Abrechnungen beim DFB eingereicht werden, damit das Geld nicht zweckentfremdet wird. „Wir investieren lieber freiwillig, als dass wir dazu gezwungen werden“, sagt Born.

Als Geschäftsführer schätzt er ein: „Was die Strafen betrifft, waren wir schon mal auf einem besseren Stand. Wir versuchen, das durch Fanarbeit und Dialog zu minimieren, aber in dem Prozess geht es manchmal einen Schritt vor und zwei zurück.“ Abgesehen von einzelnen und meist in Choreografien der Ultras eingebundenen Pyro-Aktionen sowie den erwähnten Wurfgeschossen sind es vor allem manche Auftritte bei Auswärtsspielen, die negativ zu Buche schlagen.

Trotz intensiver Kontrollen durch nach DFB-Auflagen geschulte und geprüfte Ordner werden auch in Dresden Feuerwerkskörper ins Stadion geschmuggelt. Trotzdem ist der Einlass ein wichtiger Aspekt, wenn es um die Sicherheit geht. „Da profitieren wir von unseren baulichen Voraussetzungen“, sagt der Manager. Zwischen den Toren für Gäste-Fans und dem Eingang zum Stadion liegen etwa 80 Meter. „Wenn vorn etwas brennt, machen wir hinten dicht. Dann kommt keiner mehr durch.“

Born wünscht sich, dass der Einlass für die Lizenz der Profi-Klubs genauso geprüft wird wie beispielsweise die Steckdosen an den Medienarbeitsplätzen. In der Vergangenheit sei es an anderen Standorten oft zu Problemen gekommen, „weil die Einlasssituation nicht präventiv gestaltet“ gewesen sei. Dynamo würde mit dem Stadion auch diese Prüfung problemlos bestehen.

Das Sicherheitszertifikat sieht der Geschäftsführer als eine Bestätigung der Arbeit – und nimmt dafür in einem Punkt ein „Befriedigend“ in Kauf. Das gab es nämlich für die Dokumentation, obwohl David May 100 Dokumente mit mehr als 1.000 Seiten zusammengetragen hat. „Sie verlangen de facto eine Dokumentation der Dokumentation“, sagt er. Doch die Zeit nutzt er lieber für die eigentliche Arbeit – was sich lohnt, wie das Ergebnis der Zertifizierung zeigt.

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