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Ungewöhnlicher Start in die Gartensaison

Während die Bau- und Gartenmärkte geschlossen bleiben müssen, haben die Gärtnereien alle Hände voll zu tun.

Alexander Bernhardt, Chef der gleichnamigen Meißener Gärtnerei, freut sich über den guten Start in die Gartensaison mit Blumen- und Gemüsepflanzen. Sorgen macht er sich über die künftige Zusammenarbeit mit Hotels und Gaststätten.
Alexander Bernhardt, Chef der gleichnamigen Meißener Gärtnerei, freut sich über den guten Start in die Gartensaison mit Blumen- und Gemüsepflanzen. Sorgen macht er sich über die künftige Zusammenarbeit mit Hotels und Gaststätten. © Claudia Hübschmann

"Alles, was blüht, ob für das Beet oder den Balkon - geht weg", sagt Christian Griesel, der gemeinsam mit seiner Schwester Anne die gleichnamige Gärtnerei in der Zscheilaer Straße führt. Pelargonien, Petunien und Stiefmütterchen sind die Renner. Und: "Es werden Sachen gekauft, die eigentlich erst für den Mai gedacht sind." 

Der Hunger nach Blumen und der von ihnen ausgehenden Freundlichkeit scheint in diesem besonderen Frühjahr besonders groß zu sein. Aber nicht nur danach. Auch Gemüsepflanzen - Gurken, Kohlrabi, Salat, Tomaten - finden großen Absatz. Damit bestätige sich ein Trend der letzten drei Jahre, der durch die Corona-Krise noch verstärkt werde: Der Trend zur Eigenversorgung. Viele würden nun wieder im Garten oder auf dem Balkon Gemüse anbauen.

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Diesen Trend bestätigt Alexander Bernhardt von der gleichnamigen Gärtnerei an der Dresdner Straße. Er sieht eine Rückbesinnung auf die eigene "Scholle". Gerade auch junge Leute wollten mit ihren Kindern sehen, wie etwas wächst und wie es schmeckt, sie wollten wissen, wo es herkommt, statt für 50 Cent das Billigste aus dem Supermarkt zu holen. Und auch er sieht diesen Trend durch die aktuelle Krise verstärkt. 

Eigentlich seien es vor allem Stammkunden, die jedes Jahr aufs neue zu ihnen kommen würden, erklärt Christian Griesel, doch zum Start in die diesjährige Gartensaison sei dies, wie so vieles andere auch, anders. "Jetzt kommen viele Kunden, die wir noch nie gesehen haben." Das seien vor allemsolche, die sonst in den Baumarkt gefahren sind, um für ihre Frühjahrsbepflanzung einzukaufen. 

Die Baumärkte sind in Sachsen seit Ende März geschlossen. Laut der sächsischen Corona-Anordnungen dürfen sich nur noch Handwerker und Lieferdienste Waren liefern lassen oder bestellen. Während in vielen anderen Bundesländern die Baumärkte weiter geöffnet sind, sind nur in Sachsen und Bayern außerdem auch noch die Gartenmärkte geschlossen worden.

 "Mit den Entscheidungen der bayerischen und sächsischen Staatsregierungen bleiben unsere Märkte in Bayern und Sachsen bis auf Weiteres geschlossen", teilt etwa Dehner auf seiner Internetseite mit. Der Dehner in Brockwitz wäre der nächste große Gartenmarkt für die Meißener. Er verweist auf ein großes Angebot in seinem Online-Shop und erklärt zugleich: "Bitte haben Sie Verständnis, dass es aufgrund der aktuell erhöhten Nachfrage zu Lieferverzögerungen kommen kann."

Der Dehner in Brockwitz an der Dresdner Straße musste wie alle andern Gartenmärkte in Sachsen und Bayern schließen.
Der Dehner in Brockwitz an der Dresdner Straße musste wie alle andern Gartenmärkte in Sachsen und Bayern schließen. © Udo Lemke

Die Gärtnerei Griesel, die selbst viele ihrer Pflanzen unter einer Gewächshausfläche von 2.500 Quadratmetern anbaut und seit ca. 1870 besteht, bietet, wie sonst auch, den Service an, Blumen und Pflanzen telefonisch oder per E-Mail zu bestellen. Die Gärtnerei Bernhardt bietet zudem die Lieferung von Bestellungen nach Hause an. 

Gärtnerei-Chef Alexander Bernhardt sieht für sich und seine Mitarbeiter "schon ein gewisses Risiko", das mit dem Kundenkontakt, trotz aller Vorsichtsmaßnahmen, gegeben ist. "Aber das haben ja alle anderen Geschäfte, die noch geöffnet sind, auch." Er freut sich, dass sein Unternehmen weiter arbeiten kann. Denn eine Schließung hätte den Verlust unzähliger Pflanzen, die in großem Umfang auch in den eigenen Gewächshäusern und Foliezelten auf 4.500 Quadratmetern Fläche angebaut werden, nach sich gezogen. "Das hätte den wirtschaftlichen Ruin bedeutet." 

So sehr, wie ihn das jetzt boomende Geschäft zum Start der Gartensaison freut, so sehr macht er sich Sorgen, um andere langjährige Kunden. "Ich sehe ein großes Fragezeichen und die Zusammenarbeit mit Gaststätten und Hotels, denen wir etwa Blumenschmuck liefern." Viele seien durch die aktuelle Schließung in ihrer Existenz bedroht. "Ich möchte nicht in ihrer Haut stecken."

Anne Griesel von der Gärtnerei Griesel auf der Zscheilaer Straße kann auch in diesem Frühjahr ihre Stammkunden begrüßen. Hinzu gekommen sind neue Kunden, die sonst in den jetzt geschlossenen Baumärkten Pflanzen gekauft haben.
Anne Griesel von der Gärtnerei Griesel auf der Zscheilaer Straße kann auch in diesem Frühjahr ihre Stammkunden begrüßen. Hinzu gekommen sind neue Kunden, die sonst in den jetzt geschlossenen Baumärkten Pflanzen gekauft haben. © Claudia Hübschmann

Der dritte produzierende Gartenbaubetrieb in Meißen ist die Baumschule Tamme an der Radeburger Straße in Bohnitzsch, am nord-östlichen Stadtrand. Auch hier ist der Andrang in den letzten Tagen deutlich größer gewesen, als sonst üblich, erklärt Albert Tamme, der gemeinsam mit seinem Bruder Moritz das 1911 gegründete Unternehmen führt.

Auch wenn die Baumschule weder Blumen- noch Gemüsepflanzen verkauft, "kommen wir kaum zu Arbeiten, die eigentlich anstehen". Gekauft werden Substrate für die Beetgestaltung wie verschiedene Dünger, Erden und Mulche. "Es kommen viele, die sonst in den Baumarkt gegangen sind, zu uns", so der Firmenchef. Hier erhielten sie nicht nur die gewünschten Produkte, sondern dazu auch noch eine gute fachliche Beratung. Die jetzige Situation sei natürlich "eine Chance, den Kundenkreis zu erweitern". 

Obstbäume seien nach wie vor sehr gefragt, so Albert Tamme, auch Sträucher wie Himbeeren seien "gegangen, wie geschnitten Brot". Auch er sieht den Trend der vergangenen Jahre durch die Corona-Krise verstärkt: "Bei vielen findet ein Umdenken in Richtung Selbstversorgung statt."  

Albert Tamme führt gemeinsam mit seinem Bruder die gleichnamige, sechs Hektar Anbaufläche umfassende Meißener Baumschule. Neben Ziergehölzen seien derzeit vor allem Obstbäume gefragt, so der Firmenchef.
Albert Tamme führt gemeinsam mit seinem Bruder die gleichnamige, sechs Hektar Anbaufläche umfassende Meißener Baumschule. Neben Ziergehölzen seien derzeit vor allem Obstbäume gefragt, so der Firmenchef. © Claudia Hübschmann

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