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Gastwirte geben Steuersenkung nicht weiter

Der Branche geht es schlecht, sie braucht jeden Cent. Der Restaurantbesuch wird wohl nicht günstiger.

Zwar füllen sich Biergärten und Restaurants wieder, doch 80 Prozent der sächsischen Gastronomen geben an, durch die Hygieneauflagen nicht kostendeckend arbeiten zu können.
Zwar füllen sich Biergärten und Restaurants wieder, doch 80 Prozent der sächsischen Gastronomen geben an, durch die Hygieneauflagen nicht kostendeckend arbeiten zu können. © ronaldbonss.com

Dresden. Regina Riedels Romantik Hotel in Pirna ist für die Sommermonate bereits komplett ausgebucht, schlaflose Nächte hat sie trotzdem. Dafür haben die letzten Monate einen viel zu großen Schaden hinterlassen: „Im Sommer bin ich immer komplett ausgebucht, um die letzten Monate auszugleichen, müsste ich 120 Prozent meines Hotels vermieten.“ Denn die gestundeten Kosten und Kredite werden den Berufszweig spätestens im Sommer einholen.

Nach einer aktuellen Befragung des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) Sachsen steht die ganze Branche vor tiefergreifenden Problemen. Ðenn der erste Hype nach der Wiederöffnung ist bereits verflogen: Mehr als zwei Drittel der Hotels und Pensionen bewerten die Buchungslage der nächsten zwei wichtigen Ferienmonate als schlecht. Die über 500 befragten Unternehmen gaben an, dass die Verunsicherung der letzten Wochen bei vielen Gästen zu einem spontanen Reiseverhalten geführt habe.

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"Was hast du zu essen mit, Mama?"
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Kaum sind die ersten Meter zurückgelegt, ertönt lautstark diese Frage. Denn so schön das Wandern ist, ohne Picknick ist der Spaß nur halb so groß.

Probleme haben aber auch die Gastronomen: Mehr als 80 Prozent geben an, aufgrund der Hygieneauflagen nicht mehr kostendeckend arbeiten zu können. Für dieses Jahr wird deshalb mit Umsatzeinbußen von etwa 50 Prozent gerechnet. Laut der Befragung Ende Mai stehen so pro Betrieb durchschnittlich drei Arbeitsplätze auf dem Spiel. Ob es wirklich so weit kommt, sei maßgeblich von den Konjunkturmaßnahmen der Bundesregierung abhängig, erklärte Sachsens Dehoga-Geschäftsführer Axel Klein. Ein erster wichtiger Schritt sei die anstehende Mehrwertsteuersenkung: Vom ersten 1. Juli an fällt für die Gastronomie der Steuersatz von 19 auf fünf Prozent und steigt in der nächsten Jahreshälfte wieder leicht auf sieben Prozent an.

Der Restaurantbesuch wird deshalb nicht günstiger: Sachsens Dehoga-Präsident Axel Hüpkes dämpfte jede Erwartung und machte deutlich, dass diese Einsparungen in der aktuellen Situation kaum an die Gäste weitergegeben werden könnten. „Dafür ist unser Kostenblock jetzt schon immens und in den nächsten Monaten kommen noch einige Kosten obendrauf.“ Hüpkes wünschte sich viel eher, dass die Mehrwertsteuer generell angepasst wird. Für Vize-Vorstand Jens Ellinger, sei es unterverständlich, warum Gastronomen und Hoteliers für Lebensmittel mehr abgenommen werde sollte, als dem Einzelhandel oder bei Außer-Haus-Verkäufen. 

Das beste Öffnungskonzept

Alle Hoffnung liegt deshalb auf den Sommermonaten, denn da könnte sich das Pandemiegeschehen erstmals positiv auf die Branche auswirken. Da die Reiselust der Deutschen laut einer aktuellen Analyse der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen ungebrochen ist. Nur soll es dieses Jahr für fast jeden zweiten Deutschen ein Heimaturlaub werden – normalerweise ist das nur bei rund einem Viertel der Fall. Der erste Schritt sei Sachsen schon ganz gut gelungen, freut sich Ellinger: „Sachsen hat das beste Wiedereröffnungskonzept in ganz Deutschland.“ Zum einen ließen sich im Freistaat die Kapazitäten voll ausschöpfen, während es in anderen Bundesländer Sitzplatzbegrenzungen gibt. Zum anderen gäbe hier nicht die „merkwürdige“ Regelung, Name und Anschrift aufzunehmen, was die Gäste beim Restaurantbesuch hemmen würde.

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Doch es soll noch mehr getan werden. Damit möglichst viele davon nach Sachsen kommen, hat die Tourismus Marketing Gesellschaft Sachsen (TMGS) eine umfangreiche bundesweite Kampagne angeschoben, die Anfang Mai auch aufs Ausland ausgeweitet wurde und vom Freistaat mit 900.000 Euro ausgebaut werden soll. Denn jedes Bundesland würde jetzt versuchen, dieses ungeahnte Potenzial zu nutzen, so TMGS-Geschäftsführerin Veronika Hiebl. Mecklenburg-Vorpommern und Nordrhein-Westfalen möchten sogar über eine Million in ihr Werbekonzept stecken. „Wir müssen diese Chance nutzen und diese neuen Gäste zu langfristigen Fans machen.“

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