merken
PLUS Riesa

Gedenkstätten-Verein schöpft Hoffnung

Seit gut zehn Jahren soll auf dem Gelände des ehemaligen Kriegsgefangenenlagers ein Lehrpfad entstehen. Nach langem Stillstand könnte es nun vorangehen.

Blick auf den Wald bei Jacobsthal. Bis hierhin erstreckte sich das frühere Kriegsgefangenenlager Zeithain.
Blick auf den Wald bei Jacobsthal. Bis hierhin erstreckte sich das frühere Kriegsgefangenenlager Zeithain. © Lutz Weidler

Zeithain. Ob B 169 oder Riesaer Hafen: Bauplanungen können sich schon einmal gehörig in die Länge ziehen. Aber nicht nur auf Genehmigungsverfahren für Straßen oder Containerterminals kann das zutreffen. Selbst Bauwerke, die eigentlich gar keine sind, können schon mal den Naturschutz auf den Plan rufen. 

Diese leidige Erfahrung jedenfalls musste in den vergangenen Jahren der Förderverein Gedenkstätte Ehrenhain Zeithain machen. Seit 2007 existiert beim Verein mittlerweile schon die Idee, auf dem Gelände des ehemaligen Kriegsgefangenenlagers nahe Zeithain einen Geschichts- und Naturlehrpfad zu schaffen. Zwischen 25.000 und 30.000 Menschen starben während des Zweiten Weltkriegs in dem Lager, die meisten davon waren sowjetische Gefangene. Der Ort sei eigentlich prädestiniert für die politisch-historische Bildung und Erziehung, findet Peter Franke. "Aber da passiert bisher ein bisschen wenig", sagt der Vorsitzende des Fördervereins. Das Lager gehöre zu den größten Flächendenkmalen überhaupt, aber es wüssten eben zu wenige von dem, was sich dort abgespielt hat. "Schulen fahren eher nach Buchenwald als hierher." Der Lehrpfad könnte das zumindest ein Stück weit ändern und Besuche im Lager attraktiver machen, so die Hoffnung.

Geld und Recht
Wer den Pfennig nicht ehrt
Wer den Pfennig nicht ehrt

und sich nicht im Paragrafendschungel zurechtfindet, ist schnell arm dran. Tipps und Tricks rund um Geld, Sparen und juristische Fallstricke gibt es hier zu finden.

Peter Franke ist Vorsitzender des Fördervereins Gedenkstätte Ehrenhain Zeithain. Seit Jahren hofft der Verein darauf, die Geschichte des Gefangenenlagers auch bildungspolitisch zugänglicher zu machen.
Peter Franke ist Vorsitzender des Fördervereins Gedenkstätte Ehrenhain Zeithain. Seit Jahren hofft der Verein darauf, die Geschichte des Gefangenenlagers auch bildungspolitisch zugänglicher zu machen. © Sebastian Schultz

"Konzepte dafür gibt es seit 2011", erzählt Peter Franke. Der Pfad soll bei Jacobsthal auf dem ehemaligen Gelände des Zeithainer Lagers liegen. Im Randbereich der Gohrischheide also - und da beginnen die Probleme: Nachdem das Kreisbauamt in Vorgesprächen 2010 grundsätzlich grünes Licht für das Vorhaben gegeben hatte, schaltete sich Ende 2011 der Naturschutz ein. Im FFH-Gebiet dürften keine baulichen Werke errichtet werden, hieß es seitens der Naturschutzbehörde. Dabei wollte der Förderverein nie ein Gebäude errichten oder gar Flächen versiegeln, betont Peter Franke. "Geplant war, an den entsprechenden Stellen nur eine sogenannte Kubatur aufzustellen." Also ein "Gerüst", das die Höhe und Breite der Baracken verdeutlicht, in denen während des Zweiten Weltkriegs die Kriegsgefangenen untergebracht waren. 

Abgeordnete besuchen Ehrenhain

Unter dem bisherigen Geschäftsführer der Stiftung Sächsische Gedenkstätten Siegfried Reiprich stagnierte das Vorhaben. Mit dem Wechsel an der Spitze der Stiftung könnte neue Bewegung in die Sache kommen, hofft Peter Franke. Laut Förderverein habe man sich in der Vergangenheit bei der Bemühung um Fördermittel zu leicht abspeisen lassen. Peter Franke will nicht nachtreten. Aber er glaubt, dass auch ein Kompromiss mit der Naturschutzbehörde möglich ist. 

Aufwind verschaffte dem Verein zuletzt auch ein Besuch des Petitionsausschusses des Sächsischen Landtags. Den Abgeordneten um Frank Richter (SPD) stellte Franke die Pläne des Vereins vor - und betonte dabei die überregionale Bedeutung, die Zeithain zukomme und die er nutzen will. Mit Kosten von 500.000 Euro rechnet der Verein derzeit. Neben dem Aussichtsturm und der Kubatur einiger Gebäude ist dabei an eine mehrsprachige Beschilderung angedacht. "Wir wollen auch QR-Codes anbringen, über die sich zusätzliche Informationen abrufen lassen - falls dort draußen überhaupt Empfang ist." 

Ende August besuchten Vertreter des Petitionsausschusses des Landtags die Gedenkstätte - und informierten sich zum geplanten Lehrpfad.
Ende August besuchten Vertreter des Petitionsausschusses des Landtags die Gedenkstätte - und informierten sich zum geplanten Lehrpfad. © FV Gedenkstätte Zeithain

Das alles soll mit Bedacht in die Natur eingebaut sein, betont Franke. Wichtig sei aber, dass jetzt auch etwas passiert - und das Geld am besten schon für 2021/22 im Landeshaushalt eingeplant wird. In den vergangenen Jahren hatte der Förderverein über Workcamps versucht, das Gelände frei zu halten. "Es wäre letztlich auch vertanes Geld, wenn der Pfad dann nicht kommt." Nach dem Treffen mit dem Petitionsausschuss vermeldete die Gedenkstätten-Stiftung jedenfalls, man sei sich einig gewesen, dass "ein Geschichtslehrpfad möglich ist und die Stiftung Sächsische Gedenkstätten zeitnah einen Antrag auf Genehmigung bei der Unteren Denkmalschutzbehörde des Landratsamtes Meißen einreichen wird".

Hoffnung in die Landratswahl

Hoffnung für die Arbeit des Vereins und der Gedenkstätte setzt Peter Franke auch in die Landratswahl. Zeithains Bürgermeister Ralf Hänsel (parteilos) unterstütze den Verein und die Gedenkstätte schon jetzt. Sollte er ins Landratsamt in Meißen gewählt werden, würde der gesamte Landkreis die Arbeit an der Gedenkstätte stärker wahrnehmen und unterstützen, so die Hoffnung. Vielleicht wäre es dann auch leichter, die Zufahrt zur Gedenkstätte einmal befestigt zu bekommen - und ein paarmal am Tag einen Linienbus die Schleife bis vors Gelände fahren zu lassen. "Dann hätten es Schulen auch leichter, müssten nicht extra einen Bus mieten." Denn auch die schlechte Erreichbarkeit könnte eine Rolle dabei spielen, dass Zeithain gemessen an der historischen Bedeutung recht dürftig besucht ist. 

Übrigens soll sich auch in der Gedenkstätte künftig etwas tun. "Ein großer Wunsch ist neben der  Buswendeschleife ein Anbau", sagt Peter Franke. Denn der Neubau neben der rekonstruierten Baracke ist streng genommen deutlich zu klein, um größere Gruppen durch die Dauerausstellung zu führen. Das aber obliegt am Ende der Gedenkstätte, nicht dem Verein, betont er. Führungen durch das Gefangenenlager* selbst gibt es derzeit nur auf Anmeldung, denn allein darf niemand auf das Gelände. Auch das würde sich erst mit dem Lehrpfad ändern. 

*In einer früheren Version dieses Textes hieß es, Führungen im Ehrenhain gebe es nur auf Anmeldung. Das ist nicht korrekt: "Die Gedenkstätte ist mittlerweile wieder während der regulären Öffnungszeiten uneingeschränkt geöffnet", so deren Leiter Jens Nagel. Außerdem biete man seit Juli  bis Ende September jeden Sonntag um 14 Uhr eine kostenlose öffentliche Führung durch unsere Besucherreferenten an.

Mehr lokale Nachrichten aus Riesa lesen Sie hier.

Mehr lokale Nachrichten aus Großenhain lesen Sie hier.

Mehr lokale Nachrichten aus Meißen lesen Sie hier.

Mehr lokale Nachrichten aus Radebeul lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Riesa