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Bautzen

Gefährliches Spiel

Im Februar hatten Kinder in Bautzen Steine ins Gleisbett gelegt. Nun zieht die Polizei aus diesem Vorfall Konsequenzen.

Aus einer Warnbake, Ästen und Steinen errichteten Kinder im Februar bei Bautzen ein Hindernis auf Bahngleisen. Der Vorfall ist für die Bundespolizei Anlass, stärker über die Gefährlichkeit solchen Tuns aufzuklären.
Aus einer Warnbake, Ästen und Steinen errichteten Kinder im Februar bei Bautzen ein Hindernis auf Bahngleisen. Der Vorfall ist für die Bundespolizei Anlass, stärker über die Gefährlichkeit solchen Tuns aufzuklären. © Archivfoto: Bundespolizei

Bautzen. Ganz still sind die Drittklässler der Johann-Gottlieb-Fichte-Grundschule, als Bundespolizistin Jessica Hempel erzählt, was alles passieren kann, wenn ein Zug in ein Hindernis braust. Die Frau in Uniform erzählt den Kindern die Geschichte von einem Jungen, der im Gleisbett mit Steinen gespielt hat – als ein Zug kam, splitterten die Brocken zur Seite, trafen den Jungen am Kopf und verletzten ihn schwer. „Eine wahre Geschichte“, sagt Jessica Hempel mit ernstem Blick und schaut in die Runde. Vorsichtig meldet sich ein Kind: „Ist der Junge in Ohnmacht gefallen?“

Viele Fragen haben die Kinder an diesem Morgen. Was kann passieren, wenn man Steine auf die Schienen legt? Kommt man dann ins Gefängnis? Und warum kann man nicht einfach zur Seite springen, wenn ein Zug kommt? Die Bundespolizistin ist mit einem Kollegen an diesem Tag in die Grundschule gekommen, um die Kinder über diese Fragen aufzuklären.

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Zug hätte entgleisen können

Denn am 20. Februar hatten zunächst unbekannte Kinder im Gleisbett auf der Bahnstrecke von Bautzen nach Dresden gespielt. Der Lokführer, der die Strecke in die Gegenrichtung entlangfuhr, bemerkte die Kinder und alarmierte die Polizei. Die Strecke wurde gesperrt. Erst dann entdeckten die Polizisten Steine, Plastikflaschen und Äste im Gleisbereich, die zu einer Sperre aufgeschichtet waren. Nur wenige Minuten darauf hätte in der Kurve ein Zug mit einer Geschwindigkeit von 120 Stundenkilometern entlangkommen sollen.

Nun hat die Polizei herausgefunden, wer die Steine ins Gleisbett gelegt hat: Drei Jungen im Alter von acht bis zehn Jahren. Mit einem Hubschrauber suchten die Bundespolizisten damals nach den Kindern – jedoch erfolglos. „Es gab Hinweise aus der Bevölkerung“, erklärt Jessica Hempel. Nun ist sie mit einem Kollegen an die Schule gekommen, die die Jungen besuchen – und berichtet den Kindern mehrerer Klassen von den Gefahren des Spielens in Bahngleisen. Auch an anderen Schulen soll es diesen Aufklärungsunterricht geben.

„Der Zug hätte hier entgleisen können“, sagt Jessica Hempel. Und: „Es war ein glücklicher Zufall, dass der Lokführer, der in die Gegenrichtung unterwegs war, die Kinder bemerkt hat.“ Nur, weil ein anderer Zug verspätet war, stand die Bahn, die auf der Schiene mit dem Hindernis fahren sollte, noch wartend im Bahnhof. „Das hätte alles ganz anders ausgehen können“, sagt Hempel und lässt eine Pause entstehen. Ein Mädchen knibbelt beim Zuhören konzentriert an seiner Wange.

Gefährliche Sogwirkung

Dass der Zug entgleist oder die Steine von der Bahn weggedrückt werden und die Kinder verletzen, wie in der Beispiel-Geschichte, sind nicht die einzigen Gefahren, klärt die Bundespolizistin die Klasse auf. „Wenn ihr dicht an einem vorbeifahrenden Zug steht, gibt es eine Sogwirkung“, sagt sie. „Dann schafft ihr es nicht, einfach zur Seite zu hüpfen“, sagt sie. Ein Junge erkennt: „Der Zug kann ja gar nicht ausweichen, wegen der Schienen.“

Immer wieder heben die Kinder den Arm, um Fragen zu stellen. So viele Gedanken beschäftigen die Kinder, dass sie, selbst als die Stunde schon längst vorbei ist, noch mehr wissen wollen. Dann stellt auch die Bundespolizistin eine Frage: „Was sagst du, wenn deine Freunde in den Gleisen spielen wollen?“ Sie schaut einen Jungen in der ersten Reihe an. „Nein“, antwortet dieser. „Weil das hätte alles ganz anders ausgehen können.“