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Gestrandet in Bautzen

Eine Leipzigerin wollte die Spreestadt besuchen. Doch der Bahnhof wurde zum unüberwindlichen Hindernis.

Christiane Gaida gefällt es in Bautzen nicht nur auf der Reichenstraße. Aber ihre jüngste Anreise in die Spreestadt gestaltete sich problematisch.
Christiane Gaida gefällt es in Bautzen nicht nur auf der Reichenstraße. Aber ihre jüngste Anreise in die Spreestadt gestaltete sich problematisch. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Christiane Gaida hat sich verliebt – in die Stadt Bautzen. Ostern dieses Jahres verbrachte die junge Leipzigerin zum ersten Mal in der Spreestadt und war sofort begeistert. Nicht zuletzt, weil sie mit ihrem Rollstuhl eigentlich überall hin kam, wo sie hin wollte.

Bautzen hatte ihr so gut gefallen, dass sie in diesem August wieder ein paar Tage hier verbringen wollte. Also setzte sie sich in Leipzig in den Zug, stieg in Dresden um und kam erwartungsfroh auf dem Bautzener Bahnhof an. Was sie bei ihrer Anreise nicht wissen konnte: Der Aufzug zwischen dem Bahnhofstunnel und Bahnsteig 1 funktionierte gerade wieder einmal nicht.

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Christiane Gaida rollte am Bahnsteig 2 aus dem Zug und in den Aufzug hinein. Eine Etage tiefer rollte die Leipzigerin durch den Tunnel zum Aufzug, der sie auf Bahnsteig 1 bringen sollte – so, wie sie es von ihrem Oster-Ausflug kannte. Doch nun stand sie im Tunnel vor dem Aufzug, der sich keinen Zentimeter bewegte.

Spontane Hilfe

Was nun? Als Rollstuhlfahrerin ist sie gewohnt, notfalls umzudisponieren. Also, sagte sie sich, fahre ich mit dem nächsten Zug nach Löbau oder gleich Görlitz, wo es auch Aufzüge auf den Bahnhöfen gibt. Dort wollte Christiane Gaida umsteigen in einen Zug in Richtung Dresden – den sie dann in Bautzen auf Bahnsteig 1 hätte verlassen können. Vorsichtshalber wählte die Reisende eine Servicenummer der Bahn und wollte sich erkundigen, ob die Aufzüge in Löbau und Görlitz funktionieren. Am Telefon erfuhr sie, dass sich das so auf die Schnelle nicht sagen ließe. Und dass ihr jetzt so unangekündigt in Bautzen auch niemand zu Hilfe kommen könne.

Da saß sie nun in ihrem Rollstuhl und wusste nicht weiter. Bis vier junge Männer auftauchten, die mit dem Zug in Richtung Görlitz fahren wollten. „Das waren richtige Recken“, erinnert sie sich, „Typ Kleiderschrank“. Noch bevor sie überhaupt darüber nachdenken konnte, ob sie die Vier um Hilfe bitten sollte, kamen diese ihr zuvor: „Wo liegt das Problem?“. Christiane Gaida sagte, dass sie mit ihrem Rollstuhl in die Stadt wolle, aber der Aufzug zu Bahnsteig 1 nicht funktioniere. „Vier Mann, vier Ecken“, antwortete der junge Recke. Zu viert trugen die Männer den rund 100 Kilogramm schweren Rollstuhl die Treppe hinauf auf Bahnsteig 1. Christiane Gaida kam auf ihre Krücken gestützt hinterher und konnte oben endlich mit ihrem Rollstuhl in Richtung Innenstadt fahren.

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Vor ihrer Abreise aus Bautzen kam die Leipzigerin noch in die SZ-Redaktion, um zwei Dinge loszuwerden: Erstens ein großes Dankeschön an die vier Unbekannten. „Es ist einfach ein Vorurteil, dass diese Generation nicht hilfsbereit ist“, sagt sie. Und zweitens: Für Rollstuhlfahrer wäre es hilfreich, wenn sie schon im Zug erfahren könnten, dass am Ziel ein Aufzug streikt.

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