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Genießer wollen die Bautzener Kastengurke retten

Sie ist gesund und wächst gut auf heimischem Boden. Trotzdem war die alte Sorte schon so gut wie vergessen. Das soll sich ändern.

Die Bautzener Kastengurke war einst in der Oberlausitz weit verbreitet. Jetzt ist sie kaum noch in den Gärten zu finden. Franziska Wenk aus Tharandt baut sie an, weil sie alte Sorten vor dem Vergessen bewahren will.
Die Bautzener Kastengurke war einst in der Oberlausitz weit verbreitet. Jetzt ist sie kaum noch in den Gärten zu finden. Franziska Wenk aus Tharandt baut sie an, weil sie alte Sorten vor dem Vergessen bewahren will. © Daniel Schäfer

Bautzen. Gedrungen, grün und stachelig: Auf den ersten Blick sehen die Früchte der Bautzener Kastengurke wie eine typische Einleger-Gurke aus. Und doch sind sie etwas Besonderes, sagt Franziska Wenk von der Hofgemeinschaft "Johannishöhe" bei Tharandt. Als Erhaltungszüchterin setzt sie sich dafür ein, alte Sorten vor dem Vergessen zu bewahren. 

Seit sechs Jahren zählt die Bautzener Kastengurke zu ihren Schützlingen. Während die Sorte früher in der Oberlausitz weit verbreitet war, ist sie mittlerweile kaum noch in den Gärten zu finden. Die schlanken glatten Exemplare aus dem Supermarkt haben sie verdrängt. Auch Saatgut ist rar.  

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Die überreifen Grünlinge aus dem Gewächshaus der Hofgemeinschaft kommen deshalb nicht in den Salat, sie dienen der Vermehrung. "Wenn ich mit alten Sorten arbeite, fühle ich mich unseren Vorfahren verbunden. Diesen genetischen Pool sollte man erhalten“, sagt die Gärtnerin. "Es ist unser Beitrag zum Erhalt der Vielfalt."

Gut an die klimatischen Gegebenheiten angepasst

Mit diesem Anliegen ist sie nicht allein: Gerade erst hat die Organisation „Slow Food“ die Kastengurke in die „Arche des Geschmacks“ aufgenommen. Das Verzeichnis bedrohter Nutztierrassen und Nutzpflanzenarten gibt es seit 1996.  Es soll diese traditionellen Spezialitäten wieder bekannt machen, um sie zu erhalten. 73 "Arche"-Passagiere gibt es mittlerweile in Deutschland.

Für die Aufnahme der Kastengurke hat sich eine Dresdner Arche-Slow-Food-Gruppe eingesetzt, zu der auch Karl Pirk aus Geißmannsdorf bei Bischofswerda gehört. „Altes regionales Gemüse hat mehr Interesse verdient", sagt der 66-Jährige. Was vor Ort gezüchtet werde, sei besser an die klimatischen Gegebenheiten angepasst. "Außerdem ist die Kastengurke durch ihre Bitterstoffe gesundheitsfördernd.“

Ihren Namen verdankt die Gurke der Aufzucht in einem einfachen Frühbeet, dem sogenannten "kalten Kasten". Gezüchtet wurde sie in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts  vom Bautzener Gärtnermeister Oskar Röpke. 

Ihre Rückkehr in die Beete hat die Kastengurke dem Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt zu verdanken. Dessen Lausitzer Ableger machte sich vor einigen Jahren auf die Suche nach dem Gemüse aus der Region. Fündig wurden die Mitglieder beim Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung in Gatersleben (Sachsen-Anhalt). Die wissenschaftliche Einrichtung betreibt eine der größten Gen- und Kulturpflanzen-Datenbanken weltweit.

Saatgut war vergangenes Jahr ausverkauft

Seitdem arbeiten Züchter nicht nur am Erhalt, sondern auch an der Verbesserung der Sorte. Denn das vielseitig einsetzbare Gemüse schmeckt häufig ein wenig bitter. „Stundenlang muss man die Früchte jeder Pflanze immer wieder kosten", beschreibt Franziska Wenk den langwierigen Prozess. Die Pflanzen mit den bitteren Früchten werden herausgerissen, so dass sich nur die bitterfreien in der Blüte verkreuzen können. Von 60 bis 70 Pflanzen bleibt dabei knapp die Hälfte übrig. 

Doch die Arbeit lohnt sich, berichtet die Expertin. Im vergangenen Jahr war ihr Saatgut der Bautzener Kastengurke ausverkauft. Der Ertrag aus diesem Jahr wird demnächst über den Saatgutversand Samenbau-Nordost sowie Bio-Läden in Sachsen angeboten.

Auch Bio-Gärtner aus der Bautzener Region interessieren sich für die Kastengurke. So testet der "Lausitzer Höfe Laden" in Nebelschütz den Anbau der Frucht. „Wir wollen perspektivisch größere Mengen für den Verkauf anbauen“, sagt Geschäftsführer Thomas Noack. 

Mehr Vielfalt im Beet und auf dem Teller - an diesem Ziel arbeiten auch Karl Pirk und die Arche-Slow-Food-Gruppe weiter. Als nächstes wollen sie den Bautzener Dauerkopf – einen Salat für das raue Oberlausitzer Klima – für die „Arche des Geschmacks“ ins Gespräch bringen – und damit vor dem Vergessen retten. 

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