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Dresden

Warum Heino nicht nach Nossen kommt

Ein Bauunternehmer lud den Sänger zum Firmenjubiläum in einem Rittergut ein und bekam überraschend eine Zusage. Doch dann begann der Ärger.

Blond, Brille, Bariton. Um ein Konzert von Heino gibt es Streit.
Blond, Brille, Bariton. Um ein Konzert von Heino gibt es Streit. © René Meinig

Sven Bothe ist deprimiert. „Das ist ein Skandal“, schimpft er. „Es ist wie ein Albtraum.“ Der Mann ist Bauunternehmer, Besitzer des Ritterguts Ilkendorf bei Nossen – und seit seiner Kindheit Heino-Fan. Etwa im August 2019 traute sich Bothe, Heino zu einem Konzert auf seinem Rittergut zu buchen – und erhielt völlig unerwartet eine Zusage. Am Sonnabend, den 23. Mai 2020, sollte das Konzert stattfinden, ein Knaller zum 30. Firmenjubiläum – der blonde Barde mit Band und Chor. Mehr geht nicht.

Doch dann begann der Ärger. Heino wechselte just in jenen Tagen seinen Veranstaltungsmanager, trennte sich von Jan Mewes und ging zum Österreicher Helmut Werner. Mewes macht offene Forderungen geltend, man streitet vor Zivilgerichten in einigen deutschen Städten, im Januar nun auch in Dresden. Dort erklärte Helmut Werner, der von der Mewes Entertainment Group GmbH verklagt worden war, Heino werde sicher nicht in Ilkendorf auftreten. Der Vorlauf für eine derartige Veranstaltung sei viel zu kurz. Der Versuch einer gütlichen Einigung, die der Vorsitzende Richter Peter Kieß beabsichtigt hatte, war gründlich gescheitert. Auch Kieß hätte das Konzert in Nossen sicher gerne gerettet.

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In dem Rechtsstreit ging es nicht direkt um das Open Air im Rittergut, mittelbar aber schon. Werner soll dem Veranstalter-Ehepaar Bothe, es betreibt auf dem Gut ein Kutschfahrt-Service, etwa mitgeteilt haben, den Vertrag mit Mewes zu kündigen. Sie sollten einen neuen mit ihm abschließen oder ansonsten den Vorverkauf stoppen. Mewes verklagte Werner und machte einen Streitwert von 60.000 Euro geltend. Es kamen einige Details zur Sprache, etwa dass Heino alias Heinz Georg Kramm und seine Frau Hannelore angeblich für Nossen zugesagt haben sollen, dass ein Abend mit Heino 40.000 Euro kostet, oder dass man als berühmter Sänger schon mal zu einer Autogrammstunde gezwungen werden kann, obwohl das so nicht vereinbart gewesen sei. Das sei etwa im Sommer 2019 in Wien passiert, sagte Werner. Aus Angst vor schlechter Presse habe Heino, notgedrungen, die Veranstaltung besucht.

Sven Bothe hatte Heino auf sein Rittergut Ilkendorf bei Nossen eingeladen. Damit begann der Ärger. 
Sven Bothe hatte Heino auf sein Rittergut Ilkendorf bei Nossen eingeladen. Damit begann der Ärger.  © Claudia Hübschmann

Bekannt wurde, dass Mewes noch einen wohl sechsstelligen Betrag von Heino fordert. Als Einzelunternehmer war er seit 2003 Manager des Volkssängers, habe seiner Karriere wohl wieder neuen Schwung gegeben. Darüber wird offenbar in Berlin gestritten. Mewes macht nach dem Mangement-Wechsel angeblich eine Umsatzbeteiligung geltend, wie sie etwa bei einem Handelsvertreterwechsel üblich sei.

Das umstrittene Konzert in Nossen soll Gegenstand eines weiteren Zivilrechtsstreits am Landgericht Bonn sein. Dort soll die Mewes-GmbH kürzlich sogar Strafanzeige gegen Heino erstattet haben, angeblich wegen Abgabe einer falschen eidesstattlichen Versicherung im Dresdner Prozess. Kurz: Es ist alles im Fluss, die Gerichte sind beschäftigt, nur wann sie entscheiden, ist ungewiss.

Und das Konzert am Rittergut? Sven Bothes Hoffnung schwindet. Er habe viel Geld investiert, auch die halbe Gage angezahlt – aber macht seit November keine Werbung mehr. Knapp 300 Tickets habe er verkauft. Niemand müsse sich sorgen machen, er zahle das Geld zurück. Das Fest zum Firmenjubiläum hat sich wohl auch erledigt. Er habe seinen Anwalt eingeschaltet, fordere auch seine Anzahlung zurück.

Die Dresdner Mewes-Klage wurde am Freitag abgewiesen. Heino hatte mit der Mewes GmbH keinen Vertrag, sondern mit Mewes als Einzelunternehmer, so Richter Kieß. Der Streit geht wohl in Berufung.

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Berichtigung: In einer früheren Version dieses Artikels haben wir berichtet, Jan Mewes sei Dresdner und die Prozessparteien würden sich auch vor Zivilgerichten in Österreich streiten. Nach Angaben von Herrn Mewes sind er und seine Firma jedoch in Hamburg ansässig und die Parteien streiten sich nicht vor einem Zivilgericht in Österreich. Wir haben den Artikel entsprechend korrigiert.

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