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Das Ringen um den Polenztalweg

Wanderer wollen einen versperrten Weg durchs Polenztal in der Sächsischen Schweiz wiederbeleben. Der Nationalpark winkt bisher jedoch ab.

Seit zwei Jahren gesperrt wegen Sturmschäden: Mathias Klimmer (li.) und Rolf Böhm wollen, dass der Wanderweg im Polenztal wieder begehbar wird.
Seit zwei Jahren gesperrt wegen Sturmschäden: Mathias Klimmer (li.) und Rolf Böhm wollen, dass der Wanderweg im Polenztal wieder begehbar wird. © Daniel Schäfer

Auf der Wanderkarte "Brand - Hohnstein", die Kartograph Rolf Böhm zuletzt 2014 aufgelegt hat, verläuft der mit rotem Punkt markierte Weg noch westlich der Polenz. Wer heute von Porschdorf zur Waltersdorfer Mühle spazieren will, muss im Polenztal aber auf der anderen Flussseite bleiben. Der Pfad am Westufer ist zwar noch da, begangen werden aber darf er nicht. 

Im Januar 2018 fegte eine Böe von Orkan Friederike in das Polenztal hinein, und riss am westlichen Steilhang Dutzende Fichten um. Wie Mikado-Stäbchen stapeln sich die toten Stämme bis heute kreuz und quer über den ganzen Hang. Der Wanderweg ist seitdem gesperrt. "Sturmschäden - Lebensgefahr!" steht auf einem Schild an der Holzbrücke über die Polenz, auch sie ist mit Balken versperrt. 

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Der Sturmschaden: Die toten Fichtenstämme liegen kreuz und quer am Hang. Durch die Trittsteine im Fluss ließe sich dieser Abschnitt umgehen.
Der Sturmschaden: Die toten Fichtenstämme liegen kreuz und quer am Hang. Durch die Trittsteine im Fluss ließe sich dieser Abschnitt umgehen. © Daniel Schäfer

In der Sächsischen Schweiz wollen sich längst nicht alle damit abfinden, dass die von einem Sturm ausgelöste Wegesperrung zum Dauerzustand werden soll. Zuletzt gab es im Stadtrat von Bad Schandau immer wieder Anfragen, wie es mit dem Weg denn weitergeht. Den Sturmschaden zu beheben sei zu teuer, das hat die Nationalparkverwaltung längst klar gemacht. Dazu müsste der Hang gesichert und eine beschädigte Stützmauer repariert werden.

Idee: Trittsteine im Fluss

Es gibt aber noch eine andere Idee. Der Windbruch betrifft nur ein Teilstück des Weges. Der längere Abschnitt ist unbeschädigt. Um den Wanderweg wieder zu aktivieren, müsste die Schadensstelle nur umgangen und ein Stück neuer Weg angelegt werden. Die neue Trasse würde dann den bestehenden breiten Weg auf der Ostseite und den gesperrten Pfad am anderen Ufer miteinander verbinden. Dann könnte man wie früher eine Runde laufen: von Porschdorf die Polenz hinauf bis zur Waltersdorfer Mühle und auf der anderen Flussseite zurück. 

Diese Idee bringen aktuell der Porschdorfer Mathias Klimmer, Mitglied im Ortschaftsrat und bei der IG Stiegen- und Wanderfreunde, sowie der Bad Schandauer Kartograph und CDU-Stadtrat Rolf Böhm wieder auf den Tisch. 

Die Idee: Trittsteine in der Polenz könnten eine Flussquerung ermöglichen. Die passende Stelle haben Mathias Klimmer (li.)und Rolf Böhm schon gefunden.
Die Idee: Trittsteine in der Polenz könnten eine Flussquerung ermöglichen. Die passende Stelle haben Mathias Klimmer (li.)und Rolf Böhm schon gefunden. © Daniel Schäfer

Um die Polenz zu überqueren, sollten demnach Trittsteine aus Sandstein ins flache Wasser gelegt werden. Solche Trittsteine zur Flussquerung gebe es auf der ganzen Welt, beispielsweise in den Alpen oder in der Hohen Tatra, sagt Mathias Klimmer. "Warum soll so etwas in der Sächsischen Schweiz nicht möglich sein?", fragt er.

Eine passende Stelle für die Querung ist längst gefunden. Das Flussbett der Polenz ist dort flach. Die benötigte Zuwegung dorthin könnte über einen alten, zugewachsenen  Bahndamm verlaufen, der noch aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs vorhanden ist. 

Bürgermeister befürwortet Idee

Aktuell ist auf dem einen vorhandenen Weg durchs Polenztal viel los, sagt Mathias Klimmer. "Das ist eine Wanderautobahn." Der breite Schotterweg dient auch als eine der wenigen Radrouten durch den Nationalpark. Wanderer, Mountainbiker, E-Bike-Fahrer, Kinderwagen - besonders am Wochenende konzentriere sich alles auf diesen einen Weg, erklärt der Porschdorfer. Da müsse man Alternativen anbieten. Der zweiten Weg auf der anderen Flussseite könnte die Besucherströme entzerren. 

Kartograph Rolf Böhm sieht den Nationalpark in der Pflicht, den gesperrten Weg wieder herzurichten und zu erhalten. "Das Wegenetz ist ein bewahrenswerter Schatz", sagt Böhm. Die Wege-Aktivisten fürchten, dass infolge der Sturm- und Borkenkäferschäden schleichend noch weitere Wege im Nationalpark dauerhaft dicht gemacht werden. 

Polenztal zwischen Porschdorf und Waltersdorfer Mühle: Die Karte ist nicht mehr aktuell. Der Weg am westlichen Flussufer ist gesperrt, die Markierung roter Punkt verläuft jetzt komplett auf der Ostseite.
Polenztal zwischen Porschdorf und Waltersdorfer Mühle: Die Karte ist nicht mehr aktuell. Der Weg am westlichen Flussufer ist gesperrt, die Markierung roter Punkt verläuft jetzt komplett auf der Ostseite. © Karte: Rolf Böhm

Für den Erhalt des Wanderwegs spricht sich auch Bad Schandaus Bürgermeister Thomas Kunack (WV Tourismus) aus. Der Weg an der Westseite habe einen besonderen Charme, sagt Kunack, weil man von dort die Felsen des Brand-Massivs sehen könne. Die Idee mit den Trittsteinen befürwortet Kunack ausdrücklich. "Das wäre noch mal eine ganz eigene Attraktion", sagt der Bürgermeister. 

Bei der Nationalparkverwaltung ist diese Idee allerdings schon einmal abgeblitzt. Eine solche Flussquerung sei aus versicherungsrechtlichen Gründen nicht machbar, hieß es 2019. Inzwischen ist mit Ulf Zimmermann ein neuer Nationalparkchef im Amt, der langjährige Leiter Dietrich Butter ging in den Ruhestand. Bei den Befürwortern der Trittstein-Idee keimte die Hoffnung, dass mit dem personellen Wechsel auch die bisher strikte Position in Bewegung geraten könnte. 

Nationalpark fürchtet Anzeigen

Im Moment sieht es nicht danach aus. "Die Argumente, die uns bewogen haben, das Vorhaben nicht zu realisieren sind nochmals verstärkt worden", sagt Nationalparksprecher Hanspeter Mayr. Der Aufwand, den der Nationalpark für Verkehrssicherungsarbeiten betreiben muss - indem er etwa abgestorbene Borkenkäferfichten entlang der Wege fällt - sei erneut angewachsen und bleibe bis auf Weiteres extrem hoch. 

"Eine Trittsteinquerung des Flusses würde ein weiteres Dauerproblem der Verkehrssicherung schaffen, das aufgrund der ständigen Dynamik im Flussbett nie nachlässt", erklärt Hanspeter Mayr. Die Kippsicherheit, Trittfestigkeit und Rutschsicherheit der eingelegten Steine müsste laufend durch gewährleistet werden. Trotzdem wäre die Behörde nicht vor Anzeigen gefeit, wenn es zu Unfällen käme, etwa weil die Steine im Winter vereisen. Bei höherem Wasserstand wären die Steine nicht begehbar, was wiederum Besucher verärgern könnte.

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Die benötigte Zuwegung über den alten Bahndamm führt durch eine geschützte Aue. Um dort einen neuen Weg anzulegen, ist eine naturschutzrechtliche Befreiung der Landesdirektion Sachsen erforderlich. Diese sei fachlich nur schwer zu begründen, erklärt Mayr. Aus Sicht der Nationalparkverwaltung gebe es keine Veranlassung, sich erneut mit dem Thema zu beschäftigen.

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