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Zittau

Gewichtheber ehren einen Olympioniken

Die neue Trainingshalle der Sportler heißt jetzt nach Gewichtheber-Legende Werner Dittrich. Titel haben in seinem Verein Tradition.

Die Zittauer Gewichtheber nahmen ihre neue Heimat in Besitz.
Die Zittauer Gewichtheber nahmen ihre neue Heimat in Besitz. © Jörg Scholze

Es waren nicht nur die starken Männer des GAV Zittau 04, die sich am Sonnabendvormittag in der Hauptturnhalle eingefunden hatten, um im Rahmen des Vereinsfestes von ihrer neuen Trainingsstätte Besitz zu ergreifen. Auch viel regionale Prominenz wie Oberbürgermeister Thomas Zenker (Zkm), den Vorsitzenden des Kreissportbundes Stephan Meyer (MdL/CDU), Bernd Hofmann vom Schul- und Sportamt des Landkreises, der einen Spendenscheck über 100 Euro im Gepäck hatte, hieß Vereinsvorsitzender Holger Worm willkommen. Das galt insbesondere für einen Mann, der schon zu Lebzeiten zur Legende des Zittauer Gewichthebens wurde – Werner Dittrich. Die Verleihung seines Namens „Werner-Dittrich-Halle“ an die neue Sportstätte war der besondere Höhepunkt. Tief bewegt dankte der 82-Jährige für die ihm zuteil gewordene Ehre.

Der im Juni 1937 im damaligen Reichenau (Bogatynia) geborene Dittrich kam erst 1957 mit seinen Eltern in die DDR. Bereits ein Jahr danach wurde er bei den DDR-Juniorenmeisterschaften mit 317,5 Kilogramm Meister im Leichtgewicht. Damit begann eine großartige Karriere für den sympathischen, bescheidenen Sportsmann. Viermal nahm er an Olympischen Spielen teil, konnte aber nie eine Medaille erkämpfen. Trotzdem gehören für ihn noch heute die Ausscheidungskämpfe um einen Platz in der gesamtdeutschen Mannschaft von 1960 und 1964 zu seinen größten Erfolgen. Doppeltes Pech hatte er 1965, nämlich bei der EM in Sofia und der WM in Teheran. Beide Male erzielte er die gleiche Leistung wie Wiktor Kurenzow, musste sich aber aufgrund seines nur minimal höheren Körpergewichts mit dem zweiten Rang begnügen. Elfmal wurde er DDR-Meister und stellte insgesamt 61 DDR-Rekorde auf. Weitere Bronze-Medaillen bei Welt- und Europameisterschaften kamen hinzu. Seine besten Einzelleistungen waren 155 kg im Drücken, 140 kg im Reißen und 170 kg im Stoßen. Im Olympischen Dreikampf erzielte er 455 kg.

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Der Namensgeber Werner Dittrich mit der Tafel, die in der Halle angebracht wird.
Der Namensgeber Werner Dittrich mit der Tafel, die in der Halle angebracht wird. © Matthias Weber

Die Geschichte des Gewichthebens in Zittau reicht übrigens bis ins Jahr 1904 zurück, sodass man am Sonnabend auch dessen 115-jähriges Jubiläum begehen konnte. Bereits zu Beginn hatte Holger Worm an einige entscheidende Stationen erinnert. Das betraf natürlich zu erst einmal die Gründung des Kraftsportklubs Zittau im Januar 1904. Einen ersten sportlichen Höhepunkt vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges erreichte der Klub bei viermaliger Austragung der Kämpfe um den Wanderpokal des Sudetenbundes deutscher Athleten, den die Sportler des KSKZ dreimal nach Zittau holten. Natürlich kam es zu drastischen Unterbrechungen infolge beider Weltkriege, worauf an dieser Stelle nicht weiter eingegangen werden soll. 

Erst Anfang 1948 wurde in Zittau eine Boxgemeinschaft gegründet, der sich die Gewichtheber sofort anschlossen. 1950 kam es mit Entstehen der Betriebssportgemeinschaften zu weiteren strukturellen Veränderungen. Während die Boxer zur BSG Fortschritt gingen, schlossen sich die Gewichtheber der BSG Lokomotive an, wechselten aber schon im Herbst zur BSG Motor. Seit dieser Zeit entwickelte sich Zittau zu einer echten Hochburg des Gewichtshebens. Neben Werner Dittrich waren es Manfred Rieger und Karl Arnold, die Erfolgstrainer Heinz Kahl in die Weltspitze führte. Dann zog er sich langsam zurück, betreute von nun an vor allem den Nachwuchs. Und auch das mit außerordentlichem Erfolg. Das beweisen die sowohl in den Jahren 1954 bis 1959 von Zittauer Junghebern erzielten zwölf Deutschen Meister, 18 deutsche Jugendrekorde als auch fünf deutsche Rekorde im Seniorenbereich.

Mit einem Vereinsfest wurde die Gewichtheberhalle in der Hauptturnhalle eingeweiht.
Mit einem Vereinsfest wurde die Gewichtheberhalle in der Hauptturnhalle eingeweiht. © Matthias Weber

Anknüpfend an diese Traditionen gründete sich im Oktober 2004 der jetzige GAV Zittau 04, der nun ebenfalls vor einem Jubiläum steht. Neben dem Gewichtheben kam nun noch die Aerobic hinzu, was das „A“ im Vereinsnamen erklärt. Dass die Arbeit auch weiterhin von Erfolg gekrönt ist, bewies erst kürzlich Holger Worm persönlich. Bei der EM im finnischen Rovaniemi gewann der 57-jährige Olbersdorfer mit sage und schreibe 25 kg Vorsprung. Damit erkämpfte er seinen neunten EM-Titel in 22 Jahren. Eine beeindruckende Bilanz, die durch sechs Silber- und vier Bronzemedaillen sowie acht WM-Titel, sieben Silber- und zwei Bronzemedaillen vervollständigt wird.

Für die andere Seite der Vereinstätigkeit zeichnet maßgeblich Jenny Kretschmer verantwortlich. Für ihre Leistungen beim Aufbau der Tanzformationen „1st RevoluZion“, „Little ExploZion“ und „ChaoZ Crew“ wurde sie durch Stephan Meyer mit der Ehrennadel des Landessportbunds in Silber ausgezeichnet. Folgerichtig zeigten im Anschluss an den offiziellen Teil auch die Damen dieser drei Formationen im großen Saal Proben ihres Könnens. Der Beifall war – nicht nur von den Männern vorprogrammiert und durchaus verdient. Mit einem Show-Training am Nachmittag, in dessen Verlauf auch Besucher die Möglichkeit hatten, ihre Kräfte an der Handel zu erproben, ging der ereignisreiche Tag zu Ende.          

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