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Görlitzer Peterskirche bekommt neue Sonnenuhr

Jahrelang ersetzte ein Provisorium die in Stein gemeißelten Zeiten von 1567. Nach fast 500 Jahren ist es jetzt Zeit für etwas Neues.

Entfernung der Platten an der Sonnenuhr an der Peterskirche.
Entfernung der Platten an der Sonnenuhr an der Peterskirche. © Nikolai Schmidt

Manchem Spaziergänger wird es in den vergangenen Jahren mehr und mehr aufgefallen sein: Die Sonnenuhr an der Peterskirche, schräg rechts über dem Südportal, bestand nur noch aus zwei weißen Platten, auf denen gerade so noch ein paar Konturen zu erkennen waren. Der Schattenstab der Sonnenuhr zeigte ins Nirgends. Wie eine kleine Autoradioantenne ragte er an der Sonnenseite der Peterskirche in Richtung Waidhausplatz, ohne irgendeine Funktion. 

Verblichene Kopie der Sonnenuhr wurde entfernt

Am Donnerstagvormittag sind die beiden verblichenen Platten nun abmontiert worden. Darunter kam verwitterter Sandstein zum Vorschein, nur an den Rändern sind noch ein paar eingemeißelte Zahlen und Linien aus der Zeit des Astronomen und späteren Görlitzer Bürgermeisters Bartholomäus Scultetus aus dem Jahr 1567 zu sehen. 

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An der Fassade der Ratsapotheke am Görlitzer Untermarkt, unweit der Peterskirche (im Hintergrund) findet sich ebenso eine Sonnenuhr, aber die des Görlitzer Astronomen Zacharias Scultetus.
An der Fassade der Ratsapotheke am Görlitzer Untermarkt, unweit der Peterskirche (im Hintergrund) findet sich ebenso eine Sonnenuhr, aber die des Görlitzer Astronomen Zacharias Scultetus. © Foto: Gunter Watzke

"Es ist die einzige Sonnenuhr in Görlitz, die Scultetus wirklich selbst angebracht hat", sagt Lutz Pannier von der Görlitzer Sternwarte. Bei der bekannten Sonnenuhr an der Ratsapotheke, dem heutigen Ratscafé, habe das dessen Bruder Zacharias getan, die Sonnenuhr am Scultetushaus Peterstraße 4 sei nicht erhalten. Umso wichtiger sei es, die an der Peterskirche nun wieder funktionsfähig zu machen. 

Platten sicherten bröckelnen Sandstein

Das hatte man in den Jahren 2003/04 schon im Blick. Damals bröckelte der Sandstein, weil Regenwasser an dem darüberliegenden Kupferdach vorbeifloss und die Mauer auswusch. Als ein Spaziergänger angeblich von einem Steinchen getroffen wurde, schützte man die historische Sonnenuhr durch zwei Platten, auf die ein vergrößertes  Foto der Uhr aus besseren Zeiten gedruckt wurde. 

Darauf konnte der Schatten des Stabes so wandern wie über das Original und Uhrzeiten wie Jahreszeiten anzeigen. "In den ersten Jahren hat diese Sonnenuhr ihren Dienst gut erfüllt", sagt Lutz Pannier, aber inzwischen sei es Zeit für etwas Neues. 

Denkmalpfleger überlegen Konzept

So war am Donnerstag eine ganze Gruppe aus Denkmalpflegern, Restauratoren und Mitarbeitern der Innenstadtgemeinde vor Ort, um zu erfahren, in welchem Zustand die fast 500 Jahre alte Sonnenuhr inzwischen ist. 

Julia Maitschke, Referentin für Steinkonservierung, untersuchte sie und stellte fest, dass der Schattenstab noch immer hält. Der Sandstein aber habe in den Jahren unter den Platten weiter gelitten. "Aufgabe wird es zunächst sein, diesen Zustand zu sichern", sagte sie, "danach können wir Ideen zur Erneuerung der Sonnenuhr entwickeln." 

Die denkmalpflegerisch schönste Variante sei es sicherlich, den beschädigten Sandstein aufzufüllen und die Sonnenuhr so originalgetreu wie möglich wieder in den Stein zu meißeln. "Ob das möglich sein wird, müssen wir sehen." 

Sonnenuhr könnte ein weiterer Anziehungspunkt sein

Für die genaue Ausrichtung der Sonnenuhr würde Lutz Pannier sein astronomisches Wissen einbringen. Tobias Panke, Leiter der Unteren Denkmalschutzbehörde in Görlitz,  würde, nachdem die Türme der Peterskirche nun saniert seien, auch die Erneuerung der Sonnenuhr sehr begrüßen. Und auch Matthias Paul, seit 1. März als Nachfolger von Hans-Wilhelm Pietz, Pfarrer der Innenstadtgemeinde, fände es "wunderbar, wenn die Sonnenuhr der Peterskirche ein weiterer Anziehungspunkt für die Görlitzer und die Besucher der Stadt sein könnte". 

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