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Löbau

Keine Zigaretten mehr an der Grenze?

Ganz eingeschlafen ist der Handel offenbar nicht. Immer noch wandert die eine oder andere Stange Zigaretten rüber.

Der Grenzübergang an der Bahnhofstraße in Ebersbach ist verbarrikadiert.
Der Grenzübergang an der Bahnhofstraße in Ebersbach ist verbarrikadiert. © Rafael Sampedro

Ebersbach, Bahnhofstraße. Eine Asiatin mit Mundschutz kommt von der tschechischen Seite ans Geländer. Das bildet hier die Grenze zu Tschechien. Sie reicht einem Mann, der  auf der deutschen Seite auf dem Gehweg steht, eine Stange Zigaretten rüber. Der Mann gibt ihr Geldscheine. Ein paar Worte, nicht mehr als nötig, dann ist die Frau schnell wieder verschwunden. 

Und auch der Zigarettenkäufer will fix weg und sich nicht auf ein längeres Gespräch einlassen. Denn dass das, was er hier macht ist illegal, das ist ihm völlig klar. Trotzdem will er nicht auf die billigen Zigaretten verzichten. "Und für die Händler drüben ist die Situation ja auch eine Katastrophe", sagt er wie zur Entschuldigung. 

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Beliebte Waren: Zigaretten, Pflanzen, Benzin

Deutschland und Tschechien sind hier an der Bahnhofstraße nur eine Armlänge voneinander entfernt. Lediglich ein verrostetes Geländer bildet an der Brücke "Blaues Wunder" die Grenze. Während wenige Meter weiter der Grenzübergang mit Betonsteinen und Zäunen verbarrikadiert ist, könnte man hier einfach übers Geländer klettern oder rübergreifen. Theoretisch. Manche machen das eben auch praktisch. 

Weil die Grenzen aufgrund der Corona-Pandemie dicht sind, können Deutsche auch nicht mehr zum Einkaufen rüber: Zigaretten, Pflanzen, Benzin und Diesel - das alles ist im Nachbarland billiger als hierzulande und wird deshalb von den Einwohnern im Grenzgebiet gern "drüben" gekauft. Das geht jetzt nicht. Noch kurz vor der Grenzschließung haben sich die Deutschen mit den Waren schnell noch eingedeckt. Mancher nahm sogar Mutter und Oma im Auto mit, um mehr Zigaretten über die Grenze bringen zu können. Denn pro Person dürfen 800 Zigaretten mitgebracht werden - für den Eigenbedarf. Das sind immerhin vier Stangen mit je zehn Schachteln. Rund sieben Euro kostet eine Schachtel Markenzigaretten in Deutschland. Bei den Nachbarn sind es drei bis fünf Euro. Gekauft wird hier aber meistens gleich Stangenweise, da werden rund 30 Euro für eine Stange mit zehn Schachteln fällig. 

Noch keinen erwischt

Gänzlich eingeschlafen ist der Handel über die Grenze hinweg offenbar auch über einen Monat nach der Grenzschließung immer noch nicht. Das belegen Beobachtungen, wie die in Ebersbach.  

Und solche Szenen gibt es nicht nur im Oberland. Nach SZ-Informationen verkaufen polnische Händler auch in Zittau entlang der Grenze heimlich Zigaretten an deutsche Kunden. Dass die Neiße dabei die Grenze bildet, hält sie nicht auf. Mit Fischerhosen ausgestattet, stehen sie im Grenzfluss und versorgen die Kunden auf der andere Seite der Neiße mit Zigaretten, wie Augenzeugen glaubhaft berichten. Man mag diese Szenerie kaum glauben, wenn man sie nicht selber sieht. Bei den wiederholten Vor-Orten-Terminen wurden von den SZ-Reportern zwar verdächtig erscheinende Personen am Ufer entdeckt, der eigentliche Verkaufsprozess konnte aber nicht beobachtet werden. 

Auch vonseiten der Bundespolizei und des Zolls sind die Zigarettenhändler bisher unbehelligt geblieben. Bundespolizei und Zoll wissen zwar um den Umstand. Es gebe immer wieder Hinweise aus der Bevölkerung, bestätigt Alfred Klaner von der Bundespolizeiinspektion in Ebersbach. Erwischt haben die Beamten aber noch niemanden. 

Kontrollen auch an Grenzübergängen

Kontrolliert wird nach wie vor, selbstverständlich auch an der "grünen Grenze" im Dreiländereck, sagt Heike Wilsdorf vom Hauptzollamt Dresden. Generell können auf deutscher Seite weder die Bundespolizei noch der Zoll aber eine Zunahme des Schmuggelgeschäfts bestätigen. Es gebe seit der Grenzschließung nicht mehr Feststellungen als zuvor, so Heike Wilsdorf. 

Vonseiten der Bundespolizei zeigt sich die Lage so, dass die hiesige Grenze seitens der deutschen Behörden nicht geschlossen und auch keine Grenzkontrollen eingeführt wurden, erklärt Bundespolizeisprecher Alfred Klaner. Die Schließung ging von den tschechischen Behörden aus. Daher gibt es kein fest stationiertes Personal der Bundespolizei an den Grenzübergängen. Die Streifenbeamten, die in der Region unterwegs sind, schauen aber immer wieder auch an den Übergängen nach dem Rechten. 

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