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"Corona bringt mich nicht um den Schlaf"

Stattdessen bekennt Großenhains Oberbürgermeister Sven Mißbach im SZ-Sommerinterview, worüber er sich wirklich Gedanken macht - und das ist eine Menge.

Den lauschigen Platz am Kulturschloss nutzte SZ-Redakteurin Catharina Karlshaus zum Sommerinterview mit Oberbürgermeister Sven Mißbach.
Den lauschigen Platz am Kulturschloss nutzte SZ-Redakteurin Catharina Karlshaus zum Sommerinterview mit Oberbürgermeister Sven Mißbach. © Anne Hübschmann

Großenhain. Das Wetter zeigt sich solidarisch. Während in den vergangenen Tagen ein Regenschauer nach dem anderen über der Röderstadt niederging, blitzt die Sonne unter dem Blätterdach hervor. Gerade rechtzeitig zum sommerlichen Gespräch der Sächsischen Zeitung mit Großenhains Oberbürgermeister Sven Mißbach (parteilos). Ein Wetter, das zur Stimmung des Verwaltungschefs passt. Gut gelaunt sitzt der 42-Jährige im kurzärmeligen Hemd auf der Bank vor dem Kulturschloss und scheint die Unterhaltung zu genießen, wo und wie sie stattfindet - ganz ohne Mundschutz.

Herr Mißbach, in den vergangenen Monaten hat man Sie beim Spaziergang durch Großenhain ausschließlich mit Mund-Nasenbedeckung gesehen. Haben sie die bunten Stoffteile jetzt verstaut?

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Lebensmittelgeschäfte, Drogerien, Apotheken und Tierfachgeschäfte haben für Sie weiterhin geöffnet. Hier stehen Ihnen 5.000 Parkplätze zur Verfügung.

Nein, das habe ich nicht! Ich hoffe zwar, dass sie irgendwann nicht mehr benötigt werden. Aber noch ist es aus meiner Sicht nicht soweit. Zum Einkaufen oder angesichts der Aussicht, auf größere Menschenansammlungen zu treffen, habe ich immer einen Schutz dabei. Innerhalb der täglichen Arbeit in der Verwaltung oder wie hier im Gespräch mit Ihnen im Freien verzichte ich inzwischen darauf.

Wie groß ist denn die Kollektion der schützenden Stoffteile?

Oh, da müsste ich nachzählen! Aber sechs, sieben habe ich bestimmt davon. Zum einen, müssen sie ja auch regelmäßig gewaschen werden. Und zum anderen habe ich immer für meine Kinder einen parat. Viele Eltern werden sicherlich das gleiche Phänomen kennen, dass ausgerechnet der Mundschutz des Nachwuchses die wundersame Eigenschaft hat, hin und wieder stiften zu gehen.

Leider ist die Ursache dessen, weshalb wir alle plötzlich mit bedecktem Mund und Nase herumlaufen, noch nicht verschwunden. Wie haben Sie die vergangenen Monate erlebt?

Sie waren - ohne Frage - etwas Besonderes! Es war nichts, worauf man als Mensch privat oder innerhalb seiner beruflichen Tätigkeit auf Erfahrungswerte zurückgreifen konnte. Mir wird das sicherlich so gegangen sein, wie den meisten Leuten auch. Wenn uns einer mal prophezeit hätte, dass plötzlich überwiegend von Zuhause aus gearbeitet werden muss, die Kinder nicht zur Schule oder in den Kindergarten gehen dürfen, Theater, Kinos und Restaurants schließen, der Flugverkehr beinah eingestellt wird und in den Supermärkten die Regale wie zu besten DDR-Zeiten leergekauft sind: mal ehrlich, wir hätten lachend abgewunken. Jetzt haben wir das alles erlebt und gemerkt, viele Dinge, an die wir uns gewöhnt haben, sind keineswegs selbstverständlich. Manches, was wir glaubten, zu vermissen, ist wiederum gar nicht so wichtig. Der Blick wird aufs Wesentliche gelenkt. Ich bin im Frühling noch mehr als ohnehin schon mit den Kindern in der Natur und im Wald gewesen. Gemeinsam haben wir Holz aufgearbeitet - das hat uns nach all der häuslichen Lernerei gut getan.

Wie werden sich Ihrer Meinung nach die Pandemie und die Folgen auf das städtische Leben, die Großenhainer Wirtschaft und die Kulturlandschaft auswirken? 

Das sind die Dinge, über die ich mir tatsächlich Gedanken mache! Corona bringt mich nicht um den Schlaf. Da verlasse ich mich getrost auf meinen gesunden Menschenverstand und die Hinweise jener, die sich fachlich damit auskennen. Ich glaube, dass wir unter Beachtung der hygienischen Konzepte das Schlimmste vermieden haben und es weiterhin tun werden, wenn sich alle nur vernünftig daran halten. Was mir hingegen wirklich Sorge bereitet, sind die Folgen für unsere Gewerbetreibenden, Café- und Restaurantbesitzer und natürlich auch die Kulturschaffenden. Was wir als Stadt tun können, haben wir bereits unterstützend getan. Wir haben die Gewerbesteuer zwar nicht ausgesetzt, denn dies beantragen die Gewerbesteuerzahler direkt beim Finanzamt. Doch wir konnten die Innenstadthändler von Gebühren zur Sondernutzung der Straßen, Wege und Plätze entlasten. Dies betrifft Sondernutzungsgebühren, welche für das Platzieren beziehungsweise Einrichten von Werbeaufstellern, Warenauslagen und gastronomischen Außenbereichen erhoben werden. Wenn sich am Ende allerdings die Leute gar nicht trauen, Essen zu gehen, klingelt es freilich auch nicht in der Kasse. 

Teil der Großenhainer Kulturlandschaft sind unbestritten das Kulturschloss, der Zabeltitzer Barockgarten und das Soziokulturelle Zentrum Alberttreff. Werden die Einrichtungen die zwangsläufig veranstaltungsarmen Monate unbeschadet überstehen?

Das kann ich Ihnen leider nicht beantworten! Ich weiß es zum jetzigen Zeitpunkt einfach nicht. Und kann auch momentan nicht ermessen, was nach dem Sommer - wie ja häufig prognostiziert - aufgrund vielleicht wieder steigender Infektionsraten auf uns zukommt. Ich freue mich aber, dass es bereits mit der Zusammenlegung von Jugend- und Kultursommer wieder ein kleines Veranstaltungsangebot geben wird. Wir denken selbstverständlich über den Bauernmarkt im Herbst und unseren traditionellen Weihnachtsmarkt nach. Unter welchen Bedingungen diese beiden beliebten Höhepunkte in der Stadt dann durchgeführt werden dürfen, ist aber jetzt noch völlig offen. Auch haben wir noch kein Gefühl dafür, wie hoch die Messlatte der hygienischen Auflagen bis dahin liegen wird. Aber wir hoffen natürlich auf immer mehr Normalität. Erst recht für unser Kulturschloss, zu dem sich Verwaltung und Stadträte klar bekennen. Es ist finanziell hart für die dortigen Mitarbeiter um ihren Geschäftsführer Jörg Rietdorf, nur mit angezogener Handbremse wieder Fahrt aufnehmen zu dürfen. Und auch unser ebenso engagierter Kulturkoordinator Jörg Withulz ist mit seiner Mannschaft in keiner beneidenswerten Situation. Aber wir sind allesamt bereit, auch mal neu oder um die Ecke zu denken. Gerade jetzt! Durch Corona ist das Klima zuweilen etwas rauer geworden. Es ist wichtig, dass die Leute wieder unbeschwert beisammen sein dürfen. Das war schon immer der Kitt der Gesellschaft und der wird jetzt, so glaube ich, wieder einmal mehr ganz dringend gebraucht.

Wird in Zeiten wie diesen über Projekte für den Rest des Corona-Jahres nachgedacht?

Natürlich! Alles andere wäre auch falsch. Das Leben muss ja weitergehen! Allerdings beeinträchtigt Covid-19 die pünktliche Umsetzung einiger Vorhaben. Der Kindergartenneubau Chladeniusstraße wird keineswegs mehr 2020 begonnen werden können. Das kann nun erst im Frühjahr kommenden Jahres sein. Fertigstellen wollen wir jedoch das Leitbild für Großenhain. Bis Ende August soll es da noch einmal über ein Online-Portal eine Möglichkeit der öffentlichen Beteiligung geben. 

Herr Mißbach, gerade haben die Sommerferien begonnen. Darf ich fragen, wo Sie Ihren Urlaub verbringen werden? Sicherheitsvariante Deutschland oder doch unternehmungslustig etwas weiter weg?

Glücklicherweise fühle ich mich da gar nicht herausgefordert. Wir werden wie seit vielen Jahren in der Nähe von Berlin Urlaub machen. Ich muss mich nicht an der Küste um den Platz am Strand streiten oder wegfliegen. Im Gegenteil! Ich finde es sogar gut, dass wir wieder in heimischen Gefilden die Ferien verbringen und so auch die heimische Wirtschaft unterstützen.  

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