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Großenhain

"Wir betrachten die Infektion als einen Marathon"

Die Großenhainer Rehaklinik ist spezialisiert auf die Behandlung Schwerstkranker - und kann nun zum wichtigen Partner werden.

Chefarzt Dr. Imanuel Dzialowski und seine Mitarbeiter haben sich bereits intensiv auf den Katastrophenfall und die Übernahme von Patienten vorbereitet.
Chefarzt Dr. Imanuel Dzialowski und seine Mitarbeiter haben sich bereits intensiv auf den Katastrophenfall und die Übernahme von Patienten vorbereitet. ©  Kristin Richter

Großenhain. Privat-Dozent Dr. Imanuel Dzialowski ist eine Kapazität. Der Neurologe und ausgewiesene Spezialist bei der Behandlung von Schlaganfällen ist ein profunder Fachmann auf seinem Gebiet. Aber nicht nur das. Dem 47-jährigen Chefarzt ist es gelungen, am Standort des ehemaligen Großenhainer Krankenhauses ein anerkanntes Zentrum der rehabilitativen Neurologie zu etablieren. 

Patienten, die wegen eines Schlaganfalls, einem Schädel-Hirn-Trauma, einer Wiederbelebungstherapie (Reanimation), einem langen Aufenthalt auf einer Intensivstation in den Elblandkliniken oder den Regionen Dresden/Leipzig behandelt wurden, erfahren in der Röderstadt weitere medizinische Betreuung. Der professionelle Umgang von gut 100 Pflegekräften und 64 Therapeuten mit Hochrisikopatienten, Viren und multiresistenten Keimen lässt die Großenhainer Klinik inmitten der Coronakrise nun zum wichtigen Partner werden. 

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Dr. Dzialowski, welches Szenario ist für den Großenhainer Standort geplant?

Sie haben recht damit, dass im Falle einer massiven Zunahme an Covid-19 Patienten tatsächlich ein solches vorgesehen ist. Aber es ist wichtig vorauszuschicken, dass bei all diesen Varianten die Sicherheit unserer Patienten oberste Priorität genießt! Wir haben zurzeit 90 Frauen und Männer im Haus, die aufgrund ihrer vielfachen Vorerkrankungen, der gesundheitlichen Schädigungen und dem Durchschnittsalter von 75 Jahren alle zur Hochrisikogruppe gehören. Im Falle der Ansteckung mit Covid-19 wären schwere Folgen zu erwarten. Das gilt es, grundsätzlich zu verhindern und dafür haben wir auch zusätzlich zur Einhaltung aller hygienischen Maßnahmen noch mehr aufgerüstet. Wir haben in der Klinikleitung und unter Einbeziehung unserer Hygienespezialisten einen Krisenstab eingerichtet, der täglich zusammenkommt und die Situation bespricht. Und diese Situation hat sich angesichts immer mehr fortschreitenden Viruserkrankungen und mit dem Beschluss des Krankenhausentlastungsgesetzes am Montag durch den Bundestag weiter verändert. 

Das heißt, Ihr Haus und Ihre personellen Kapazitäten werden nun anders gefordert?

Rehakliniken, wie die unsrige, sollen helfen können, deutschlandweit Krankenhäuser zu entlasten. Darauf bereiten wir uns, wie schon in den vergangenen Tagen, weiter vor. 

Inwiefern?

Unsere Klinik ist gewissermaßen von jeher zweigeteilt. Auf der einen Seite kommen Patienten zu uns, die nach einem stationären Aufenthalt bei uns eine Rehabilitationsmaßnahme erfahren. Nach einer Akutversorgung im Krankenhaus werden sie bei uns weiter behandelt, sind in ihren Funktionen teilweise stark beeinträchtigt und ringen gemeinsam mit unseren Therapeuten um die Wiederherstellung ihrer körperlichen Fertigkeiten. Darauf sind wir mit hochmoderner Medizintechnik und Fachleuten selbstverständlich auch eingestellt. Andere Patienten sind dagegen noch nicht in so guter Verfassung und werden bei uns intensivmedizinisch behandelt. Dafür stehen momentan neun Betten zur Verfügung. Wir könnten aktuell im Bedarfsfall aber bis auf  zwölf Betten aufstocken und aufgrund der zur Verfügung stehenden Geräte auch Beatmungspatienten optimal behandeln. Über beide Klinikbereiche wäre es zur Not möglich, eine Kapazität von 20 Betten mehr zur Verfügung zu stellen. Die ältere Dame mit beispielsweise Herzinfarkt oder Hüftfraktur könnte dann nach Erstbehandlung in den Elblandkliniken rasch bei uns weiter versorgt werden. Dort wäre dadurch wiederum mehr Platz für Patienten mit Covid-19-Patienten. Großenhain fungiere im Krisenfall nicht mehr nur als Rehabilitations- sondern als nachgelagerte Akuteinrichtung. 

Eine neue Herausforderung, die doch auch personell untersetzt werden muss. Wie wollen Sie das schaffen?

Wir haben den großen Vorteil, dass wir neben den vielen Gesundheitspflegern und Pflegerinnen eben über 60 Therapeuten beschäftigen. Sie sind hocherfahren und bestens qualifiziert. Dieses Personal kann im Krisenfall eingesetzt werden und die Pflege hochprofessionell entlasten. 

Ab wann rechnen Sie damit, auf diesen Behandlungsmodus umzustellen?

Das kann ich Ihnen heute noch nicht sagen. Im Moment läuft alles noch normal, aber wir haben diesen Plan B in der Tasche und sind vorbereitet. Wir gehen davon aus, dass die Zahl der Infektionen steigen wird. Menschen auch stationäre oder intensivmedizinische Betreuung benötigen. Dann muss man schnell handeln - und das könnten wir. 

Glauben Sie nicht daran, Dr. Dzialowski, dass die jetzigen Kontaktreduzierungen sich positiv bemerkbar machen werden?

Das müssen wir abwarten! Die Situation im Landkreis Meißen scheint gegenwärtig unter Kontrolle zu sein. Die Prognosen hinken aber immer zwei Wochen hinterher, weil in dieser Zeit die Ansteckung im Verborgenen läuft. Wir sollten damit planen, dass es eine hohe Anzahl von Covid-19-Patienten geben wird.

Und wie lange werden wir mit dem Virus zu tun haben?

Wir betrachten die Infektion keineswegs als Sprint, sondern eher als einen Marathon. Deshalb haben wir unseren Mitarbeitern auch bislang ermöglicht, normal in den Urlaub zu gehen. Sie sollen so gut es noch geht, Kraft sammeln. Denn uns allen wird eine vielmonatige medizinische und psychosoziale Höchstleistung abverlangt werden. Davon gehen wir aus. 

Zum Thema Coronavirus im Landkreis Meißen berichten wir laufend aktuell in unserem Newsblog!