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Grünes Gewölbe: Ist das einer der Einbrecher?

Die Ermittler gehen davon aus, dass mindestens sieben Täter am Juwelendiebstahl beteiligt waren. Nun wurde ein Phantombild veröffentlicht.

Dieser junge Mann hat das Auto bei dem Verkäufer abgeholt, mit dem die Einbrecher nach dem Diebstahl fliehen konnten.
Dieser junge Mann hat das Auto bei dem Verkäufer abgeholt, mit dem die Einbrecher nach dem Diebstahl fliehen konnten. © dpa/staatsanwaltschaft

Dresden. Der Einbruch in das Grüne Gewölbe in Dresden ist nach neuen Erkenntnissen der Ermittler von mindestens sieben Tatbeteiligten begangen worden. Diese Einschätzung ergebe sich aus einer Fallanalyse der Spezialisten des Landeskriminalamtes. Die Staatsanwaltschaft veröffentlichte am Donnerstag zudem das Phantombild eines Mannes, der vermutlich das Fluchtfahrzeug in Magdeburg abgeholt haben soll. 

Er wird auf 25 Jahre geschätzt, hat dunkle Haare und eine schlanke Statur. Bei dem Auto soll es sich um einen Audi S6 handeln, teilte die Staatsanwaltschaft weiter mit. Demnach ist die Sportversion des A6 (Baujahr 2006) im Jahr 2017 abgemeldet und im August 2019 von einer Privatperson an einen Unbekannten verkauft worden. 

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Den Wagen habe ein junger Mann bei dem Verkäufer in Magdeburg abgeholt. Die Ermittler gehen davon aus, dass der Abholer im Zusammenhang mit dem späteren Einbruch steht. 

Dieses Auto könnten die Einbrecher des Grünen Gewölbes als Fluchtfahrzeug genutzt haben.
Dieses Auto könnten die Einbrecher des Grünen Gewölbes als Fluchtfahrzeug genutzt haben. © Staatsanwaltschaft Dresden
Es gibt Hinweise darauf, dass die Täter den Audi umlackiert bzw. umfoliert haben.
Es gibt Hinweise darauf, dass die Täter den Audi umlackiert bzw. umfoliert haben. © Staatsanwaltschaft Dresden
© Staatsanwaltschaft Dresden

Die Staatsanwaltschaft und die Soko Epaulette sehen sich in ihrer Annahme bestärkt, dass die Täter den Einbruch am 25. November 2019 längerfristig geplant hatten. 

Das Fluchtfahrzeug sei möglicherweise kurz zuvor farblich verändert worden. Ursprünglich sei der Audi stratosblau gewesen. Zeugen hatten ein derartiges Fahrzeug Tage vor dem Einbruch in Dresden gesehen. Es gebe Hinweise darauf, dass die Täter den Audi umlackiert beziehungsweise umfoliert haben könnten, so dass dieser am Tattag als helles Fahrzeug mit dunklem Dach wahrgenommen wurde. 

Im Rahmen der Ermittlungen hatte die Dresdner Sonderkommission auch Kontakt zu Berliner Kollegen aufgenommen. Es sollten mögliche Parallelen zu dem Diebstahl der 100 Kilo schweren Goldmünze aus dem Bode-Museum 2017 in Berlin abgeglichen werden, hieß es im vergangenen Dezember.

Am Donnerstag war der Einbruch in das Grüne Gewölbe auch Thema bei einer Sitzung des Innenausschusses im Sächsischen Landtag. Linke- Fraktionschef Rico Gebhardt zeigte sich im Anschluss enttäuscht und warf der Regierung "Aussageverweigerung" vor. "Weder der Innenminister noch der Landespolizeipräsident oder weitere Vertreter der Staatsregierung waren willens oder in der Lage, meine heutigen Fragen umfassend zu beantworten", erklärte Gebhardt. Im Ergebnis der kargen Auskünfte hätten sich sogar neue Fragen ergeben. 

So lief der Juwelendiebstahl ab:

Bei dem Einbruch in das Grüne Gewölbe am Morgen des 25. November wurden sächsische Kronjuwelen im Millionen-Wert gestohlen. Die Täter legten mit Brandbeschleuniger Feuer in einem Raum am Kopf der Augustusbrücke, keine 150 Meter entfernt. Die Flammen verursachten einen Stromausfall – rund um den Theaterplatz gingen alle Straßenlaternen aus. In der so erzwungenen Dunkelheit zertrennen die Täter zuerst das Fenstergitter, so dass sie sich zwischen den Eisenstreben hindurchzwängen konnten.

Danach kam das Fenster selbst an die Reihe. Wie sie das geschafft haben, ist nach wie vor unklar. Erst als die fest im Mauerwerk verankerte Panzerglasscheibe samt Rahmen in das Pretiosen-Zimmer krachte, schlugen Bewegungsmelder Alarm. Das war um 4:57 Uhr. 

In nicht einmal sieben Minuten hatten sie eine Vitrine im Juwelenzimmer aufgehackt, die millionenschwere Schmuckstücke eingepackt und einen Pulverfeuerlöscher versprüht, um ihre Spuren zu verwischen. Sie rasten in einem Audi nach Pieschen. Dort, in der Kötzschenbroder Straße, fuhren sie gezielt in die Tiefgarage eines Wohnkomplexes, parkten weit hinten, wo sie ihr Auto in Brand steckten. Zu Fuß verschwanden sie über das Treppenhaus eines hinteren Gebäudes vermutlich in die Franz-Lehmann-Straße. (SZ)

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Die Polizeidirektion Dresden nimmt Hinweise auf den Mann sowie auf das Fahrzeug unter der Rufnummer (0351) 483 22 33 entgegen.

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