merken
PLUS

Bischofswerda

Sachsens modernster Grüngutplatz bleibt offen

Die meisten Annahmestellen haben wegen der Corona-Krise geschlossen. In Putzkau wird man seine Gartenabfälle trotzdem los - dank spezieller Technik.

Marco Birnstengel hält seinen Grüngutplatz in Putzkau weiter offen: Denn hier funktioniert die Abgabe der Abfälle kontaktlos.
Marco Birnstengel hält seinen Grüngutplatz in Putzkau weiter offen: Denn hier funktioniert die Abgabe der Abfälle kontaktlos. © SZ/Uwe Soeder

Putzkau. Der Mann hat Ordnung in seinem Garten geschaffen – der Anhänger am Pkw ist voll. Langsam nähert er sich der Schranke am Grüngutplatz des Putzkauer Agrarbetriebes. Die Schranke geht hoch, der Mann darf passieren und seine Gartenabfälle abladen. Beim Rausfahren wird die Tour von seiner Chipkarte abgebucht. Ohne diese Karte würde sich die Schranke nicht öffnen.

So läuft es schon seit drei Jahren auf Sachsens modernstem  Annahmeplatz für Gartenabfälle. Seitdem hat Marco Birnstengel, Chef der Schwesterbetriebe Putzkauer Milch GmbH und Landbewirtschaftung Wesenitztal, auf dem Betriebsgelände einen weiteren Platz für Baum- und Heckenschnitt eingerichtet. Beide Plätze sind auch jetzt geöffnet – trotz Corona-Krise.

Die gesunde Drittelstunde
Die gesunde Drittelstunde

Impfen lassen? Neue Therapien? Was zahlen Kassen? Fragen rund um das Thema Gesundheit: hier gibt es Antworten. Redakteur Jens Fritzsche im Gespräch mit Experten.

Die Technik macht's möglich, dass der Landwirt im Unterschied zu anderen Betreibern keinen Mitarbeiter auf dem Platz einsetzen muss, der kassiert und kontrolliert. Der vollautomatische Platz, der videoüberwacht ist, funktioniert kontaktlos. Zusätzlich weist jetzt ein Schild an der Zufahrt Kunden darauf hin,  dass sie nur einzeln auf den Platz fahren dürfen.  

Karten können nur über E-Mail aufgeladen werden

Die Chipkarte ist der Kern des Modells, das Marco Birnstengel mit einem Softwareproduzenten aus Niedersachsen entwickelt hat. Die Karte bekommt man gegen fünf Euro Pfand. Wenn man sie zurückgibt, gibt's auch das Geld zurück. Auf der Chipkarte wird ein Guthaben gespeichert.

Um eine Karte zu beantragen beziehungsweise aufzuladen, werden normalerweise einmal wöchentlich Geschäftszeiten im Büro angeboten. Momentan ist das nicht möglich. “Das geht aktuell nur per Mail. Neukunden bekommen als erstes einen Fragebogen und anschließend die Karte gegen Rechnung“, sagt der Landwirt.

Auch Karten, die schon ausgegeben wurden, können zurzeit nur über den Postweg aufgeladen werden. Jedes Jahr ab Oktober können die Karten fürs Folgejahr freigeschaltet und das Guthaben gebucht werden. Wird das nicht voll in Anspruch genommen, wird der Betrag aufs kommende Jahr übertragen oder bei Rückgabe der Karte erstattet.

Kunden kommen bis aus Pirna

Seitdem der automatische Platz in Betrieb ist, wuchs die Zahl der Kunden auf über 500. 20 Prozent von ihnen sind gewerbliche Kunden, wie zum Beispiel Hausmeisterdienste. Sie bringen aber 70 Prozent der Menge. Bis aus Pirna, Stolpen und Doberschau-Gaußig kommen diese Kunden, vor allem weil sie bei den Öffnungszeiten unabhängig sind. Geöffnet ist der Platz in der Woche von 7 bis 17 Uhr und sonnabends von 9 bis 12 Uhr.

Der Platz sei nichts, „um reich zu werden“, betont Marco Birnstengel. Sein ursprünglicher Gedanke war, Menschen der Region ein Angebot zu unterbreiten, ihre Grünabfälle ordentlich zu entsorgen, damit diese nicht an Feld- oder Waldrändern abgelagert werden. 

Kalkuliert wird jedes Jahr neu, um den Aufwand zu decken. Holz muss geschreddert, Grünabfälle müssen mehrfach umgelagert werden, bis Komposterde entsteht. Die Bundesgütegemeinschaft Kompost kontrolliert, dass fachgerecht gearbeitet wird. Pro angefangenem Kubikmeter Gartenabfälle, die verrotten, zahlen die Kunden in diesem Jahr 3,50 Euro. Für Äste sind es sieben Euro.

Die wegen der Corona-Krise geschlossenen Grüngutplätze und Absagen fürs Hexenbrennen haben bisher nicht dazu geführt, dass wesentlich mehr Kunden als sonst den Platz in Putzkau ansteuern. Marco Birnstengel mahnt zur Zurückhaltung: Jeder müsse selbst entscheiden, ob er ausgerechnet jetzt auf den Grüngutplatz fährt oder damit nicht doch lieber wartet, bis die Ausgangsbeschränkungen wieder aufgehoben werden. 

Mehr Nachrichten aus Bautzen lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Bischofswerda lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Kamenz lesen Sie hier. 

Mehr zum Thema Bischofswerda