merken
PLUS Kamenz

Wo sich Haie im Museum tummeln

In Kamenz gibt es eine Sonderausstellung über die bekanntesten Raubfische. Sie ist ein Ferientipp.

Von der Möglichkeit, im Museum ein Wandbild mit Haien zu füllen, ist Marvin Pögelt begeistert. Der 14-jährige Lessingschüler ist Jugendredakteur der SZ Lokalredaktion in Kamenz und absolviert derzeit ein Ferienpraktikum. Er hat diesen Artikel geschrieben.
Von der Möglichkeit, im Museum ein Wandbild mit Haien zu füllen, ist Marvin Pögelt begeistert. Der 14-jährige Lessingschüler ist Jugendredakteur der SZ Lokalredaktion in Kamenz und absolviert derzeit ein Ferienpraktikum. Er hat diesen Artikel geschrieben. © Matthias Schumann

Kamenz. Ein abgedunkelter Raum. Stille. Nur leichtes Gebrappel in der Ferne. Ich trete heraus und sehe sie sofort: Urzeitgiganten. So beginnt mein Spaziergang durch über 400 Millionen Jahre Weltgeschichte. Sie ist eine der ganz Großen und Kleinen, der Jäger und Gejagten. Sie ist keine des Menschen. Der kommt nur im allerletzten Kapitel auf der allerletzten Seite vor. Nein, was ich hier zu Gesicht bekomme, ist die Geschichte einer Spezies, die beim Menschen einen zu Unrecht schlechten Ruf hat. Es ist die Geschichte der „Haie – Räuber seit Jahrmillionen“.

Und so lautet auch der Name der Wanderausstellung des Naturhistorischen Museums Schloss Bertholdsburg aus Schleusingen, welche noch bis Mitte November 2019 im Kamenzer Museum gastiert (die SZ berichtete). Die paläontologische Ausstellung möchte mit Filmen, die in einem kleinen Kino – im abgedunkelten Raum – abgespielt werden, Zitaten berühmter Persönlichkeiten sowie dem chronologischen Ablauf der Entwicklung der Haie Mensch und Tier zusammenbringen. So sollen Vorurteile und Gerüchte abgebaut und ein Gefühl für die Wichtigkeit der Haie aufgebaut werden. Denn noch immer würden jährlich viel zu viel Haie dem Menschen zum Opfer fallen, so die Hai-Organisation „Shark Project“ in einem Film, der auch in der Ausstellung anzusehen ist. Weiter heißt es: „Ohne Haie stirbt das Meer. Und ohne das Meer stirbt der Mensch.“ Auf jeden Fall sind die Raubfische Teil des empfindlichen Ökosystems, welche es zu schützen gilt. Und dies hat sich, wie gesagt, auch die Ausstellung durch Aufklärung zum Ziel gesetzt.

Anzeige
Der Palais Sommer 2020 kann stattfinden!
Der Palais Sommer 2020 kann stattfinden!

Jetzt die Zukunft des Festivals mit Spenden sichern.

Haut wie Sandpapier

Aber schauen wir nun einmal 450 Millionen Jahre zurück. Zu dieser Zeit bildeten sich in den Meeren zwei Fischgruppen. Die Knorpelfische, zu denen auch die Haie gehören, und die Knochenfische. Die Knorpelfische, also Haie und übrigens auch Rochen, entwickelten dann im Laufe der Zeit sogenannte Haut-Zähne. Diese Art der Haut ist mit feinem Sandpapier vergleichbar und sorgt für einen geringeren Strömungswiderstand. So entstehen beim Schwimmen – im Vergleich zu den Knochenfischen, welche Schuppen haben – nicht ein großer, sondern viele kleine Wirbel. Somit ermöglichen die Hautzähne den Knorpelfischen höhere Geschwindigkeiten beim Jagen. Im Laufe der Zeit entwickelten sich dann in der Klasse der Knorpelfische die zumeist flacheren Grundhaie, die Freiwasserhaie sowie die Rochen.

Mehrere Modelle in Originalgröße sind in der Ausstellung zu sehen. Dieser Blauhai ist besonders eindrucksvoll. Aber auch manche Fossilien sind durchaus sehenswert.
Mehrere Modelle in Originalgröße sind in der Ausstellung zu sehen. Dieser Blauhai ist besonders eindrucksvoll. Aber auch manche Fossilien sind durchaus sehenswert. © Marvin Pögelt

Diese und ähnliche Informationen konnten aus Fossil-Funden gewonnen werden, die auch in der Ausstellung zu sehen. Was aus den Funden dann aber in Modellen gemacht werde, entspreche oft der „Fantasie der Paläontologen“, sagt Bodo Plesky, ein Umweltpädagoge, der die Ausstellung in Kamenz betreut. So müssten oft Annahmen getroffen werden. Zurück in der Geschichte wird deutlich, dass Klima, Beutevorkommen oder auch der Lebensraum für Überstehen und Vergehen in der Evolution von äußerster Bedeutung sind. So überlebte beispielsweise die Art der Seekatzen, natürlich in veränderter Weise, bis heute. Im Gegensatz dazu starben jedoch auch viele Haiarten aus. „Durchschnittlich gesehen überlebt eine Art übrigens rund fünf Millionen Jahre“, sagt Bodo Plesky.

Zum Ende der Kreidezeit, also vor ungefähr 65 Millionen Jahren, als die Dinosaurier ausstarben, nahmen die Haie in den Meeren ihren Platz ein. Durch ein reichhaltiges Vorkommen an Nahrung konnten sie sich sehr gut entwickeln. So wuchs der Megalodon bis auf maximal 20 Meter heran. Er starb erst vor 2- bis 3000 Jahren aus.

Mensch zählt nicht zum Beuteschema

Heute existieren noch über 500 Haiarten weltweit. Dass diese jedoch nicht so gefährlich wie zumeist angenommen sind, zeigen die Statistiken. So ist die Anzahl der tödlichen Unfälle, die durch Haie verursacht werden, statistisch gesehen fast irrelevant. Und auch bei anderen Angriffen liegt die Schuld oft beim Menschen. Grundsätzlich gilt auf jeden Fall: Der Mensch zählt nicht zum Beuteschema des Haies.

Und damit endet die kleine Reise durch die Geschichte der Haie. Im Museum der Westlausitz ist die Ausstellung noch bis zum 17. November, Dienstag bis Sonntag, von 10 bis 18 Uhr, zu betrachten. Der Eintritt kostet fünf Euro pro Person. Ermäßigt kostet der Eintritt 2,50 Euro und Familien zahlen zehn Euro. (SZ)

Noch ein Ferientipp zum Schluss: Am Dienstag, dem 13. August, hält der Geologe Prof. Dr. Jörg Schneider um 19 Uhr einen Vortrag über die Geschichte der Haie. Der Eintritt wird 3,50 Euro kosten. Ermäßigte können sich den Vortrag des Geologen aus Freiberg für zwei Euro anhören.

Mehr zum Thema Kamenz