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Döbeln

Harthas Bürgermeister darf jetzt trauen

Nach einem Lehrgang kann Ronald Kunze die Zeremonie leiten. Ihm ist aber nicht alles rund um die Hochzeit erlaubt.

Nur für das Foto sitzen Harthas Bürgermeister Ronald Kunze und Standesbeamtin Sylvia Richter gemeinsam an dem Tisch, an dem die Trauungen vollzogen werden. Seit wenigen Tagen darf Ronald Kunze die Zeremonie allein leiten.
Nur für das Foto sitzen Harthas Bürgermeister Ronald Kunze und Standesbeamtin Sylvia Richter gemeinsam an dem Tisch, an dem die Trauungen vollzogen werden. Seit wenigen Tagen darf Ronald Kunze die Zeremonie allein leiten. © Dietmar Thomas

Hartha. Sie sei jetzt seine Chefin, meint Bürgermeister Ronald Kunze (parteilos) schmunzelnd, als er Standesbeamtin Sylvia Richter begrüßt. Doch die winkt ab. Gemeint war das auch nur im übertragenen Sinn.

Seit Oktober vergangenen Jahres dürfen auch Bürgermeister Trauungen heiratswilliger Paare vornehmen. Vorausgesetzt, die Stadtoberhäupter haben einen entsprechenden Lehrgang im osthessischen Bad Salzschlirf absolviert. Dort befindet sich die einzige Akademie für Personenstandswesen Deutschlands.

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Die hat auch Harthas Bürgermeister besucht und ist somit nun im „Nebenberuf“ Eheschließungsstandesbeamter. „Wir sind eine kleine Verwaltung, in der wir fachübergreifend arbeiten. Zudem muss Sylvia Richter auch andere Aufgaben wahrnehmen oder hat auch mal Urlaub“, erklärt Ronald Kunze, weshalb er den dreitägigen Lehrgang absolviert hat. Während diesem ging es unter anderem um Namensrecht und das Ehestandswesen, den Aufbau einer Rede und den Ablauf einer Trauung.

Die darf der Bürgermeister nun für Paare, die in Hartha oder den Ortsteilen wohnen, leiten. Zu seinen Aufgaben gehören dabei auch alle Beurkundungen, die im Zusammenhang mit der Eheschließung stehen und die Erstausstellung der Eheurkunde. 

Damit sind seine Befugnisse aber begrenzt. „Er darf keine Noteheschließungen vornehmen, zum Beispiel kurz bevor jemand verstirbt, und auch keine Beurkundung im elektronischen Register“, erklärt Sylvia Richter, die seit vier Jahren die Harthaer vermählt.

Bis zu 30 Hochzeiten pro Jahr

Der Standesbeamtin obliegt auch weiterhin die fachliche Vor- und Nachbereitung der Trauungen. Dazu gehören die Anmeldung der Eheschließung, die Klärung des Familiennamens und die sogenannte Anschlusserklärung. 

Das heißt, wenn ein Elternteil ein Kind mit in die Ehe bringt, muss geregelt werden, ob sich das Kind dem gemeinsamen neuen Ehenamen anschließt. Stammt ein künftiger Ehepartner nicht aus Deutschland müssen zusätzliche Formalitäten erledigt werden. „Ich kümmere mich außerdem um die Vorbereitung der Eheurkunde und der Zeremonie“, so Sylvia Richter.

Seit längerer Zeit werden in Hartha pro Jahr 25 bis 30 Ehen geschlossen. Für 2019 stehen bereits 23 im Kalender von Sylvia Richter, die nächsten beiden für Sonnabend. Dann wird der moderne Ratssaal wieder zum Trausaal.

„Jedes Paar ist anders“, meint die Standesbeamtin und fügt hinzu: „Deren Anhang auch.“ Neben ganz normalen Hochzeitsgesellschaften hat sie auch schon zwei gegensätzliche Extreme erlebt: Ein Paar, das nur die beiden Trauzeugen zur Zeremonie mitgebracht hat, und ein Paar, bei dem Trauzeugen und Gäste noch zusätzliche Stühle mit in den Saal holen mussten. Die 50 bereits aufgestellten haben nicht gereicht.

Bis auf Tauben, die nach der Zeremonie aufgelassen werden, gehören Tiere eher selten zur Gesellschaft. Die Ausnahme machte ein Hund, der dem Paar die Eheringe brachte. Auch bei den Fahrzeugen, mit denen die Paare zur Trauung vorfahren, gibt es eine große Bandbreite. Sie reicht vom Cabrio über die Kutsche bis zum Traktor.

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