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Was der Bahntunnel für Heidenau bedeutet

Die Bahn will eine neue Strecke zwischen Dresden und Prag bauen. Dafür gibt es jetzt eine erste grobe Entscheidung. Doch auch sie hat schon Konsequenzen.

Rechts und links der Gleise in Großsedlitz ist nicht mehr viel Platz und doch sollen hier zusätzliche Gleise und der Bereich vor dem Tunneleingang mit dem Überholbahnhof gebaut werden.
Rechts und links der Gleise in Großsedlitz ist nicht mehr viel Platz und doch sollen hier zusätzliche Gleise und der Bereich vor dem Tunneleingang mit dem Überholbahnhof gebaut werden. © Karl-Ludwig Oberthuer

Die anderen können Sekt trinken, sagt Heidenaus Bürgermeister Jürgen Opitz (CDU). "Und Heidenau bezahlt den Preis für die Ruhe der anderen." Seit Freitag ist das Bahn-Vorhaben Strecke Dresden-Prag ein Stück weiter. 

Als erste große Etappe wurde das Raumordnungsverfahren abgeschlossen. Es klingt sehr bürokratisch und hat doch weitreichende Folgen. Die Landesdirektion hatte sieben eingereichte Varianten zu untersuchen. Davon sind vier übrig geblieben. Drei sehen einen unterschiedlich langen Volltunnel vor, bei einer Variante verläuft die Strecke teilweise oberirdisch. Die Variante zu finden, die dann irgendwann wirklich gebaut wird, ist nun Gegenstand der nächsten Etappe. Klar ist aber, dass bei 3:1 für den Volltunnel ein solcher sehr wahrscheinlich ist, zumal er auch schon der erklärte Favorit der Bahn ist.

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Stilles Heidenau

Dieses klare Votum überrascht Opitz. Doch so lange die teilweise oberirdisch verlaufende Variante noch im Spiel sei, habe Heidenau noch nicht verloren, sondern nur noch nicht gewonnen. Das ist die optimistische Interpretation. Die pessimistische: Der Tunnel wird eine wahnsinnige Belastung für die Heidenauer. 

Während sich in Dohma eine sehr rührige  Bürgerinitiative "Basistunnel nach Prag" gründete, blieb es in Heidenau still. Das Interesse an einer Informationsveranstaltung der Bahn in Heidenau hielt sich in Grenzen. Die Dohmaer hingegen gaben sich mit ihrem Gegen den Überholbahnhof bei ihnen nicht zufrieden, sondern erarbeiteten akribische eigene Varianten, die in die nun weiter zu bearbeitenden einflossen. 

Die Auswirkungen auf Heidenau

  • Platz: Viele Wohnhäuser, das Reifenwerk, Entsorger Kühl, die Susa GmbH: Sie alle liegen direkt an der Bahnstrecke. Werden durch Heidenau mindestens zwei zusätzliche Gleise verlegt, ist die Frage wo.
  • Grundstücke: Was die Stadt schon jetzt merkt, werden Grundstückseigentümer in der Nähe der Bahngleise bald auch merken. Keiner will ihre Grundstücke kaufen und wenn, dann nur zu einem Spottpreis. Die Stadt Heidenau versucht seit Jahren beispielsweise den Niederhof zu verkaufen.  Der Grundstücksverkehr wird zum Ruhen kommen, prophezeit Opitz.
  • Baustelle: Wird der Tunnel gebaut, ist die Baustelle vorher viel größer als dann der Tunnel und Eingangsbereich mit Überholbahnhof. Dann erfolgt zum Beispiel auch die Fertigung der Tunnelsegmente vor Ort. Und die Baustelle ist nicht nach ein paar Monaten wieder verschwunden, sondern kann Jahre dauern. 

Der Zeitplan ist die große Variable. Bis 2024 will die Bahn die Vorplanungen abgeschlossen haben. Das hat sie noch weitgehend in der Hand. Was danach kommt, nicht mehr. Das ist das Planfeststellungsverfahren. Es ist ein besonderes Verwaltungsverfahren, es kann Jahre dauern und es kann in dieser Zeit viel passieren. Zum Beispiel bei den Grundstücken. Wenn jemand nicht verkaufen will, kann das bis zu Enteignungen gehen. Das ist zwar der letzte Schritt, aber eben auch nicht ausgeschlossen. 

Grundlage dafür ist der Beschluss zum Planfeststellungsbeschluss. Da  sich das Grundstückseigentümer in der Regel nicht so ohne Weiteres gefallen lassen, geht unter Umständen weitere Zeit ins Land. Das Planfeststellungsverfahren wird bei bedeutsamen und einschneidenden Vorhaben wie eben Straßen, Flughäfen und Eisenbahntrassen durchgeführt. Es soll die Auswirkungen auf Lärm, Umwelt und Kosten  sowie weitere öffentliche und private Belange untersuchen und abwägen.

Mehr Gleise, mehr Lärm, mehr Schutz

Auch wenn es jetzt vier Varianten gibt, muss es am Ende nicht eine konkrete sein. Es kann auch eine Kombination aus verschiedenen sein. Was jetzt feststeht, sind erst einmal ganz grobe Korridore. Vergleichbar mit einem Flächennutzungsplan, der festlegt, wo konkret etwas machbar ist. Im nächsten Schritt, vergleichbar mit dem Bebauungsplan, wird auf Grundstücke konkret geplant. 

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Ab 2024 soll auch der Lärmschutz an der bestehenden Strecke gebaut werden. Umso mehr Gleise umso mehr Lärm umso mehr Lärmschutz. Da die Bahnstrecke in Heidenau etwas erhöht liegt, wird der Schutz - egal ob als Wände oder einer Art Tunnel - weithin sichtbar sein. "Es wird noch richtig spannend", sagt Opitz.

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