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Heilige für Generation Smartphone

Die Burg Mildenstein in Leisnig hat ihre Sammlung sakraler Skulpturen aufgepeppt. Dabei spielen auch Emojis und Comics eine Rolle.

In der Dauerausstellung „Himmlische Helden“ im Aktengewölbe der Burg Mildenstein zeigt Museologin Claudia Fischer eine Platte mit dem kompletten Auferstehungsengel. Im Original (rechts oben) ist er nicht mehr vollständig.
In der Dauerausstellung „Himmlische Helden“ im Aktengewölbe der Burg Mildenstein zeigt Museologin Claudia Fischer eine Platte mit dem kompletten Auferstehungsengel. Im Original (rechts oben) ist er nicht mehr vollständig. © Dietmar Thomas

Leisnig. Die Dauerausstellung mit sakralen Skulpturen gibt es auf der Burg Mildenstein bereits seit 20 Jahren. Aber Kinder und Jugendliche verlaufen sich nur selten in die Aktenkapelle. Das wollte das Burgteam ändern. Aber wie?

Seit Mitte des 19. Jahrhunderts werden mittelalterliche Skulpturen, die in Kirchen oder auf Dachböden gefunden wurden, gesammelt und in Museen ausgestellt. Viele Stücke auf Mildenstein stammen aus dem 15. Jahrhundert. „Aber es sind alles Fragmente. Sie dem Publikum nahe zu bringen, ist schwierig“, sagt Dr. Simona Schellenberg, wissenschaftliche Mitarbeiterin bei den Staatlichen Schlössern, Burgen und Gärten Sachsens.

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Comic-Zeichner ins Boot geholt

Deshalb habe sich das Team die Frage gestellt: Was interessiert junge Menschen? Die Antwort: Personen mit übermenschlichen Kräften, die sich für das Wohl anderer einsetzen. Also Superhelden. 

Aber waren mittelalterliche Heilige Helden? Diese Frage hat das Team mit ja beantwortet und die Dauerausstellung auf eine ganz besondere Weise ergänzt. Sie läuft jetzt unter dem Titel „Himmlische Helden“.

Um diese in ihrer ursprünglichen Form darzustellen, hat sich das Burg-Team den Dresdner Comic-Zeichner Ivo Kircheis ins Boot geholt. Der hat bereits das Ritterwimmelbild im Herrenhaus gestaltet. Wimmelbilder für Erwachsene sind derzeit sein Hauptarbeitsfeld. 

Die zeichnet er für Firmen oder Rehakliniken. Comics an sich seien derzeit nicht so gefragt. „Aber auch in den Wimmelbildern kann man Geschichten erzählen“, meint Kircheis.

Plötzlich hat der Engel Flügel

Mit Heiligen habe er sich zuvor noch nicht beschäftigt. „Das ist eine andere Thematik. In die musste ich mich erst hineindenken“, sagt er bei der Ausstellungseröffnung. Dort hat er die Skulpturen auch zum ersten Mal im Original gesehen. „Am meisten haben mich die Größenverhältnisse überrascht“, so Kircheis.

Als Vorlage für seine Arbeit haben ihm ausschließlich Fotos gedient. Bei den dort abgebildeten Figuren sollte Ivo Kircheis die fehlenden Details zeichnerisch ergänzen. So scheint der 350 Jahre alte Auferstehungsengel auf den ersten Blick komplett zu sein. 

Bei näherem Hinsehen fallen aber die vorgestreckten Arme und die „aufgeblasenen“ Wangen auf. Früher hielt der Engel eine Posaune in den Händen. Aber nicht nur die fehlt, auch die Flügel. Bei der Maria sind der Strahlenkranz und das Zepter abhandengekommen und dem Heiligen Petrus fehlt das Schwert.

All das hat Ivo Kircheis ergänzt und die kompletten Figuren auf einzelne Platten gezeichnet, die die Größe und Festigkeit eines Frühstücksbrettchens haben. Darauf stehen auch Erklärungen zu den Skulpturen und deren Bedeutung. Die Platten sind in einem Regal aufgereiht, herausnehmbar und abwischbar.

Whatsappen mit Frieder Burg

Für diejenigen, die keine Lust zum Lesen haben, wurde in der Mitte des Raumes ein Spiel installiert. Es ist dem Ratespiel „Wer bin ich?“ nachempfunden. Mit diesem, einem Begleitheft im Comic-Stil und an einer Medienstation werden Kinder und Jugendliche spielerisch über Engel, Apostel und Co. informiert.

An der Medienwand kann sich die Generation Smartphone in einem „Whatsapp-Chat“ mit Frieder Berg, dem Maskottchen der Burg Mildenstein unterhalten. Frieder Berg fordert den Gast auf, „anhand von mehreren Emojis eine von drei im Raum befindlichen Skulpturen zu identifizieren“, erklärt Museologin Claudia Fischer. „Wer alle fünf Spiele richtig löst, kann sich an der Kasse eine Belohnung abholen.“

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