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Hier gibt es künftig einen guten Tropfen

Die Sanierung des Alten Bahnhofes in Pirna ist fast abgeschlossen. Im Februar ziehen die ersten Mieter ein.

Der Alte Bahnhof in der Pirnaer Altstadt wurde komplett saniert.
Der Alte Bahnhof in der Pirnaer Altstadt wurde komplett saniert. © Foto: Norbert Millauer

Endspurt am Alten Bahnhof in der Pirnaer Altstadt. Die ersten Mieter ziehen Anfang Februar ein. Das bestätigt Eigentümer und Bauherr Michael Hänel. Im Erdgeschoss bietet künftig ein Frisörladen seine Dienste an, außerdem zieht die Pirnaer Weinhandlung Barrique in die Räume ein. Sie befand sich bisher an der Siegfried-Rädel-Straße.

Für den Mittelteil gibt es zwar noch keinen konkreten Mieter, aber Interessenten, mit denen Hänel bereits Gespräche führt. Angedacht ist, dass hier ein Café einzieht. Die obere Etage des Bahnhofes wird als Bürofläche genutzt. Auch für diese Einheit gibt es Interessenten. Im Außenbereich entstehen 30 Parkplätze, die ausschließlich den Mietern bzw. Gäste und Besuchern zur Verfügung stehen. Damit Unbefugte hier nicht parken, wird Hänel noch eine Schrankenanlage einbauen lassen.

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Die aufwendige Sanierung kostet rund 1,6 Millionen Euro, von der Stadt gibt es einen maximalen Zuschuss von 858 000 Euro aus Städtebaufördermitteln, weil das Gebäude im eigens dafür eingerichteten Fördergebiet „Alter Bahnhof“ liegt (SZ berichtete). Um die Lärmbelästigung durch die in nur sechs Metern vorbeifahrenden Züge möglichst gering zu halten, wurde ein erhöhter Schallschutz in die Fenster zur Schienenseite eingebaut.

Bei den Arbeiten fanden Fachleute im Hauptteil historische Wandzeichnungen. Ein Bild deutet auf das frühere Bahnhofslokal hin.
Bei den Arbeiten fanden Fachleute im Hauptteil historische Wandzeichnungen. Ein Bild deutet auf das frühere Bahnhofslokal hin. © Foto: Norbert Millauer

Bei den Sanierungsarbeiten entdeckten die Fachleute übrigens eine kleine Sensation. Im Hauptgebäude stießen sie auf sechs nur schwach erkennbare Malereien über den Seitentüren. Dabei handelt es sich um sogenannte Supraporten. Ein Bild zeigt andeutungsweise die historische Dampflok Saxonia. Gegenüber ist der Schriftzug Restauration zu erkennen. „Ganz offensichtlich befand sich in diesem Raum früher einmal das Bahnhofslokal“, meint Hänel. Aber es gibt auch illusionistische Malereien, die bei den Sanierungsarbeiten freigelegt wurden. Die Zeichnungen wurden unter Auflagen des Denkmalschutzes restauriert. Wer sich hier also künftig seine Haare waschen, legen, schneiden lässt, muss sich nicht langweilen, sondern kann die historischen Zeichnungen bewundern.

Bereits 2015 hat Michael Hänel das Gebäude von der Privatbrauerei Schmees-Besgen GmbH erworben. Die Geschäftsführung hatte ursprünglich den Plan, unter anderem eine Whiskeybrennerei in dem altehrwürdigen Haus zu eröffnen. Doch das Projekt zerschlug sich.

Juli 1848 wurde der Alte Bahnhof im Zuge der Eröffnung der Sächsisch-Böhmischen Eisenbahn eingeweiht.

Von 1872 bis 1875 entstand eine zweite Eisenbahnstrecke, die von Pirna nach Kamenz führte. Infolgedessen wurde ein neuer Bahnhof westlich der Stadtbrücke gebaut. Der Alte Bahnhof wurde im Oktober 1875 stillgelegt.

1945 wurde bei der Bombardierung der Pirnaer Elbbrücke das Gebäude teilweise zerstört. Bis 1998 war in dem Haus die Bahnmeisterei untergebracht, gleichzeitig wurde es für Wohnzwecke genutzt. (hui)

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Trotz der Förderung musste Investor Michael Hänel eine Menge Geld in die Hand nehmen, um den Alten Bahnhof sanieren zu lassen. Eine Entscheidung, die er nicht bereut. „Die Lage ist zentral und hochwassersicher. Außerdem gibt es ausreichend Parkplätze auf dem Gelände“, zählt er die Vorteile des Objektes auf.

Überhaupt stößt das Gebäude, das über 20 Jahre leer stand, auf Interesse. Zu Beginn der Bauarbeiten kamen öfters Pirnaer Bürger vorbei, die früher hier gewohnt hatten und sich das Haus noch mal angucken wollten. „Jetzt interessieren sich viele dafür, wie es nach der Sanierung aussieht“, sagt Michael Hänel.