merken
PLUS Großenhain

"Hinschmeißen stand nie zur Debatte"

Andrea Dreßler, Inhaberin von "Meyers Gaststätte" in Großenhain, sorgte während des Corona-Lockdowns für ein Gerücht. An dem ist aber nichts dran. Im Gegenteil.

Andrea Dreßler hat ihr Lächeln trotz Corona nicht verloren. Das Bestellbuch in "Meyers Gaststätte" auf dem Großenhainer Katharinenplatz füllt sich wieder.
Andrea Dreßler hat ihr Lächeln trotz Corona nicht verloren. Das Bestellbuch in "Meyers Gaststätte" auf dem Großenhainer Katharinenplatz füllt sich wieder. © Kristin Richter

Die Rosensträucher brauchen in diesen Tagen sehr viel Wasser. Auch die anderen Blümchen am Biergarten versorgt Andrea Dreßler permanent mit dem kühlen Nass. Die Sonnenschirme sind aufgespannt. Alles ist fertig, damit sich am Abend die Besucher von "Meyers Gaststätte" am Großenhainer Katharinenplatz wohlfühlen können. Andrea Dreßler ist die Inhaberin und wirkt entspannt. Ihr Lächeln hat sie nicht verloren. Dabei liegt ein bewegtes Vierteljahr hinter der engagierten Wirtin. Denn Covid-19 und seine Folgeerscheinungen machten auch um die Traditionsgaststätte keinen Bogen. Quasi von einem Tag zum anderen musste sie schließen, komplett auf Null herunterfahren.

Doch jammern ist nicht das Ding von Andrea Dreßler. Alternativen, wie ein Außer-Haus-Verkauf oder Lieferservice, standen für sie nicht zur Debatte. "Da gab es bereits genug andere, die das gemacht haben", sagt sie. Stattdessen begannen Bauarbeiten in "Meyers Gaststätte". Fußböden wurden erneuert, Wände abgehackt und neu verputzt. "Das war eh für dieses Jahr geplant. Wir haben das einfach nur zeitlich vorgezogen", sagt die Inhaberin. Glück dabei: Trotz der Kurzfristigkeit konnten die entsprechenden Baufirmen gefunden und gebunden werden.

Anzeige
Eine Pflegeimmobilie als Kapitalanlage
Eine Pflegeimmobilie als Kapitalanlage

In Hainichen kann ab sofort sicher, sorglos und sozial wertvoll Geld angelegt werden.

Doch "im Baustaub zu stehen" und zuzuschauen, das reichte Andrea Dreßler nicht aus. "Weil es langweilig war, habe ich in dieser Zeit bei Lidl gearbeitet", sagt sie und muss schmunzeln. Das habe ihr auf jeden Fall viel Spaß gemacht. Auf der anderen Seite sorgte der Schritt für Gerüchte in der Stadt, dass "Meyers Gaststätte" pleite sei und auch nach Aufhebung der Schließung nicht wieder öffnen würde.

Das Gegenteil ist der Fall. Pünktlich zu Himmelfahrt war Andrea Dreßler mit ihren Mitstreitern wieder zur Stelle, um trockene Kehlen und leere Mägen zu "heilen". Freilich unter den besonderen Bedingungen von Abstands- und Hygienevorschriften. "Wir haben ein paar Tische aus der Gaststube rausgeschoben", erklärt die Chefin das Prozedere. Im Biergarten stehen in der Regel statt sechs eben nur vier Stühle. In etwa die Hälfte der normalen Kapazität fällt momentan weg. Umsatzeinbußen, die Andrea Dreßler zahlenmäßig nicht beziffert. Aber die Entwicklung lässt sie zuversichtlich in die Zukunft blicken. Familienfeiern, die in der Corona-Zeit stattfinden sollten, werden jetzt zum Teil in ihrer Gaststätte nachgeholt. "Die Leute sind dankbar, dass wir ihnen Ausweichtermine anbieten", sagt Andrea Dreßler. Der Kalender mit Vorbestellungen fülle sich wieder. Klassentreffen, Geburtstage, Ehejubiläen werden wieder bei "Meyers" gefeiert. Auch Anfragen für die auf den Herbst verschobenen Jugendweihen gibt es. Wie allen Gastronomen bereitet dies aber auch Andrea Dreßler ein paar Kopfschmerzen. Denn der Herbst und Winter sind normalerweise ja anderen Festivitäten vorbehalten - Weihnachts- und Jahresabschlussfeiern zum Beispiel. 

Noch sind die Öffnungszeiten in "Meyers Gaststätte" etwas verkürzt: von Donnerstag bis Sonnabend ab 18 Uhr, sonntags ab 11 Uhr. Der zeitliche Aufwand ist indes weit größer für das Personal. Ständig müssen Tische, Stühle, Türklinken sanitäre Einrichtungen gereinigt und desinfiziert werden. Dafür muss die Inhaberin stetig erweiterte Protokolle führen. Die entsprechenden Hygienebestimmungen hatte sich Andrea Dreßler kurz vor der Wiedereröffnung aus dem Internet geholt. Manches habe sie als "schwammig" empfunden. Und die Pflicht des Tragens eines Mund-Nasenschutzes für das Servicepersonal sei schon eine Herausforderung - für die Bedienung, aber auch die Gäste. "Vor allem ältere Leute haben damit so ihre Probleme", hat Andrea Dreßler beobachtet. Weil durch die Masken der Kontakt zum Kunden ein bisschen verlorengehe. Nur aus den Augen des Kellners oder der Kellnerin könne man nicht unbedingt das Lächeln erkennen. "Die Masken sind schon unangenehm. Und jetzt wird es ja auch noch warm", sagt die Wirtin.

Dennoch: "Meyers Gaststätte" stellt sich der Herausforderung. "Hinschmeißen stand zu keiner Zeit zur Debatte", macht Andrea Dreßler klar. So war es schon 2002, als der Euro Einzug hielt und bei den Gastronomen für ein "tiefes Tal" sorgte. Oder auch 2009, als die Nichtraucherbestimmungen wirksam wurden, die für erhebliche Umsatzeinbußen sorgten. 

"Ich bin doch hier groß geworden", sagt Andrea Dreßler. Vor 19 Jahren bekam sie "Meyers Gaststätte" von ihren Eltern übertragen. Die Verantwortung ist groß, denn es gilt, Traditionen und einen guten Ruf zu bewahren, denn seit 1899 befindet sich das Wirtshaus schon in Familienbesitz. Vor reichlich 120 Jahren übernahm der Ur-Urgroßvater der jetzigen Chefin das Haus, das vermutlich vorher auch schon als Gaststätte gedient hatte. Sie war 2003  die erste, die in Großenhain einen Sonntagsbrunch anbot. Bekannt sind "Meyers" aber vor allem durch die gute Küche. Deutsche Gerichte stehen im Vordergrund. Dabei verarbeitet die gelernte Köchin am liebsten regionale Produkte. "Die Anbieter sind dankbar, dass wir wieder geöffnet haben", sagt Andrea Dreßler. Denn vor allem kleine Betriebe seien von der Corona-Zeit ebenso hart getroffen worden.

Bis zu 100 Gäste dürfen nach den jüngsten Lockerungen wieder bewirtet werden. Eine solche Größenordnung kommt in "Meyers Gaststätte" räumlich zwar nicht in Frage. Doch Andrea Dreßler freut sich darüber natürlich. Für diesen Sonnabend lädt sie zur Cocktailparty ein - "die hoffentlich draußen im Biergarten möglich ist". Sohn Christoph wird dann wieder die legendären Mixgetränke kreieren - mit und ohne Alkohol. Interessenten sollten sich besser vorher anmelden, denn erfahrungsgemäß ist der Zuspruch groß.

Und noch etwas: Andrea Dreßler bietet auch einen hervorragenden Partyservice an. Bis zu 100 Personen können da verköstigt werden. Gerade für die oben genannte Häufung von Festivitäten im Herbst könnte der Bedarf da sehr groß sein. Andrea Dreßlers Empfehlung ist daher, auch hier rechtzeitig anzufragen.

Mehr zum Thema Großenhain