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"Ich traue mir das zu"

Wie schon vor sieben Jahren tritt Bauamtsleiter Dirk Zschoke zur Bürgermeisterwahl in Stauchitz an. Diesmal rechnet er sich gute Chancen aus.

Der 53-jährige Dirk Zschoke tritt am 20. September zur Bürgermeisterwahl in Stauchitz an.
Der 53-jährige Dirk Zschoke tritt am 20. September zur Bürgermeisterwahl in Stauchitz an. © Sebastian Schultz

Stauchitz. Am 20. September wird in Stauchitz ein neuer Bürgermeister gewählt. Die SZ stellt die sieben Kandidaten vor, die sich um die Nachfolge von Amtsinhaber Frank Seifert (parteilos) bewerben. Der 53-jährige Bauamtsleiter Dirk Zschoke tritt wie vor fünf Jahren zur Wahl an. Der fünffache Vater ist verheiratet, wohnt in Seerhausen und ist von Beruf Verwaltungsfachwirt. 

Herr Zschoke, welches sind Ihr Beweggründe, erneut für das Amt des Stauchitzer Bürgermeisters zu kandidieren?

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Ich möchte, dass unsere Gemeinde zu alter Stärke zurückfindet. Wir haben Nachholbedarf was Investitionen und das Beantragen von Fördermitteln betrifft. Ich traue mir das zu, deshalb bewerbe ich mich. Zuvor habe ich lange mit meiner Familie darüber gesprochen. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass jemand, der zu einer Wahl antritt, auch verlieren kann.

Welche kommunalpolitischen Erfahrungen können Sie einbringen?

Seit 20 Jahren arbeite ich in der Stauchitzer Gemeindeverwaltung, bin seit 2002  Bauamtsleiter. Zudem gehöre ich dem  Bundesausschuss für Soziales und dem sächsischen Fachausschuss für Wirtschaft und Innovation an, habe ein großes Netzwerk und viele Ansprechpartner. Diese Verbindungen will ich nutzen,  um die Gemeinde voranzubringen. 

Welche vordringlichen Aufgaben müssen Ihrer Meinung nach in der Gemeinde gelöst werden?

Der Breitbandausbau ist eine Riesenaufgabe, die schon im Gange ist. Ich möchte, dass alle Orte an das Glasfasernetz angeschlossen werden. Das ist bei uns noch nicht der Fall. Von 1.400 Haushalten werden rund 360 mit Fördermitteln angeschlossen, weitere 400, wenn sie an der Strecke liegen. Die anderen haben jetzt schon Kupferleitungen mit einer Leistung von 30 Mbit. Damit gelten sie derzeit als ausreichend versorgt. Doch in der Zukunft wird das nicht mehr genügen. Auch in der Verwaltung müssen wir mit der Digitalisierung vorankommen. Es ist unfassbar, wie viel Papier wir hier immer noch verbrauchen. 

Welche Ziele würden sie als Erstes verwirklichen wollen, wenn Sie gewählt würden?

Wir müssen in der Grundschule in Ragewitz ein neues Hortgebäude bauen. Jetzt haben wir in der Schule acht Klassen, aber nur sieben Räume und einen Werkraum. Hortkinder werden teilweise im Speiseraum untergebracht. Das muss sich ändern. Bei einer Förderung von 40 Prozent ist das aber nicht zu machen, die Gemeinde kann keinen Eigenanteil von 60 Prozent leisten.  Ich habe jetzt eine Förderung von 75 bis 80 Prozent im Auge. Das wäre realistisch.

Was halten Sie davon, in Stauchitz eine neue Kindereinrichtung zu bauen und im Gegenzug die beiden jetzigen in Staucha und Stauchitz zu schließen?

Gar nichts. Das ist mit Kosten von deutlich mehr als vier Millionen Euro nicht zu stemmen, ein Neubau ist schlicht zu teuer, der scheidet für mich aus. Es gibt jetzt eine Studie, nach der eine der beiden Einrichtungen bestehen bleiben und mit Fördermitteln saniert werden soll, die andere hingegen geschlossen wird.

Hat die kleine Gemeinde Stauchitz langfristig eine Überlebenschance oder streben Sie eine Fusion an? Wenn ja, mit wem?

Stauchitz ist gar nicht so klein, sondern hat eine Fläche halb so groß wie Riesa. Von dort gibt es Begehrlichkeiten, doch ich sage es ganz deutlich: Mit mir wird es keine Fusion mit wem auch immer geben. Wir stehen ganz gut da, es ist  auch eine Frage der Bürgernähe. Zudem gibt es keine gesetzliche Verpflichtung mehr zu fusionieren, wenn wir mal unter 3.000 Einwohner rutschen sollten. Aus meiner Sicht gibt es nicht den geringsten Grund, auf Nachbargemeinden zu schielen.

Aber eine Zusammenarbeit wie mit Hirschstein beim Bau eines gemeinsamen Feuerwehrhauses können Sie sich vorstellen?

Natürlich, das ist eine ganz andere Sache. Wir müssen allerdings auch für unsere anderen drei Feuerwehren in Staucha, Stauchitz und Bloßwitz etwas tun. Gespräche über die Zukunft der drei Standorte sollen aber nicht nur in der Verwaltung geführt werden, sondern vor allem mit den Kameraden. Diese  Gespräche sollten ergebnisoffen geführt werden, letztlich sollten die Feuerwehrleute das entscheidende Wort haben.

Wie wollen Sie die zwei Lager in der Gemeindeverwaltung einen?

Ich spreche in der Öffentlichkeit nicht über interne Probleme, denke aber, dass wir, seit wir eine neue Kämmerin haben,  auf einem guten Weg sind, wieder eine Mannschaft zu werden, die an einem Strang zieht. Personalführung gehört auch zum Bürgermeisteramt dazu. Ich denke, dass ich das hinkriege.

Glauben sie, dass in absehbarer Zeit die B 169 weitergebaut wird und damit die Orte entlastet werden, durch die sich die Straße jetzt schlängelt? 

Ich bin ja direkt betroffen, wohne an der alten Straße, wünsche mir sehr, dass  eine Umgehung gebaut wird. Realistisch betrachtet ist die Chance, dass die Straße weitergebaut wird, jedoch gering und wird nicht besser, je mehr Zeit vergeht. Mittlerweile fließt viel Verkehr in Richtung Oschatz ab, die Umweltauflagen werden immer schärfer. Außerdem brauchten wir jemanden in Dresden, der sich im Landtag für den Weiterbau energisch einsetzt. Da sehe ich aber niemanden. 

Wie kann es gelingen, junge Leute in die Gemeinde zu bringen?

Sinkende Geburtenraten müssen wir durch Zuzüge ausgleichen. Es ist aber illusorisch zu glauben, dass die Einwohnerzahl ansteigt. Ich bin froh, dass wir seit Jahren die Zahl von rund 3.100 Stauchitzern halten können. In einem Jahr haben  wir in Bloßwitz sieben Baugrundstücke mit Glasfaseranschluss verkauft. Gerade für junge Leute ist das ein wichtiges Kriterium.  Ansonsten sind wir mit Kindereinrichtungen, Grundschule, Oberschule, zwei Allgemeinärzten und einem Zahnarzt, guten Verkehrsanbindungen und Einkaufsmöglichkeiten für den ländlichen Raum gut aufgestellt und attraktiv auch für junge Leute, die die Ruhe auf dem Land schätzen, dennoch aber keine allzu langen Arbeitswege in Kauf nehmen möchten.   Wir müssen uns aber nic ht nur um die Jungen kümmern.

Sondern?

Wir müssen auch sehen, die älteren Leute in der Gemeinde zu halten, die aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr in der Lage sind, ihr Haus und ihr Grundstück zu bewirtschaften. Sie möchten aber trotzdem in der Gemeinde bleiben , wo sie meist ein Leben lang gewohnt haben. Deshalb brauchen wir altersgerechtes Wohnen. Ich bin dazu mit zwei Investoren  im Gespräch. 

Welche Chancen rechnen sie sich bei der Bürgermeisterwahl aus?

Wenn ich keine Chance sehen würde zu gewinnen, dann wäre ich nicht angetreten. Bei sieben Kandidatinnen und Kandidaten wird es mit Sicherheit einen zweiten Wahlgang geben. Ich denke, dass ich diesen für mich entscheiden kann. Das letzte Mal lag die Wahlbeteiligung bei 75 Prozent. Ich hoffe und wünsche, dass sie diesmal ähnlich hoch und vielleicht sogar noch etwas höher ist. 

Das Gespräch führte Jürgen Müller.

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