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Im Einsatz für Fell und Feder

Hartmut Ebermann aus Friedersdorf hat für seine Verdienste in der Kaninchenzucht eine hohe Ehrung erhalten. Er verrät, wie er Kinder für das Hobby begeistert.

Hartmut Ebermann züchtet seit über 30 Jahren Kaninchen. Für seinen Einsatz für die Zucht erhielt er jetzt den Sächsischen Tierzuchtpreis.
Hartmut Ebermann züchtet seit über 30 Jahren Kaninchen. Für seinen Einsatz für die Zucht erhielt er jetzt den Sächsischen Tierzuchtpreis. © Matthias Weber

Da haben ihn seine Verbandskollegen ganz schön reingelegt - im positiven Sinne. Unter einem Vorwand haben die Kaninchenzüchter vom Landesverband Hartmut Ebermann nach Leipzig zur Messe "Agra", der mitteldeutschen Landwirtschaftsausstellung gelotst. "Der Landesverband hatte dort einen Stand und fragte mich, ob wir mit dem Dürrhennersdorfer Kaninchenmuseum uns da präsentieren wollen", erzählt Ebermann im Nachhinein. Darauf hatte Ebermann Lust, denn das in Deutschland einmalige Museum hat der engagierte Kaninchenzüchter mit aus der Taufe gehoben. 

Auf der Messe dann sollte er aber nicht nur das Museum vorstellen, sondern wurde auch auf die Programm-Bühne gerufen.  Dort bekam er dann von Ministerpräsident Michael Kretschmer den Sächsischen Tierzuchtpreis überreicht. Eine Riesenüberraschung für den Tierfreund. "Ich hatte überhaupt keine Ahnung davon. Das war schon ein bewegender Moment." 

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Zum elften Mal hat das sächsische Ministerium für Umwelt und Landwirtschaft den Tierzuchtpreis verliehen. Die Auszeichnung erhalten Zuchtfreunde, die sich um die Zucht besonders verdient gemacht haben. Dabei werden neben Rassekaninchenzüchtern auch Pferde- und Rinderzüchter geehrt.

Hartmut Ebermann züchtet seit 1987 Kaninchen der Rasse Zwergwidder - zunächst im Schönbacher Züchterverein, nun beim Kleintierzüchterverein Dürrhennersdorf. Dort sind Kaninchen- und Rassegeflügelfreunde vereint - oder "Fell und Feder", wie es Hartmut Ebermann ausdrückt. Seine Zwergwidder erreichten zahlreiche Auszeichnungen, auch auf Bundesebene. Im Dürrhennersdorfer Verein ist er Zuchtwart und hat das Museum zur Rassekaninchenzucht mit aufgebaut. Es wurde vor vier Jahren im alten Gutshof des Ortes eingeweiht. Fast 20 Jahre lang war er zudem Vorsitzender des Löbauer Kreisverbandes der Rassekaninchenzüchter. 

Zur Kaninchenzucht kam der Friedersdorfer durch seinen Großvater, bei dem er aufwuchs. Der Opa war aktiv im Japanerklub Oberlausitz - eine Kaninchenrasse mit besonderer Fellfärbung. Die Leidenschaft des Großvaters hat ihn angesteckt. Seitdem sei die Zucht allerdings zurückgegangen, so Ebermann. Er stellt aber auch eine erfreuliche Entwicklung fest: Es gibt einen Trend zurück zur Kleintierhaltung und sogar zur Selbstversorgung. "Viele haben jetzt wieder ein paar Hühner, die Eier legen." 

Sein Anliegen bei der Zucht ist es, vor allem die alten Rassen zu erhalten. Der Mensch kreiere gern neue Rassen, die alten blieben dabei auf der Strecke, kritisiert er. "Es gibt eine rote Liste mit Rassen, die vom Aussterben bedroht sind", weiß Ebermann. Das sei auch altes Kulturgut, dass es zu erhalten gelte, findet der Friedersdorfer. 

Dabei fehlt es den Züchtern immer öfter am Nachwuchs, der die Arbeit weiterführt. Bei Jugendlichen sei das Hobby nicht so beliebt. "Sie sitzen lieber vorm Computer", beobachtet der 66-Jährige die Entwicklung. Deshalb ist er froh, dass es im Dürrhennersdorfer Verein immerhin drei Jugendliche gibt, die eigene Tiere halten und ausstellen. Hartmut Ebermann betreut den Vereinsnachwuchs, fährt mit den Jugendlichen zu Ausstellungen, gibt ihnen Tipps zur Zucht. 

Er ist zuversichtlich, dass sich immer wieder begeisterte Zuchtfreunde finden. "Schon mein Großvater sagte immer, wenn wir Alten das nicht mehr machen, wird es keine Zucht mehr geben", erinnert sich Hartmut Ebermann. "Aber es gibt ja immer noch Kaninchenzüchter." 

Auch er selbst macht es wie sein Großvater und führt seinen Enkel schon an die Zucht heran. Wann immer der Fünfjährige beim Opa ist, geht's raus zu den Tieren. Bei Ebermanns gibt's nicht nur Kaninchen, sondern auch Zwerghühner und Tauben. "Fell und Feder eben", lacht Ebermann. Bis vor einigen Jahren ging er auch noch selbst zur Jagd und hielt Jagdhunde. Sein Enkel hat auf Opas Grundstück inzwischen sogar schon ein paar eigene Tiere, die er füttern und um die er sich kümmern kann. 

Apropos Fütterung: Hier setzt der erfahrene Züchter auf natürliche Futterzusätze bei seinen Kaninchen. Eine spezielle Kräutermischung, die er selbst anbaut und trocknet, schützt die Tiere beispielsweise vor gefährlichen Darmparasiten. Für die Zukunft  hat sich der Rentner vorgenommen, auf jeden Fall weiter zu züchten. "Seiner" Rasse, den Zwergwiddern, will er dabei treu bleiben. Ein bisschen kürzer treten will der 66-Jährige dennoch. "Ich fahre nicht mehr so weit zu Ausstellungen." 

Viel lieber will er sich dem Kaninchenmuseum widmen. Das erfreut sich großer Beliebtheit unter den Zuchtfreunden und Kaninchenfans. Ganze Reisebusse voller Gäste aus ganz Deutschland kommen deswegen nach Dürrhennersdorf. Und immer wieder bekommen Ebermann und seine Mitstreiter neue Ausstellungsstücke zur Verfügung gestellt. Deshalb soll das Museum nun sogar erweitert und eine Bibliothek mit Fachliteratur eingerichtet werden.

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