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"In Dresden wäre ich nur eine von vielen"

Meißen braucht Hausärzte. So wie Dr. Janine Gerlach. Darum hat sie sich bewusst für die Kleinstadt entschieden.

Dr. Janine Gerlach in ihrer neuen Praxis in der Altstadt: Seit zwei Jahren praktiziert sie schon in Meißen.
Dr. Janine Gerlach in ihrer neuen Praxis in der Altstadt: Seit zwei Jahren praktiziert sie schon in Meißen. © Ingo Severin

Meißen. Sie hat sich bewusst für Meißen und gegen Dresden entschieden. „Dort wäre ich nur eine von vielen gewesen“, erklärt die gebürtige Riesaerin. Dr. Janine Gerlach setzt damit ein Zeichen gegen einen verbreiteten Trend im Freistaat. Besonders auf dem Land und in Kleinstädten gibt es zu wenige Hausärzte. Das stellt die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen (KVS) seit Jahren fest. Daher ist es umso wichtiger, dass gerade junge Ärztinnen wie Dr. Janine Gerlach eine Praxis in einer Kleinstadt wie Meißen eröffnen. Von ihrem Beruf hat die 35-Jährige eine genaue Vorstellung: „Eine Sache kommt im Arbeitsalltag häufig zu kurz, und da möchte ich ansetzen.“

Denn als Hausärztin geht es ihr vor allem um das Vertrauensverhältnis, das sich ein Leben lang aufbaut. „So müssen meine Patienten nicht jedes Mal das Gleiche erzählen, wenn Sie zu mir kommen.“ Die Hausärztin hinterfragt zudem regelmäßig den Behandlungsplan der Patienten. „Man muss mit der Zeit gehen. Die Medizin verändert sich andauernd.“ Sie ist deshalb offen für alternative Medizin wie Naturheilverfahren, Homöopathie und Akupunktur. Um die richtige Behandlung für ihre Patienten zu finden, nehme sie sich oft mehr Zeit, als sie manchmal hat. Dabei komme es häufig zu Überstunden. „Mir ist es aber wichtig, dass sich die Patienten bei mir wohl fühlen. Auch wenn einige gern mehr Zeit hätten.“

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Sie möchte jüngere Kollegen ausbilden

Janine Gerlach wohnt mit ihrer Familie noch in Dresden, wird aber bald in den Landkreis umziehen. Seit knapp zwei Jahren praktiziert sie schon in Meißen. Im Anschluss an ihre Facharztprüfung übernahm sie die Praxis in der Martinsstraße von Dipl.-Med. Martina Berger, die Ende 2018 in Rente gegangen ist. Jetzt ist Janine Gerlach in die Meißner Altstadt gezogen, und zwar in die Elbstraße über der Thalia-Buchhandlung. Hier gibt es mehr Platz als in der alten Praxis und einen Aufzug. „Viele ältere Patienten kamen nicht mehr die Treppen hoch, sodass ich sie zu Hause behandeln musste. Die meisten waren jedoch fit genug vorbeizukommen. Jetzt ist das kein Problem mehr“, so die Medizinerin.

Gerade für ältere Personen sei der Hausarzt zudem ein wichtiger sozialer Bezugspunkt, meint Janine Gerlach. Wenn es in Zukunft weniger Allgemeinmediziner gibt, wird das zum Problem. „Uns in Meißen geht es aber vergleichsweise gut“, sagt die Hausärztin. Um das objektiv festzustellen, erstellt die KVS jedes Jahr den aktuellen Versorgungsgrad verschiedener Landkreise und Städte in Sachsen. Dieser ergibt sich aus den tätigen Ärzten im Verhältnis zur Einwohnerzahl. In Meißen liegt er 2020 bei 92,5 Prozent. Im vergangenen Jahr war er noch bei 98,5 Prozent und 2016 bei fast 107 Prozent. Das heißt: Die Ärztedichte in Meißen nimmt stetig ab. Derzeit braucht Meißen acht zusätzliche Hausärzte, sodass jeder von ihnen weniger Patienten behandeln muss und damit mehr Zeit für jeden Einzelnen hat.

Janine Gerlach wirbt deshalb dafür, dass sich ihre jungen Kollegen ebenfalls in den kleineren Städten oder auf dem Land niederlassen. Denn diese scheuen oft das wirtschaftliche Risiko einer eigenen Praxis und wollen lieber angestellt sein, mit festen Arbeitszeiten und einer besseren Work-Life-Balance, laut KVS. Gemeinsam mit dem Kompetenzzentrum Weiterbildung Allgemeinmedizin Sachsen (Kwasa) der TU Dresden ist Janine Gerlach deswegen ab Sommer Mentorin für Ärzte, die als Allgemeinmediziner arbeiten möchten.

In der Facharztausbildung hätte sie gern an solchen Weiterbildungen teilgenommen. „Da musste ich immer selbst aktiv werden. Mit Kwasa ist das komfortabler. Mir ist es wichtig, mein Wissen an jüngere Kollegen weiterzugeben.“ In Zukunft möchte die Hausärztin außerdem akademische Lehrpraxis werden und Studenten in der Allgemeinmedizin ausbilden. Ihre Praxis in Meißen soll dabei als Ausbildungsstätte dienen.

Corona: „Machen Sie sich nicht verrückt“

In der neuen Praxis in der Altstadt fühlt sich Janine Gerlach auf jeden Fall wohl. Die großzügigen Räume seien aktuell während der Corona-Pandemie eine große Hilfe, um genügend Abstand zwischen allen Patienten zu wahren. „So haben wir separate Warte- und Behandlungszimmer eingerichtet, um die gesunden Patienten eindeutig von den kranken Patienten trennen zu können.“ Am Anfang sei die Verunsicherung noch groß gewesen, in die Praxis zu kommen. Deswegen habe die Ärztin hauptsächlich Telefonsprechstunden abgehalten. Mittlerweile läuft die Praxis wieder im Normalbetrieb.

Janine Gerlach ist trotz Corona aber eins besonders wichtig: Patienten mit Vorerkrankungen und akuten Beschwerden sollen unbedingt weiterhin zum Arzt kommen. „Es gibt viele akute und chronische Erkrankungen, die trotz der aktuellen Corona-Pandemie nicht wochenlang unbehandelt bleiben sollten.“ Deswegen appelliert sie an den gesunden Menschenverstand: „Nehmen Sie die Hygiene-Empfehlungen ernst, aber machen Sie sich nicht verrückt. Wenn alle sich an die Regeln halten und verantwortungsvoll mit der Situation umgehen, schützen wir uns am besten.“

Unter 03521/452616 und [email protected]  können Patienten einen Termin vereinbaren. Weitere Infos unter www.hausarzt-meissen.de.

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