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So helfen die Reisebüros nach der Germania-Pleite

Die Insolvenz der Fluggesellschaft bringt auch im Landkreis Bautzen viele Urlaubspläne durcheinander.

Bei Anke Gröter vom DER Reisebüro am Bautzener Dom klingeln die Telefone heiß - genau wie in den meisten anderen Reisebüros im Kreis. Die Germania-Insolvenz bringt viele Urlaubspläne durcheinander.
Bei Anke Gröter vom DER Reisebüro am Bautzener Dom klingeln die Telefone heiß - genau wie in den meisten anderen Reisebüros im Kreis. Die Germania-Insolvenz bringt viele Urlaubspläne durcheinander. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen/Kamenz. Unser Telefon steht nicht mehr still“, sagt Anke Gröter. Seit 20 Jahren berät sie Kunden und verkauft Reisen bei DER Deutsches Reisebüro am Bautzener Dom. Und sie kennt Situationen wie jetzt nach der Pleite der Fluggesellschaft Germania. Zuletzt erlebte das vierköpfige Team dieses Reisebüros einen solchen Ansturm nach der Insolvenz von Air Berlin. „Diesmal ist es noch schlimmer“, berichtet Anke Gröter. „Air Berlin ist ja zuletzt nicht mehr so oft von Dresden aus geflogen wie jetzt Germania.“ Deren Pleite ist erst wenige Tage her, noch kann das Reisebüro nicht viel mehr tun als die Anrufer oder Besucher erst einmal beruhigen. „Wir müssen jetzt abwarten, welche Alternativen der Reiseveranstalter anbietet. Aber dafür braucht er natürlich auch etwas Zeit“, bittet Anke Gröter um Verständnis. Die meisten Kunden, die sich melden, hätten Pauschalreisen gebucht – da müsse sich der Veranstalter um Flüge kümmern. Storniert hätte bis jetzt noch niemand eine gebuchte Reise. 

Im Reisecenter Kamenz klingelten bereits vor Öffnung des Büros am Dienstag die Telefone heiß und es gingen Dutzende E-Mails ein. „Die Kunden sind natürlich verunsichert, wie immer bei solchen Krisen“, so Reisecenter-Chefin Antje Löchel. Doch man warb um Verständnis für die Ausnahme-Situation. „Wir können die Leute nur um Geduld bitten, damit wir die Dinge in Ruhe klären können“, sagt sie.

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Auch im Thomas-Cook-Reisebüro auf der Bautzener Reichenstraße herrscht wegen der Germania-Pleite Hochbetrieb. Andrea Paul bittet um Verständnis, dass sie der SZ keine Fragen beantworten kann: „Wir haben Kunden vor uns sitzen, wir haben wirklich keine Zeit.“

Kunden brauchen Geduld

Geduld ist derzeit gefragt – auch bei Simone Lis in Pulsnitz. Sie hat im Internet eine Pauschalreise für zwei Personen nach Hurghada in Ägypten gebucht. „Wir haben noch keine Antwort vom Reiseveranstalter, ich soll mich gedulden“, berichtet sie.

Bis René Röllig aus Kamenz in den Türkei-Urlaub fliegen will, ist zwar noch etwas Zeit. Aber Kopfzerbrechen bereitet ihm die Germania-Pleite trotzdem. „Ich hatte für September zwei Flüge von Dresden nach Dalaman gebucht“, sagt er. „Die 846,78 Euro sind nun weg und die Suche nach Alternativen, um individuell in den Urlaub zu kommen, ist sehr schwierig.“ Jetzt hofft der Kamenzer, dass andere Gesellschaften Flüge übernehmen – wie das nach der Pleite von Air Berlin der Fall war.

SZ-Leserin Anke Augustin aus Bautzen sorgt sich nicht um eine Reise, sondern um die knapp 1 000 ehemaligen Mitarbeiter von Germania: „Es gibt so viele Menschen, die dort gearbeitet haben, die jetzt vor dem Nichts stehen und wahrscheinlich Existenzängste bekommen, weil sie Kredite haben und einen leeren Kühlschrank.“

Unterdessen kommen die Mitarbeiter in den Reisebüros kaum zum Luftholen – wie Thomas Moch in Radeberg. „Wir versuchen derzeit allen Kunden, die bei uns eine Reise mit Germania-Flug gebucht haben, auf andere Linien zu vermitteln“, sagt er. „Damit unterstützen wir die Veranstalter, die sich ebenfalls um Alternativen kümmern.“ Nach seinen Worten wollten besonders viele Reisende in den Winterferien mit Germania fliegen. „Das war die einzige Fluggesellschaft, die ab Dresden beispielsweise auf die Kanaren flog. Das wird eine Herausforderung für jeden eine Lösung zu finden.“ Schwierig könnte es auch für eine Gruppe von 50 Leuten werden. Das Radeberger Reisebüro hat für Mai eine Reise per Charterflug mit der Germania organisiert. „Ich hoffe, dass sich bis dahin eine andere Fluggesellschaft den Flug übernimmt.“ Thomas Moch hofft jetzt, dass sich der finanzielle Schaden für sein Reisebüro in Grenzen hält. „Mit einigen Tausend Euro muss ich aber wahrscheinlich rechnen. Denn die Flüge sind schon bezahlt und von Germania kommt sicher nichts zurück.“

Meistens keine Direktflüge mehr

Ines Schipper vom Touristik-Center im Einkaufszentrum EKZ in Radeberg durchforstet derzeit ebenfalls das Internet: Wo gibt es noch freie Flüge? „Wer bei seinen Abflugzeiten noch flexibel ist, also einen Tag früher oder später anreisen kann, hat die größten Chancen einen Flug zu bekommen“, sagt sie. Die Ersatzflüge seien dann aber meist keine Direktflüge mehr. „Ziele, die Germania von Dresden angesteuert hat, fliegt meist keine andere Gesellschaft von Dresden aus an.“

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Aber der Flughafen werde sich schnell um Ersatz bemühen, hofft Lutz-Peter Schöne. Er ist Chef eines Reisebüros mit sieben Filialen in Dresden und Freital. Schließlich seien die Mittelmeerstrecken gut gebucht gewesen. „Da wird es irgendwelche Airlines geben, die sehen, dass hier ein Markt ist.“ Am besten wäre, sie würden gleich die Germania-Maschinen nehmen und die bereits gebuchten Kunden transportieren. (mit if)

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