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Windeln in Waldheim statt auswandern

Ein junger Mann aus Waldheim sieht seine Zukunft im Ausland. Er packt die Koffer und fährt los. Doch dann kündigt sich Nachwuchs an - und der Plan platzt.

Katharina Tschentscher (links) mit Lara und Tino Kettner mit Luna Mira besuchen die Krabbelgruppe der Awo in Waldheim.
Katharina Tschentscher (links) mit Lara und Tino Kettner mit Luna Mira besuchen die Krabbelgruppe der Awo in Waldheim. © Norbert Millauer

Waldheim. Er ist der sprichwörtliche Hahn im Korb, obwohl er sich gar nicht so fühlt. Trotzdem sticht Tino Kettner heraus. Er ist der einzige Vater, der mit seiner Tochter in die Krabbelgruppe der Awo in Bergmanns Hof gekommen ist.

Der Waldheimer und sechs Mütter sitzen in gebührendem Abstand auf Decken, auf denen ihre Kinder herumwuseln, Spielzeug und Spielkameraden entdecken. Seit Anfang Juni sind die Treffen wieder möglich. 

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„Zuvor haben wir ein Hygienekonzept erarbeitet“, sagt Mandy Gausche vom mobilen Familienkreis der Awo. Im Eingangsbereich liegen Listen aus, auf denen die Eltern nicht nur ihre Anschrift eintragen, sondern auch bestätigen müssen, dass sie und ihr Kind gesund sind. Es steht auch eine Handdesinfektion zur Verfügung.

Eine Anmeldung ist jetzt ebenfalls notwendig. Denn, um den nötigen Abstand zu wahren, können im Roßweiner Bürgerhaus nur fünf Eltern, in Waldheim, Hartha und Döbeln jeweils sieben Eltern mit ihren Kindern zur Krabbelgruppe kommen. 

„In Spitzenzeiten hatten wir schon die doppelte Zahl“, so Mandy Gausche. Das Interesse ist nach Corona ungebrochen groß. Deshalb musste sie manchem Interessenten auch schon absagen.

Tino Kettner aus Waldheim: "Papa sein, ist so vielfältig"

Tino Kettner ist nicht zum ersten Mal dabei, aber zum ersten Mal allein, ohne seine Freundin. Er beobachtet Töchterchen Luna, die das Spielzeug aus einem großen Koffer testet. Für das inzwischen 14 Monate alte Mädchen hat der junge Mann seine Träume aufgegeben und sein Leben völlig umgekrempelt. 

„Ich wollte auswandern. Sechs Monate war ich mit einem Kumpel bereits in Irland, als ich erfahren habe, dass meine Freundin schwanger ist“, erzählt er. Zuerst lebte die junge Familie in ihrer Heimat Nordrhein-Westfalen. Jetzt sind sie in seine Heimatstadt Waldheim umgezogen. Von der Awo bekam das Paar den Tipp für die Krabbelgruppe.

Sich dort mit anderen Eltern austauschen zu können, hält Tino Kettner für gut und wichtig. Luna ist sein erstes Kind und er sagt: „Ich hätte nicht gedacht, dass Papa sein so vielfältig ist.“ Es sei spannend gewesen, als Luna begann zu laufen. Jetzt sagt sie die ersten Worte.

Und sie fordert ihre Eltern, die sich bei ihrer Beschäftigung abwechseln und so für jeden Freiräume schaffen. Und Luna hat noch etwas geschafft. „Ich war computersüchtig“, gibt Tino Kettner zu. „Aber das ist komplett vorbei. Unsere Tochter ist wichtiger.“

Zum Corona-Lockdown geboren

Auch Katharina Tschentscher kommt gern mit Tochter Lara in die Krabbelgruppe. Die Tannebergerin ist eine von vier jungen Müttern, die sich beim Geburtsvorbereitungskurs kennengelernt haben und sich nun regelmäßig mit den Kindern in der Gruppe wiedertreffen.

Noch verfolgt Tochter Lara das Geschehen um sie herum aber nur mit den Augen. Denn sie ist erst vier Monate alt. Ihr vierjähriger Bruder Leon besucht derweil die Kita. „Sie kam an dem Tag zur Welt, als die Kita wegen Corona geschlossen wurde“, erzählt die junge Mutter. Einen Tag durfte Leon noch in die Notbetreuung, dann blieb er mit den Eltern und Lara zu Hause.

Dorthin waren Mutter und Vater bereits drei Stunden nach Laras Geburt zurückgekehrt. „Die anschließende Zeit, in der Leon nicht in die Kita konnte, war nicht stressig. Ich habe es eher als angenehm empfunden, dass wir zusammen waren und keinen Besuch empfangen konnten“, erzählt Katharina Tschentscher. 

Ihr Mann habe einen Monat Erziehungszeit genommen und sei auch danach, durch die Kurzarbeit, öfter Zuhause gewesen. „Es war eine Zeit zum Genießen.“

Soziale Kontakte für Kinder wichtig

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Sowohl Katharina Tschentscher, als auch Tino Kettner ist es wichtig, dass ihre Mädchen bereits vor der Kita mit anderen Kindern Kontakt haben und, dass sie soziale Kontakte knüpfen. Dafür, und für den Austausch der Eltern, ist die Krabbelgruppe der richtige Ort.

Nächste Veranstaltung: 28. August, Nordstraße 2, Döbeln, Elterncafé. Thema Babyzeichensprache. Nur mit Anmeldung unter Tel. 0157/83844417.

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