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Innenminister will der Riesenantenne helfen

Der Freistaat ist weiter bereit, eine Viertelmillion Euro für den Erhalt des Denkmals in Wilsdruff bereitzustellen. Er stellt aber Bedingungen.

Sabine Neumann und Jürgen Juhrisch (2. von rechts) vom Verein Funkturm Wilsdruff trafen sich kürzlich mit Innenminister Roland Wöller (links) und Wilsdruffs Bürgermeister Ralf Rother (beide CDU) im Wilsdruffer Rathaus.
Sabine Neumann und Jürgen Juhrisch (2. von rechts) vom Verein Funkturm Wilsdruff trafen sich kürzlich mit Innenminister Roland Wöller (links) und Wilsdruffs Bürgermeister Ralf Rother (beide CDU) im Wilsdruffer Rathaus. © Foto: Förderverein

Noch steht die Riesenantenne am Wilsdruffer Stadtrand. Doch das kann sich schnell ändern. Der Besitzer der Antenne, die Kölner Bild- und Tonübertragungsfirma Media Broadcast, möchte den Turm aus Kostengründen umlegen.

Sabine Neumann will das verhindern. „Uns sitzt die Zeit im Nacken“, sagt die Vorsitzende des Fördervereins Funkturm Wilsdruff. Deshalb versucht sie auf verschiedenen Ebenen, die Media Broadcast von ihrem Vorhaben abzuhalten – vor allem über die Politik. Vor wenigen Tagen traf sie CDU-Mann Roland Wöller, der nicht nur Sachsens Innenminister ist, sondern auch der hiesige Wahlkreisabgeordnete. Das Gespräch habe sie optimistisch gestimmt, wenngleich Wöller keine konkreten Zusagen gemacht habe. Immerhin stellte er seine Unterstützung in Aussicht.

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Das bekräftigte er auch auf SZ-Nachfrage. „Mir liegt, wie vielen Wilsdruffern, der Sendemast als Landmarke für unsere Heimat am Herzen“, so Wöller. Vor diesem Hintergrund habe er auch seine Zusage im Gespräch mit dem Förderverein erneuert, bis zu 250 000 Euro aus Denkmalschutzmitteln für den Erhalt bereitzustellen. Die Rettung des Turms werde aber nur gelingen, wenn es der Verein schaffe, ein tragfähiges Konzept zu erarbeiten und sich mit den verschiedenen Eigentümern zu verständigen.

Denn die Lage ist kompliziert. Die Riesenantenne gehört der Media Broadcast, der Antennensockel der Deutschen Funkturm, einer Tochterfirma der Telekom. Das Grundstück, auf dem das Antennenhäuschen und die Antenne stehen, besitzt wiederum ein Privatmann. Sie alle an einen Tisch zu bekommen, ist nicht einfach.

Landrat Geisler hilft mit

Dem Förderverein ist das noch nicht gelungen. Ähnlich erging es Landrat Michael Geisler (CDU). Der kündigte im Mai nach der Entgegennahme der 4 323 Unterschriften, die Sabine Neumann im ersten Halbjahr mit ihren Unterstützern für den Erhalt des Turmes gesammelt hatte, an, den Turmaktiven zu helfen. Er versprach, die Media Broadcast und den Besitzer des Grundstücks zu einem Gespräch einzuladen. Und das geschah auch. Der Besitzer des Grundstücks sei für ein Gespräch bereit gewesen. „Wenn eine ernsthafte Kaufabsicht oder anderweitige finanzielle Angebote vonseiten des Vereins bestehen“, könne er sich fortführende Gespräche vorstellen, schrieb Geisler der Vereinschefin.

Die Media Broadcast hat sich hingegen nicht auf ein Gespräch eingelassen. Ein Sprecher des Unternehmens bestätigte das. Man sei zwar gesprächsbereit und könne sich sogar einen Verkauf vorstellen. Dazu müsse aber erst ein tragfähiges, alternatives Nutzungskonzept vorgelegt werden. „Das schließt ein, dass ein interessierter Käufer bereit sein muss, die Kaution, die für die Kosten eines späteren Rückbaus beim Eigentümer des Grundstücks hinterlegt worden ist – 350 000 Euro – aufzubringen“, so der Sprecher. „Bisher gibt es jedoch keinen potenziellen Käufer, der dies und die jährlichen Kosten in sechsstelliger Euro-Höhe stemmen möchte.“ Der Sprecher glaubt, die Gründe zu kennen. Es gebe keine Nutzung der ehemaligen Mittelwellen-Antennenanlage, die diese hohen Kosten einspiele.

Seit 65 Jahren gehört die 153 Meter hohe Riesenantenne zur Wilsdruffer Landschaft. Nun soll sie verschwinden. Viele Wilsdruffer wehren sich dagegen. 
Seit 65 Jahren gehört die 153 Meter hohe Riesenantenne zur Wilsdruffer Landschaft. Nun soll sie verschwinden. Viele Wilsdruffer wehren sich dagegen.  © Karl-Ludwig Oberthür

Der Förderverein arbeitet an einem Konzept, will aber trotzdem keine Zeit verlieren. Deshalb werde man sich an die verschiedenen Besitzer wenden, erklärt die Vereinschefin. Parallel dazu wirbt sie weiter um Mitglieder und mögliche Sponsoren. „Gegenwärtig haben wir 29 Mitglieder“, sagt die Vereinschefin. Dazu gehört der Kesselsdorfer Andreas Hofmann alias DJ Happy Vibes, der sich wie Wöller um ein Landtagsmandat bemüht.

Wie viel Geld der Verein seit seiner Gründung im Mai einsammeln konnte, möchte sie nicht verraten. Der Förderverein will weitere Unterstützer und Spender gewinnen – und das am 8. September. Dann wird er sich am Tag des Denkmals beteiligen. Zusammen mit dem Technikverein Sender Wilsdruff werde man sich am Kleinbahnhofgebäude in Wilsdruff präsentieren. Dort soll auch gezeigt werden, wie Radio funktioniert. Es wird ein Mittelwellensender aufgebaut, über den vorproduzierte Beiträge gesendet werden.

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Sabine Neumann hofft, dass die Media Broadcast ihr selbstgestecktes Ziel, die Antenne bis Ende 2019 abzureißen, nicht schafft. Die Auflagen des Denkmalschutzes zur Dokumentation der Anlage sind nach ihrer Information sehr umfangreich. Wie weit die Media Broadcast damit ist, wollte deren Sprecher nicht verraten. „Dazu machen wir keine Angaben.“ Er ließ aber keinen Zweifel daran, dass das Unternehmen am Zeitplan festhält. „Die Genehmigung für den Rückbau ist erteilt worden.“ Der Abriss soll noch 2019 erfolgen. 

Chronik der Turmretter

6. Mai 2013: Der Sendebetrieb am Sender Wilsdruff wird eingestellt.

Dezember 2019: Das Landratsamt hebt den Denkmalschutz für die 153 Meter hohe, 1953 errichtete Antenne auf und genehmigt den Abriss.

8. Februar 2019: Beginn der Unterschriftensammlung übers Internet.

18. April 2019: Sabine Neumann und Jürgen Juhrig übergeben 4 323 Unterschriften an Landrat Geisler.

20. Mai 2019: In Wilsdruff gründet sich ein Förderverein zum Erhalt. Vorsitzende ist Sabine Neumann.

Quelle: SZ-Archiv

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