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„Was an der B 96 passiert, ist für die Region rufschädigend“

Das Kulturbüro Sachsen berät zu Themen wie Rechtsextremismus. Jetzt hat es ein Büro in Görlitz eröffnet – aus gutem Grund.

Petra Schickert (62) ist Diplom-Sozialpädagogin und Fachreferentin im Verein Kulturbüro Sachsen.
Petra Schickert (62) ist Diplom-Sozialpädagogin und Fachreferentin im Verein Kulturbüro Sachsen. © Nikolai Schmidt

Frau Schickert, das Kulturbüro Sachsen besteht seit 2001, hatte aber nie ein Büro in Ostsachsen. Das hat sich jetzt geändert. Warum?

Wir haben erst 15 Jahre in Pirna gesessen und jetzt vier Jahre in Dresden. Von dort aus waren wir für ein Riesengebiet zuständig: Für Dresden und die Landkreise Sächsische Schweiz-Osterzgebirge, Meißen, Bautzen und Görlitz. Das war kaum zu schaffen. Deshalb haben wir mehrfach versucht, eine Personalaufstockung zu bekommen.

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Geld sicher und gut anlegen? Das ist in Zeiten der Nullzinspolitik nicht einfach. Deshalb sollte man sich gerade jetzt gut beraten lassen.

Von wem?

Wir werden über das Bundesprogramm „Demokratie leben“ und das sächsische Sozialministerium finanziert. Bei Letzterem haben wir den Aufstockungsantrag gestellt und unsere Situation beschrieben. Daraufhin haben wir jetzt zwei neue Teams mit je zwei Mitarbeitern bekommen: Je eines in Ostsachsen und in Zwickau. Das ostsächsische Team besteht aus Maxi Hoke und Daniel Sauer und wird für die Landkreise Görlitz und Bautzen zuständig sein. Beide arbeiten Teilzeit, 30 Stunden pro Woche. Sie stammt aus Bautzen, er aus Görlitz. Sie kennen sich also in der Region aus und haben hier ihre Netzwerke. Das war uns bei der Besetzung der Stellen sehr wichtig.

Worum kümmert sich das Kulturbüro?

Wir leisten Beratungsarbeit sowie Netzwerk- und Öffentlichkeitsarbeit zu Themen wie Rechtsextremismus, Rassismus, Antisemitismus und weiteren Formen und Ideologien der Ungleichwertigkeit und Diskriminierung. Unsere Beratung richtet sich an alle, die für die Stärkung einer demokratischen Kultur aktiv werden wollen, also an Vereine, Verbände, Kirchen, politisch Verantwortliche und die Verwaltung.

Steht die Beratung zu rechtsextremen Übergriffen im Mittelpunkt?

Die Palette ist breit, in jüngster Zeit ging es oft um Rechtsrock-Konzerte, beispielsweise in Mücka. Wir haben in unserer Arbeit eine enge Zusammenarbeit zum Verein Augen auf in Löbau und anderen ostsächsischen Vereinen aufgebaut, die sich hier schon längere Zeit engagieren.

Hat Ostsachsen besondere Probleme mit Rechtsextremismus?

Wir hatten in den vergangenen Jahren viel mehr in Ostsachsen zu tun als beispielsweise im Landkreis Meißen. Bautzen ist mit dem Problem seit längerem bundesweit in den Medien. Jetzt sind die B-96-Proteste dazugekommen. Was dort passiert, ist für die Region deutschlandweit rufschädigend. Uns geht es darum, eine Einschätzung dieser Proteste vorzunehmen.

Und wie steht es um Görlitz selbst?

Hier sehe ich nicht das große Problem, denn in der Stadt gibt es bereits viele Menschen, die sich engagieren. Auf dem Land ist das nicht immer der Fall. Wir wollen die Leute stärken, die für eine aktive Zivilgesellschaft eintreten.

Bekommt man bei Ihnen nur Beratung oder auch Geld?

Geld in aller Regel nicht, aber Tipps, wo man welches beantragen kann. Einzige Ausnahme: Menschenrechtsorientierte Jugendgruppen können bei uns Geld bekommen. Wir unterstützen Projektanträge mit einer Maximalsumme von 1.000 Euro.

Wer beraten werden will, kommt in das neue Büro auf der Augustastraße 35 in Görlitz?

Das ist die eine Variante. Hier haben wir einen Beratungs-, einen Seminar- sowie mehrere Büroräume. Aber hauptsächlich bieten wir mobile Beratung an. Wir fahren dorthin, wo wir gebraucht werden.

Kontakt: Tel. 03581 6842711 sowie per E-Mail: [email protected]

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