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„Er ist immer noch der stärkste Spieler der Welt“

Deutschlands beste Schachspielerin gratuliert Magnus Carlsen, dem neuen alten Weltmeister. Und Elisabeth Pähtz sagt, was den Norweger so gut macht.

Von Tino Meyer
 4 Min.
Elisabeth Pähtz, 33, ist Deutschlands beste Schachspielerin.
Elisabeth Pähtz, 33, ist Deutschlands beste Schachspielerin. © Gabrielle Levene

Drei zähe Wochen lang hat sich die Schach-WM hingezogen, dann ging alles ganz schnell. Mit drei Siegen im Blitzschach des Tiebreaks hat der Norweger Magnus Carlsen, Weltmeister seit 2013, seinen Titel erneut verteidigt.

Genau hingeschaut hat Elisabeth Pähtz, Deutschlands beste Schachspielerin. Im Interview mit der Sächsischen Zeitung erklärt die 33-jährige gebürtige Erfurterin, die ihr Abitur am Sportgymnasium Dresden ablegte und Junioren-Weltmeisterin wurde, warum Carlsen zwar lustlos spielt, im Schnellschach aber nahezu unschlagbar ist.

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Frau Pähtz, Magnus Carlsen hat die WM nach zwölf Remisen erst im Tiebreak entschieden. Ist er trotzdem verdient Weltmeister?

Er ist auf jeden Fall der verdiente Weltmeister, gerade weil er gar nichts dagegen hat, es auf einen Tiebreak ankommen zu lassen. Er weiß genau, im Schnellschach ist er total überlegen. In der zwölften Runde hätte er auf Sieg spielen können, hat das aber für sich als unnötiges Risiko betrachtet. Eben weil er sich im Tiebreak sehr siegessicher sein konnte. Er wusste genau, das ist für ihn die einfachste Lösung.

Halten Sie das für legitim?

Das ist total legitim. Man konnte ja sehen, dass er in der zweiten Hälfte der normalen Partien ein bisschen lustlos und demotiviert wirkte. Er wollte den Tiebreak, weil es ihm wahrscheinlich mehr den Kick gibt, Schnellschach zu spielen.

Bereits vor zwei Jahren hat es Carlsen im WM-Duell mit dem Russen Sergej Karjakin auf den Tiebreak ankommen lassen können. Das spricht nicht unbedingt für den Modus, oder?

Natürlich ist der aufgrund dessen sehr fraglich. Es wird bereits beraten, den Modus zu verändern, eventuell auf 13 Partien. Demjenigen, der einmal mehr schwarz hat, soll dann ein Unentschieden zum Sieg reichen, der mit den weißen Figuren müsste gewinnen. Diese Überlegungen gibt es. Fakt ist jedoch auch, dass Caruana hätte versuchen müssen, das normale Match zu gewinnen. Das wäre objektiv seine beste Chance gewesen, und er hatte in einer Partie die reelle Chance dazu.

Können Sie erklären, warum Carlsen im Schnellschach mit deutlich kürzerer Bedenkzeit derart überlegen ist?

Er hat eine wirklich gute Intuition, ist extrem gut im Rechnen und hat zudem noch ein sehr gutes taktisches Auge. Diese drei Komponenten machen Carlsen im Schnellschach zu einer Maschine – könnte man fast sagen. Caruana ist dagegen ein sehr solider Spieler und lebt davon, wirklich exakte Züge zu machen. Und dafür braucht er einfach viel mehr Zeit.

Welche Rolle spielen im Tiebreak die Nerven? Oder ist der Druck in einem WM-Finale ohnehin extrem?

Ich denke schon, dass beide Spieler unter Druck standen. Auch Carlsen, der offenbar gar nicht mehr so große Lust auf das Weltmeistersein verspürt. Bei Caruana war die nervliche Anspannung gerade im Tiebreak zu sehen, als er zwei große Fehler gemacht hat, die normalerweise nicht passieren dürfen – auch nicht bei verkürzter Bedenkzeit. Das zeugt schon von Nervenschwäche.

Was meinen Sie, ist Carlsen noch immer das Wunderkind und Genie, als das er seit Kindertagen bezeichnet wird?

Bei der Pressekonferenz vor WM-Beginn ist er gefragt worden, wer sein Lieblingsspieler sei. Er hat geantwortet: „Ich selbst vor vier Jahren.“ Das haben viele als Scherz verstanden. Aber im Endeffekt, denke ich, hat er sogar recht damit. Vor vier, fünf Jahren, also am Anfang seiner Zeit als Weltmeister, war er in einer absoluten Topform. Damals hat er auch noch die Motivation verspürt, wirklich jeden schlagen zu wollen. Jetzt ist dieser Kick weg, und das hat vermutlich auch Einfluss auf sein Schach gehabt. Er ist immer noch der stärkste Spieler der Welt, aber vor vier Jahren war er noch deutlich stärker.

Haben Sie schon mal gegen Carlsen gespielt?

Ja, da war er 16 Jahre, also noch ein Kind. Im klassischen Spiel habe ich ihn sogar gehalten, aber im Schnellschach dann gegen ihn verloren.

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Und wenn Sie nun auf den inzwischen 27-jährigen Carlsen treffen würden: Hätten Sie eine Chance?

In einer einzelnen Partie mit den weißen Figuren hat man immer mal eine Chance. Ich habe vor einem Monat mit Weiß gegen Karjakin ein Remis geschafft. Es ist schon möglich, muss aber an dem Tag gut laufen.

Das Interview führte Tino Meyer.