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Investitionen an den Seen statt ins Freibad

Lohsa hat sich von seinem Kleinod innerlich längst verabschiedet. Und doch ist unklar, was damit passiert.

In diesem Zustand präsentierte sich das Freibad Lohsa in diesem Frühjahr, bevor das Grün der Bäume und Büsche vieles verdeckt.
In diesem Zustand präsentierte sich das Freibad Lohsa in diesem Frühjahr, bevor das Grün der Bäume und Büsche vieles verdeckt. © Foto: Uwe Schulz

Lohsa. Wer am neuen Bahnhaltepunkt Lohsa aus dem Zug steigt oder aus Richtung Friedersdorf/Mortka mit dem Auto nach Lohsa einfährt, bekommt als erstes die nicht so schöne Seite des Ortes zu sehen. Links die ungepflegte Freifläche, auf der einst die Rohrfirma Swanenberg ihren Sitz hatte, bevor sie an den neuen Standort bei Tiegling umziehen musste. Rechts das Freibad, das viele Jahre ein Schmuckstück Lohsas war. Aber 2009 hatte es das letzte Mal geöffnet. Für die Saison 2010 hatte der Gemeinderat damals verfügt, dass es nicht wieder öffnet. Dabei ist es geblieben und so sieht es hier jetzt auch aus.

2014 gab es Überlegungen, das Bad wieder zu öffnen. Damals wären für die Wieder-Inbetriebnahme rund 130.000 Euro erforderlich gewesen, zuzüglich des jährlichen Zuschusses von rund 75.000 Euro für gut acht Wochen Badesaison. Der Gemeinderat entschied mehrheitlich, eher Mittel für die Entwicklung des Tourismus an den Seen im Gemeinde-Gebiet zu verwenden.

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Es gab Überlegungen, die Rutsche umzusetzen. Alles prinzipiell möglich. Letztlich liegen die Kosten im Bereich des Neuerwerbs. Und auch andere Ideen, die immer mal wieder kursierten, führten letztlich zu keinem Erfolg.

Im Rahmen des Nationalen Aufbauwerkes entstand das Bad von 1950 bis 1952 auf einem Teil der Fläche des früheren Leineweberteiches. Die Baukosten lagen unter 200 D-Mark (Ost). Zwei 50-Meter-Becken gab es, einen Fünf-Meter-Sprungturm, ein kleines Becken für Nichtschwimmer und den Erich-Preusche-Brunnen. Eine schlichte Holzbaracke diente zum Umkleiden. Wasser kam aus der Kleinen Spree.

Durch die Initiative verschiedener Bürger in Lohsa wurde das Freibad seit 1973 erweitert und erneuert. Rund 400.000 Mark kostete die Errichtung des zweiten Lohsaer Freibades 1973 bis 1983. Jenes zweite Freibad enthielt zwei 50 Meter lange Stahlbeton-Becken, einen Drei-Meter-Sprungturm, eine Badewasser-Aufbereitungs-Anlage, Becken für Schwimmer, Nicht-Schwimmer und Kleinkinder sowie ein Funktionsgebäude mit Räumen für Personal, für Rettungsschwimmer sowie für Imbiss und Umkleiden.Ein erneuter Abbruch und Neuaufbau folgte in den 1990er-Jahren. Ein kleines 25-Meter-Becken mit Edelstahl-Auskleidung entstand. Hinzu kam eine breite Rutsche. Für die Jüngsten entstand ein Plansch-Becken mit Edelstahl-Auskleidung. 1996 wurde es eingeweiht. Die Zweckbindungsfrist der vom Freistaat Sachsen ausgereichten Fördermittel dauerte 19 Jahre. Schon vor zwei Jahren gab es keine Rückforderungen mehr. Das Schulschwimmen ist in der vergangenen Dekade ins Lausitzbad verlagert worden. Und was das Baden anbelangt, hat man das Lausitzer Seenland vor der Haustür. Freilich oftmals ohne Rettungsschwimmer, aber dafür eben auch komplett kostenfrei.

Die Aussage dürfte längst eine endgültige sein: Das Freibad Lohsa hat geschlossen. Jedenfalls aus Gemeindesicht. Wenn sich ein Verein, eine Privatperson oder sonst jemand findet, der es aktivieren bzw. anderweitig nutzen will und das auch finanzieren kann, der möge sich melden. Doch abgesehen davon, dass das Grundstück zum Überflutungsgebiet der Kleinen Spree gehört, ist baurechtlich alles schwierig, ebenso beim Swanenberg-Areal auf der anderen Straßenseite. Beides liegt im sogenannten Außenbereich der Kommune. „Das heißt, eine andere Nutzung ist nur unter erheblichen Auflagen möglich. Das schreibt uns die Rechtslage vor“, schilderte Thomas Leberecht schon vor zwei Jahren. Und auch ein Abriss des Bades kostet Geld. Geld, das die Gemeinde dafür in absehbarer Zeit nicht aufbringen möchte. Denn die Liste der Aufgaben und Wünsche ist umfassend. Vor allem die Themen zentrale Abwasserentsorgung und Schulhausbau in Groß Särchen sind die beiden Schwergewichte. Und man setzt auf die Entwicklung von drei Seen im Gemeindeterritorium. Das sind neben dem Dreiweiberner See mit seinen beiden Stränden der Knappensee und der Silbersee. Am Silbersee soll ein Bebauungsplanverfahren angeschoben werden. Seitens der LMBV sind zudem weitere Sanierungsarbeiten geplant. Aus Sicht der Gemeinde sollen die aber nur außerhalb der Saison durchgeführt werden.

Am Knappensee ist ein solcher für das künftige Vereinszentrum schon erstellt. Die infrastrukturelle Erschließung, so sagt Thomas Leberecht, soll noch in diesem Jahr erfolgen. Dann können sich die Vereine niederlassen, Flächen kaufen oder per Erbbaupachtvertrag nutzen. Man sei mit mehreren Vereinen im Gespräch. Aber wer noch Interesse habe, könne sich melden, so Leberecht.

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