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Sachsens größter Abrechnungsbetrüger?

Seit fast zehn Jahren wird gegen einen Neurologen ermittelt, der als "Aldi unter den Ärzten" galt. Bald soll in Dresden der Prozess gegen ihn beginnen.

Das Gebäude des Neurologischen Medizinischen Versorgungszentrum Dresden.
Das Gebäude des Neurologischen Medizinischen Versorgungszentrum Dresden. © André Wirsig (Archiv)

Dresden. Der womöglich größte Abrechnungsbetrug Sachsens kommt nächstes Jahr vor Gericht. Von April bis Juli 2020 soll die 15. Große Strafkammer des Landgerichts Dresden soll über das Geschäftsgebaren des Neurologen Dr. Lutz Lohse verhandelt werden.

Der einst als „Aldi unter den Ärzten“ bekannt gewordene Mediziner hatte in Dresden und Umgebung das viel frequentierte Neurologisch-Medizinischen Versorgungszentrum aufgebaut (NMVZ). Bei den Abrechnungen des NMVZ soll es massive Ungereimtheiten gegeben haben. Nach früheren Recherchen der Sächsischen Zeitung wurde Geld für die Behandlung von Toten gefordert, für fiktive Hausbesuche und für nicht erbrachte Physio- und Ergotherapien.

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Bereits 2009 waren Lohse und das NMVZ erstmals angezeigt worden, damals von der AOK plus. Seit November 2010 laufen die Ermittlungen. Anfang 2012 erfolgte eine weitere Anzeige durch die kassenärztliche Vereinigung Sachsens. Deren Chef Klaus Heckemann ging seinerzeit von einem Schaden von rund zwei Millionen Euro aus. Für ihn war das bis dahin „größte Abrechnungsbetrug des Freistaats“. Das Landeskriminalamt durchsuchte mehrere Wohnungen und Büros, das NMVZ ist inzwischen abgewickelt.

Für den Juli 2018 findet sich ein Insolvenzeintrag über das Vermögen Lohses im britischen Handelsregister; er hatte darin einen Wohnsitz in Liverpool angegeben. Zuvor war er zuletzt im Februar 2018 als Kaufinteressent für das alte Kreispflegeheim in Freital öffentlich in Erscheinung getreten. Er wolle dort eine neuropsychiatrische Praxis einrichten, hieß es. (SZ/uwo) 

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