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Sauer-Orgel und gotischer Flügelaltar

Das Landeskuratorium der Ostdeutschen Sparkassenstiftung tagte am Dienstag im Wittichenauer katholischen Pfarrhaus.

Das Landeskuratorium der Ostdeutschen Sparkassenstiftung im Freistaat Sachsen hielt seine Frühjahrssitzung 2020 am 23. Juni im Wittichenauer katholischen Pfarrhaus. Hier ist das Gremium vor dem Hauptaltar von St. Mariä Himmelfahrt versammelt.
Das Landeskuratorium der Ostdeutschen Sparkassenstiftung im Freistaat Sachsen hielt seine Frühjahrssitzung 2020 am 23. Juni im Wittichenauer katholischen Pfarrhaus. Hier ist das Gremium vor dem Hauptaltar von St. Mariä Himmelfahrt versammelt. © Foto: Uwe Jordan

Wittichenau. Hochrangige Körperschaften tagen meistens in einer Landes-, wenn nicht sogar in der Bundeshauptstadt; kommt’s hoch, an einem sonstig wenigstens national bedeutungsvollen Ort, selbst wenn der mit dem Gremium wenig zu tun hat. Erfrischend anders hält es dagegen das Landeskuratorium der Ostdeutschen Sparkassenstiftung (OSS) im Freistaat Sachsen: „Wir tagen nicht am «grünen Tisch», sondern an geförderten Standorten“, erläuterte der OSS-Geschäftsführer, der Berliner Friedrich-Wilhelm von Rauch. Da Wittichenau zu diesen Förder-Orten zählt(e), und das nicht nur einmal, traf sich die Runde zu ihrer Frühjahrs-Zusammenkunft 2020 am letzten Dienstag, dem 23. Juni, vormittags im katholischen Pfarrhaus Wittichenau.

Stätte von Kultur und Frömmigkeit

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Warum nun gerade Wittichenau? „Wittichenau ist für uns von besonderer Bedeutung – als Stätte von Kultur, Brauchtum und gelebter Frömmigkeit“, brachte Rauch es auf den Punkt. Bei einer Kirchenführung am Nachmittag konnte Wittichenaus Pfarrer Dr. Wolfgang Kresak seinen Gästen zeigen, was schon mit Hilfe der OSS hier verwirklicht wurde. Etwa der Erwerb einer Messkännchengarnitur, gefertigt im Jahre 1568. Die Restauration des 500 Jahre zählenden Rosenkranz-Altars rechts des Hauptaltars (wieder eingeweiht am 30. September 2016). Und vor allem die Rüther-Fenster: Beginnend 1931, hatte sie der Künstler Hubert Rüther für die Wittichenauer Pfarrkirche St. Mariä Himmelfahrt geschaffen, ehe ihn die Nazis jäh aus seinem Wirken rissen. Weil Rüther sich weigerte, die sogenannte Mischehe mit einer Jüdin aufzulösen, wurde er mit Berufsverbot belegt und 1944 gepresst zur Zwangsarbeit in einer Munitionsfabrik, die seine Hände so ruinierte, dass er fortan zu künstlerischer Arbeit nicht mehr in der Lage war. Rüther, der an einem Nervenleiden litt, schied kurz nach Kriegsende, verzweifelt ob des nicht mehr möglichen Tätig-Seins in der künstlerischen Berufung, an seinem 70. Geburtstag, dem 16. September 1945, freiwillig aus dem Leben und wurde auf dem Loschwitzer Friedhof beigesetzt.

Irrwege der Wittichenauer Glaskunst

Die Geschichte seiner Wittichenauer Glaskunst ist ein wahrer Irrweg: 1934 wurden die bei Beier und Walther in Dresden gefertigten Fenster in Wittichenau eingebaut. 1974 wurden sie in die Pfarrscheune „verbannt“: In der Kirche sollte es dank nunmehr Industrieverglasung heller werden. 1998 wurden die Fenster in die Dresdener Werkstatt von Bernhard Dunger (ehemals Beier und Walther) ausgelagert – und versanken, so schien’s, auf Nimmerwiedersehen im Dunkel der Geschichte. Erst 2009 wies eine Dresdener Galerie auf Rüthers Schwarz-Weiß-Aquarell-Entwürfe für die Fenster hin. Der Wittichenauer Dr. Jürgen Heidan erwarb sie und betrieb energisch die Bestandserfassung bei Bernhard Dunger in Dresden. 2010 sagte die Sparkassenstiftung Fördergeld für die Fenster-Sanierung zu. Damit konnte die Sanierung / Rekonstruktion dreier fehlender Fenster durch die Bleiglaserei Buhlig in Schwarzenberg beginnen, wobei die Farbgebung anhand der Ungewissheit der Originale erhebliche Schwierigkeiten barg. An Hubert Rüthers 67. Todestag, dem 16. September 2012, wurden alle Fenster in St. Mariä neu geweiht. „Mit unserem Engagement in dieser Sache wollten wir als Sparkassenstiftung unserer Hochachtung für einen Künstler Ausdruck verleihen, den die Nazis ausgegrenzt und in den Tod getrieben hatten“, verdeutlichte Friedrich-Wilhelm von Rauch die Beweggründe für das Engagement der Sparkassenstiftung.

Leider noch nicht wieder zurück

Nicht nur Vergangenes spielte am Dienstag eine Rolle, sondern gerade gelebte Gegenwart – und die nahe Zukunft. Denn das Landeskuratorium, zu dem neben von Rauch und Dr. Michael Ermrich, dem Geschäftsführenden Präsidenten des Ostdeutschen Sparkassenverbandes, ferner angehören (in Wittichenau anwesend): Joachim Hoof (Vorstandsvorsitzender der Ostsächsischen Sparkasse Dresden), Prof. Dr. Rosemarie Pohlack (Sächsische Landeskonservatorin a. D.), der Chemnitzer Bürgermeister Ralph Burghart, der Zwickauer Landrat Dr. Christoph Scheurer, der Vogtlandkreis-Landrat Rolf Keil (Plauen), Dr. Harald Langenfeld (Vorstandsvorsitzender der Stadt- und Kreissparkasse Leipzig), der sächsische Ministerialdirigent Markus Franke, Thomas Rechentin, Amtschef des Sächsischen Innenministeriums, Prof. Hans-Ferdinand-Schramm (Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Mittelsachsen -Freiberg-), Dr. Ulrich Brochhagen vom MDR und Patricia Werner als stellvertretende Geschäftsführerin der OSS; das Landeskuratorium also bewilligte einen erheblichen Zuschuss für die jüngst erfolgte Ausreinigung und Sanierung der Wittichenauer Orgel durch die Traditionsfirma Sauer – und die OSS wird sich auch an den Kosten der Restaurierung des gotischen Flügelaltars für die Andachtskapelle in St. Mariä beteiligen. Diesen Flügelaltar hätte der Wittichenauer Pfarrer Dr. Wolfgang Kresak nur zu gern schon am Dienstag seinen Gästen gezeigt – er sollte ja auch schon im Juni aus der Dresdener Werkstatt nach St. Mariä zurückgekehrt sein. Nur machte die Corona-Epidemie diese Pläne zunichte, sodass die Rückkunft dieses Stücks Geschichte in hoffentlich nicht all zu ferne Zeit verschoben werden muss.

Investition für die Zukunft

Dr. Kresak hält den Altar gerade jetzt für unverzichtbar: Zeigt er doch unter anderem den Hl. Christophorus („... geradezu DAS Symbol für unsere heutige «Reisegesellschaft» ...“) und Katharina von Alexandrien, die Schutzherrin der Philosophie – eine Wissenschaft, derer es heute mehr denn je bedarf, um die Herausforderungen der heutigen Welt zu verstehen – und sie zu meistern. Das dahingehende Engagement der Ostdeutschen Sparkassenstiftung ist, so gesehen, nicht nur eine Investition in den Erhalt von unverzichtbarer Geschichte, sondern vor allem eins: in die Zukunft.

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