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Muss auch der Jacobimarkt ausfallen?

Das ist noch nicht entschieden. Organisator René Linke will erst einmal abwarten. Sorgen macht er sich aber um die Schausteller.

Von Romy Altmann-Kuehr
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Ein Bild vom Jacobimarkt 2019. Ob es das in diesem Jahr so geben wird, ist noch offen.
Ein Bild vom Jacobimarkt 2019. Ob es das in diesem Jahr so geben wird, ist noch offen. © Archivfoto: Matthias Weber

Die Pläne liegen fertig auf dem Tisch. Auf großen Blättern Millimeterpapier hat René Linke die Stände und Fahrgeschäfte eingezeichnet, genau ausgemessen, wie sie auf dem Jacobiplatz stehen müssen, damit am Ende alles passt. 

So macht er das immer im zeitigen Frühjahr, wenn er den Neugersdorfer Jacobimarkt, das größte Volksfest in der Oberlausitz, plant. Aber dieses Jahr ist alles anders. Die Verträge mit Händlern und Schaustellern sind gemacht. Ob das Schiss'n aber stattfinden wird - zum jetzigen Zeitpunkt kann das niemand voraussehen. 

Sorge um Schausteller

Bis auf Weiteres sind alle öffentlichen Veranstaltungen abgesagt, sogar verboten. Das hat Sachsen in einer Verfügung nun festgelegt. Betroffen sind ausdrücklich auch Jahrmärkte und Volksfeste, die Regelung gilt zunächst bis zum 20. April. Der Freistaat reagiert damit nun auf die drohende Ausbreitung des Coronavirus'. Selbst, wenn die Veranstaltungssperre dann Ende Juli zum Beginn des Jacobimarktes aufgehoben ist, bleibt unklar, ob die Händler und Schausteller alle kommen können. "Etliche Schausteller", so Linke, "werden bis dahin viel Geld eingebüßt haben." Ihnen brechen die ganzen Volksfeste jetzt im Frühjahr weg, Existenzen sind bedroht. 

Und auch um die Gesundheit der Schausteller macht Linke sich Sorgen. Viele seien alteingesessene Familienbetriebe, die Betreiber in der Altersgruppe, die als besonders gefährdet gilt. Zwar hätten einige auch schon an eine jüngere Generation abgegeben. Die Masse der Fahrgeschäfte liege aber in den Händen derer, die aus Altersgründen vom Virus besonders bedroht sind. 

Großes Interesse in sozialen Medien

Schon Anfang des Jahres hatte Linke im Internet und den sozialen Medien informiert, welche besonderen Fahrgeschäfte in diesem Jahr zum Schiss'n kommen werden. "Das war auf unglaublich viel Resonanz gestoßen, die Leute freuten sich darauf", erzählt er. Momentan ist das völlig abgeflaut, denn keiner weiß, wie lange der aktuelle Ausnahmezustand andauert und welche Auswirkungen er hat. Auch René Linke will deswegen noch keine endgültigen Aussagen treffen. 

Im Dezember und Januar sind wie immer die Verträge gemacht worden. Ab Juni geht es dann in die heiße Phase. An dieser Zeitschiene wird auch das Coronavirus nichts ändern, sagt René Linke. "Nur, dass wir dann im Juni die Situation neu bewerten müssen." Vorher irgendwelche Festlegungen zu treffen, ist nicht zielführend."

René Linke organisiert den Jacobimarkt in Neugersdorf. Auch für dieses Jahr ist alles vorbereitet. 
René Linke organisiert den Jacobimarkt in Neugersdorf. Auch für dieses Jahr ist alles vorbereitet.  © Archivfoto: Matthias Weber

Immerhin: In seinem eigenen Betrieb, der Kelterei Linke, kann er der Coronakrise  wirtschaftlich trotzen. Die Produktion ist weiter im Gange, die Abfüllanlagen laufen. Auch der angeschlossene Getränkemarkt ist geöffnet - und wird es laut den neuesten Vorgaben der Bundesregierung wohl auch bleiben können. Allerdings wird hier jetzt besonders auf Hygiene geachtet. Kunden müssen sich beim Betreten die Hände desinfizieren. Wer das nicht macht, wird nicht bedient, sagt Linke. "Da muss man konsequent sein, das nützt alles nichts."

Immer mehr bestellen Getränke online

Außerdem konzentriert sich die Firma aufs Online-Geschäft. Denn das ganze Sortiment wird auch verschickt. Das wird gut angenommen, 40 bis 50 Pakete packen die Mitarbeiter täglich. "Die Nachfrage ist gestiegen."

Hinzu kommt, dass die Kelterei mit ihrem Sortiment in den Supermärkten in der Region vertreten ist. Das komme seinem Betrieb jetzt zugute, sagt Linke. Gerade, wenn es mit den Transportwegen schwieriger wird und Grenzen dicht sind. Das ist eine Hoffnung, die er in der Coronakrise sieht: "Dass die Leute sich wieder mehr auf die regionale und lokale Wirtschaft besinnen."

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