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Jagdchef wider Willen

Horkas Bürgermeister ist von Amts wegen auch Chef der Jagdgenossenschaft. Und muss das bleiben, bis sich ein Interessent findet.

Bürgermeister Christian Nitschke begutachtet Wildschäden in einer Funktion, die er eigentlich gar nicht ausüben will: als Vorsitzender der Jagdgenossenschaft Horka.
Bürgermeister Christian Nitschke begutachtet Wildschäden in einer Funktion, die er eigentlich gar nicht ausüben will: als Vorsitzender der Jagdgenossenschaft Horka. © André Schulze

Weil die Jagdgenossenschaft in Horka keinen Vorsitzenden findet, muss laut Gesetz der Bürgermeister einspringen. Denn ohne einen Chef wäre die Genossenschaft nicht handlungsfähig, könnte keine Flächen an Jäger verpachten. Dieser Zustand, so Christian Nitschke, soll sich jedoch möglichst bald ändern.

Keiner will das Amt bei der Jagdgenossenschaft machen

Eigentlich hat Christian Nitschke mit der Jagd nicht viel am Hut. Doch vor etwa drei Jahren musste er umdenken. Seit diesem Zeitpunkt steht er nämlich an der Spitze der Horkaer Jagdgenossenschaft, neben seiner Funktion als Chef der Gemeinde. Weil sich damals niemand fand, der diese Funktion wahrnehmen wollte, wird sie der Bürgermeister offenbar nicht mehr los. Erst kürzlich stand ein Aufruf im Gemeindeblatt, doch das Interesse war: gleich null. Nitschke erläutert, warum der Posten überhaupt notwendig ist: "Alle Besitzer von Wald- und Feldflächen sind gesetzlich dazu verpflichtet, sich in Jagdgenossenschaften zusammenzuschließen. Diese wiederum brauchen natürlich Vorsitzende."

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Wälder und Wiesen werden an Jäger verpachtet

Wichtigste Aufgabe ist die Verpachtung von Flächen an Jäger, die wiederum aufgefordert sind, das Wild - im Raum Horka vor allem Schwarz-, Rot- und Rehwild - in für den Wald und die Landwirtschaft erträglichen Bestandszahlen zu halten. Dazu gehört auch die Festlegung der Pachthöhe. Und die Verhandlung einer Jagdschadenspauschale, die von den Jägern an die Genossenschaft zu zahlen ist.

Wildschweine ackern große Rasenflächen um

Erst kürzlich hat sich im Raum Biehain eine Rotte Wildschweine auf einer Wiese zu schaffen gemacht. Dort haben die Schwarzkittel rund 15 Hektar umgeackert, um an die im Boden versteckten Leckereien wie Wurzeln, Würmer und Insektenlarven zu kommen. "Auch wenn es 'nur' eine Wiese ist - das Areal wird bewirtschaftet. Für Stilllegungsflächen werden Fördergelder ausgezahlt. Dass darauf wie vereinbart Gras wächst, muss nachgewiesen werden", erläutert der Horkaer Bürgermeister, der als Chef der Jagdgenossenschaft den Schaden begutachten und den für das Gelände zuständigen Jagdpächter drängen muss, künftig den Schweinen keine Gelegenheit mehr zu geben, sich hier auszutoben.

Vorkenntnisse sind für das Amt nicht nötig

Die Fläche bei Biehain muss nun wieder hergerichtet werden. Grubbern, Grassamen säen, den Rasen wachsen lassen, um irgendwann Heu zu ernten - all das kostet Zeit und Geld. "Der Vorsitzende der Jagdgenossenschaft hat hier große Verantwortung, damit es nicht zu Reibereien zwischen Flächenbewirtschaftern und Jägern kommt." Interessenten für das Amt seien deshalb hochwillkommen. Sie müssten auch keine Vorkenntnisse in punkto Jagd mitbringen, wirbt Christian Nitschke um einen Nachfolger, damit er sich künftig auf seine eigentlichen Aufgaben als Bürgermeister konzentrieren kann.

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