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Jetzt geht es um den Flächenkauf

Der Flächentausch für die Agrarbetriebe ist nicht einfach. Doch der Radweg muss her.

Ingo Englowski fährt mit seinem E-Bike Tag für Tag von Großenhain nach Meißen und am Nachmittag wieder zurück. Das Stück von Großenhain nach Priestewitz, ohne Radweg, ist kreuzgefährlich.
Ingo Englowski fährt mit seinem E-Bike Tag für Tag von Großenhain nach Meißen und am Nachmittag wieder zurück. Das Stück von Großenhain nach Priestewitz, ohne Radweg, ist kreuzgefährlich. ©  Anne Hübschmann

Großenhain/Priestewitz. Der Radweg von Großenhain nach Priestewitz kommt. Das Landesamt für Straßenbau und Verkehr hat jetzt dafür das Planfeststellungsverfahren beantragt. Vom 12. August bis 11. September 2019 sind die Pläne im Großenhainer Rathaus, Bauamt, zweites Obergeschoss, einzusehen. Oder auf der Internetseite der Landesdirektion Sachsen unter www.lds.sachsen.de/bekanntmachung unter der Rubrik – Infrastruktur. 

Das Verfahren dürfte realistisch gesehen anderthalb bis zwei Jahre dauern. Denn es geht nicht nur um die Radwegtrasse, sondern vor allem um das heutzutage leidige Thema „Flächenkauf und Entschädigungsansprüche“. Letzteres wird, wenn der Grunderwerb endlich absehbar ist, nochmals in einem gesonderten Entschädigungsverfahren behandelt. Nur wegen dieser schwierigen Prozedur ist es bereits eine Erfolgsmeldung, den Start des Verfahrens bekanntzugeben. Nach gut 20 Jahren Anlauf für einen Radweg – peinlich genug. Aber das ist bundesdeutsche Realität. Im Rathaus und im Landesamt herrscht also Freude. Nun müssen die betroffenen Flächeneigentümer wie die MAP Priestewitz mitspielen.

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Tatsächlich ist der Flächentausch für die Agrarbetriebe nicht immer einfach. Eine finanzielle Entschädigung wiederum hilft den Landwirten nicht, wenn sie Acker einbüßen. Mit allen vorgeschriebenen Abständen kommt da, auf die Länge gesehen, eine beachtliche Hausnummer an Quadratmetern zusammen.

Der Radweg selbst ist dann recht schnell gebaut. Er ist etwa drei Kilometer lang, beginnt am nördlichen Ortsausgang von Priestewitz und endet an der Einmündung der Mülbitzer Straße in Großenhain. Der 2,50 Meter breite Radweg soll östlich der Bundesstraße auf der freien Strecke mit einem Abstand von rund vier Metern zum Fahrbahnrand verlaufen. Zwischen Fahrbahn und Radweg befinden sich die Bankette der Straße beziehungsweise des Radweges und eine zwei Meter breite Entwässerungsmulde. 

Neben dem Radweg verläuft noch einmal ein 2,50 Meter breiter Pflanzstreifen, wo Bäume gepflanzt werden. Teil der Planung ist auch der Neubau einer Brücke über die Bahnstrecke Dresden-Elsterwerda mit einer lichten Weite von 92 Metern. Eine zwischenzeitliche Instandsetzung der kaputten Brücke plant die Behörde ebenso wenig wie einen provisorischen Radweg, wie ihn der Großenhainer Ingo Englowski einmal vorgeschlagen hatte, der sich als Bürger an die Behörde gewandt hat. Die vorherige Ertüchtigung der Mülbitzer Straße als Umleitung fehlt auch komplett. Das könnte neue Probleme bereiten, aber damit wird die Stadt Großenhain im Zweifelsfall leben müssen.

Seit 1995 bemüht sich die Stadt um dieses Stück Radweg. Jemand, der sich auskennt, wie es sich jeder Tag als Radfahrer auf der B 101 anfühlt, ist Ingo Englowski. Der Großenhainer ist bei der Lebenshilfe in Meißen beschäftigt und radelt zur Arbeit. Aber alles in allem verursacht ein Pedelec ungleich geringere Unterhaltungskosten als ein vierrädriges Gefährt. Ohne den Schutz eines Radweges ist er den Fahrzeugen ausgeliefert. An der Kreuzung in Gävernitz kommt es außerdem hin und wieder vor, dass die Autofahrer, die auf die B 101 wollen, das Vorfahrtsrecht des Radlers missachten. Ohne Frage: Fahrradfahren auf Bundesstraßen ist kreuzgefährlich.

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