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Warum Johannes Oerding gerne im Osten auftritt

Der Popsänger kommt im August nach Görlitz. Das Konzert ist ein Höhepunkt des Jubiläums 150 Jahre Landskron.

In Dresden und Hoyerswerda ist Johannes Oerding schon aufgetreten. Im Sommer ist er erstmals in Görlitz live zu erleben.
In Dresden und Hoyerswerda ist Johannes Oerding schon aufgetreten. Im Sommer ist er erstmals in Görlitz live zu erleben. © PR

Herr Oerding, Sie gehen ab April mit Ihrer Band auf Tour, Ende August sind Sie dann bei Landskron in Görlitz. Werden Sie schon Songs von Ihrem neuen Album mitbringen oder vor allem Bekanntes?

Eine echte Tournee ist es diesmal eigentlich gar nicht, weil ich etwas Pause machen und mich auf mein neues Album konzentrieren will. Aber ein paar ausgewählte Open-Air-Konzerte gebe ich trotzdem gern, unter anderem das in Görlitz. Ich habe immer eine Menge bekannter Songs von meinen mittlerweile fünf Alben im Gepäck, ein Best-of der Lieder, von denen ich weiß, dass die Leute sie gerne hören. Ich habe es nie verstanden, wenn Musiker ihre großen Hits live nicht spielen, gerade das, worauf die Zuhörer sich freuen. Von mir werden also Songs wie „Kreise“, „Alles brennt“, „Engel“ oder „Hundert Leben“ zu hören sein, die aus dem Radio bekannt sind und die mir auch selber Spaß machen. Und auch einige Lieder von dem Album, das im Herbst erscheinen wird.

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Hat dieses Album ein besonderes Konzept, einen roten Faden?

Meine Alben sind sehr vielfältig mit moderne Popsongs, Balladen, Liedern, die ich nur mit Gitarre begleite, Soul und Funk. Mein roter Faden ist also bunt und jeder meiner Songs erzählt eine eigene Geschichte.

Werden Sie manchmal auch dem Schlager zugeordnet?

Das würde ich ausschließen. Im Schlager wird anders komponiert und getextet. Dort ist die Liebe rot, bei mir ist sie grün. Ich sehe meine Texte näher an Poesie und Lyrik. In Songs wie „Hundert Leben“ erzähle ich Geschichten, die voller Schmerz, Melancholie und Sehnsucht sein können. Auch danach haben die Menschen ein Bedürfnis. Im Schlager können sie eher an etwas Leichtes denken, dort gehört die Welt noch zusammen.

Es heißt, Ihre Konzerte sind regelmäßig ausverkauft, Sie treten in immer größeren Hallen auf. Ist Ihr Konzert in der Kulturbrauerei, wo 5 000 Menschen Platz haben, ein eher kleines für Sie?

5 000 Menschen, das ist doch eine akzeptable Größe. Ich würde mich freuen, wenn so viele kommen. Zu Open-Airs in Hamburg, wo ich ja begonnen habe aufzutreten, kommen inzwischen bis zu 10 000 Leute, aber da bin ich schon viel länger bekannt als in anderen Regionen. In Görlitz bin ich in meinen 15 Bühnenjahren noch nie aufgetreten, und wo man noch nie war, kann man nur auf Publikum hoffen.

Wieso haben Sie sich entschieden, hier aufzutreten?

Landskron hat uns angefragt, es passte und ich freue mich, dass es klappt. Ich bin selber in einem kleinen Ort an der holländischen Grenze aufgewachsen, viel kleiner als Görlitz. Da sind die großen Musiker nie vorbeigekommen. Ich weiß also, wie es ist, wenn man zu einem Konzert anderthalb Stunden fahren muss. Deshalb bin ich ein großer Freund davon, in der Provinz – verzeihen Sie den Ausdruck – aufzutreten, gerade dort, wo so viele Menschen unsere Musik mögen. Außerdem treten wir im Osten der Republik besonders gern auf.

Warum ist das so?

Ich bin nicht sicher, woran es liegt, aber ich habe immer wieder das Gefühl, dass die Menschen im Osten deutschsprachige Livemusik mehr schätzen als die Menschen im Westen des Landes. Vielleicht weil in der DDR der Zugang zu westlicher Beat- und Popmusik beschränkt war und erst etwas später stattgefunden hat? Man spürt jedenfalls einen Unterschied im Publikum. Man merkt auch, die Leute bewerten nicht so stark. Sie freuen sich, gemeinsam auf ein Konzert zu gehen, lassen sich treiben und genießen einfach die Musik und die Stimmung. Sie sagen nicht mit verschränkten Armen. „Na, mal sehen, was der Junge da macht.“ Aber auch unabhängig davon bin ich gern in Ostdeutschland, weil mich die Geschichte interessiert. Ich finde, wenn man das gegenwärtige Deutschland verstehen will, muss etwas über die deutsch-deutsche Vergangenheit wissen. In der Schule, in bin 1981 geboren, wurden diese Themen eher stiefmütterlich behandelt.

Sie sind im Vorprogramm von Joe Cocker und Simply Red aufgetreten, bei den Scorpions oder Peter Maffay waren Sie Gast. Kommt das immer noch vor?

In Vorprogrammen trete ich nicht mehr auf, das ist eher etwas für Newcomer, aber eine Erfahrung, die man unbedingt machen muss. Vor Leuten aufzutreten, die einen nicht kennen und auf ihren großen Star warten, kann ernüchternd sein, aber mit negativem Erlebnissen muss man lernen umzugehen. Als Gast auf Konzerten von Kollegen trete ich nach wie vor sehr gern auf. Mit Peter Maffay bin ich befreundet, seit er mich eingeladen hat, mit ihm auf Tour zu gehen. 2018 war ich zwei Monate lang mit auf seiner MTV-unplugged-Tour. Wir arbeiten viel miteinander, gerade schreibt er an seinem neuen Album und ich unterstütze ihn hier und da.

Und wie war es mit Joe Cocker? Haben Sie ihn auch so nahe kennengelernt?

Ich hatte das Glück, Joe Cockers letzte Tour begleiten zu dürfen. 26 Konzerte haben wir 2013 gemeinsam bestritten und hatten täglich Kontakt. Der war relativ nah, wenn auch eher oberflächlich, das ist klar bei so einer internationalen Größe. Ich bin praktisch mit Joe Cockers Musik aufgewachsen, weil meine Mutter ein großer Fan von ihm ist. Die persönliche Verbindung zu ihm war eine ganz wichtige Erfahrung. Von so etwas zehrt man das ganz Leben. Auch mit den Scorpions oder mit Udo Lindenberg aufzutreten sind solche Erfahrungen.

Bei Udo Lindenberg waren Sie auch Gast?

Udo lädt gern spontan zu seinen Konzerten ein: „Ey, bist du in der Stadt, komm doch heute Abend vorbei.“ Auftritte mit ihm sind nie geplant, aber da wir beide in Hamburg leben, kommt es hin und wieder vor.

In diesem Jahr sind Sie in der TV-Staffel „Sing meinen Song“ zu Gast. Michael Patrick Kelly ist der Gastgeber. Er war im Sommer 2018 der Star in der Görlitzer Landskronbrauerei. Haben Sie sich darüber schon mal ausgetauscht?

Nein, das wusste ich nicht. Ich kenne ihn aber schon länger, wir sind uns schon bei vielen Festivals über den Weg gelaufen. Und als er in Hamburg gespielt hat, fragte er mich auch, ob ich vorbeikomme und ein Stück mit ihm zusammen singe. Wenn wir Glück haben, kommt er vielleicht in Görlitz auch mit auf die Bühne. Schauen wir mal, was sich noch so ergibt.

Konzert am 30. August in der Kulturbrauerei, Karten im SZ-Treffpunkt im ersten Stock des City-Centers

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