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Freital

Kachelmann sendet von Wilsdruff aus

Mehrere Hundert Radiofans pilgerten am Sonntag zum Kleinbahnhof. Dort gab es nicht nur etwas zu sehen.

Mehrere Hundert Besucher schauten sich die historischen Radios an, die im Kleinbahnhof zu sehen waren. Foto:
Mehrere Hundert Besucher schauten sich die historischen Radios an, die im Kleinbahnhof zu sehen waren. Foto: © Andreas Weihs

Radio begeistert. Diese Erfahrung konnte Jürgen Juhrig, der Chef des Technikvereins Sender Wilsdruff, am Sonntag machen. Gut 500 Besucher waren zum Wilsdruffer Kleinbahnhof gekommen, um gemeinsam an die Inbetriebnahme des Senders Wilsdruff vor 65 Jahren zu erinnern. Unter den Gästen waren Wilsdruffs Bürgermeister Ralf Rother (CDU), der letzte Leiter des Funkamtes Hajo Böhme, mehrere andere ehemalige Mitarbeiter des Senders wie Eckhard Sommerschuh aus Altenberg sowie die Schülerband Perfect Mess von der Musikschule Wilsdruff, die für die musikalische Unterhaltung sorgte.

Weil die historische Sendeanlage in Privatbesitz und deshalb nicht zugänglich ist, mussten die Mitglieder des Technikvereins auf das Geländes des Kleinbahnhofs ausweichen. Dort zeigten sie, wie ein Mittelwellen-Sender funktioniert. Dazu hatten sie zwei Sender aufgebaut, über die etwas später für mehrere Stunden vorproduzierte Programme und Live-Schalten on air gesendet wurden. Das geschah über eine selbstgebaute, 70 Meter lange aufgespannte Langdrahtantenne am Bahnhof.

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Kurz nach 10 Uhr schickte der Technikverein sein Programm über den Äther. Zu hören war zunächst eine Stimme, die vielen Älteren noch vertraut ist. Es sprach Klaus Feldmann. Der Mann mit der markanten Hornbrille, der inzwischen 83 Jahre alt ist, war über 28 Jahre lang Sprecher in der Nachrichtensendung „Aktuelle Kamera“ im DDR-Fernsehen. 14-mal wurde er vom Publikum zum Fernsehliebling der DDR gewählt.

Feldmann oblag es, das Programm für den Wilsdruffer Sendetag anzusagen. Nach seiner Einleitung startete eine vorproduzierte musikalische Zeitreise mit dem Moderator Eckhard Heuermann. Wenig später war dann wieder eine vertraute Stimme im Programm zu hören: Jörg Kachelmann. Der prominente Meteorologe aus der Schweiz, der vielen auch als Talkmeister in der MDR-Sendung Riverboot bekannt ist, hatte einen Wetterbericht für das Tal der Wilden Sau und für die Autobahn A 4 bei Wilsdruff zusammengestellt. Dass sich Feldmann und Kachelmann hinters Mikro setzten und Einspieler für den Technikverein einsprachen, hat dieser Wolfgang Lill aus Pirna verdanken. Der 69-Jährige arbeitet als ehrenamtlicher Redakteur für das Portal radiomuseum.org und unterstützt den Technikverein Sender Wilsdruff in seinem Kampf um den Erhalt des Technischen Denkmals Sender Wilsdruff. Dessen sichtbarster Bestandteil, der 153 Meter hohe Mast, soll noch in diesem Jahr abgerissen werden. Der Technikverein möchte das unbedingt verhindern.

Mit der Sondersendung, die über die Frequenz 1044 Kilohertz übertragen wurde, wollte der Verein weitere Unterstützer gewinnen und den Verantwortlichen zeigen, dass diese Anlage von vielen als schützenswert eingestuft wird. Dieser Plan ist nach Einschätzung von Juhrig aufgegangen. Der Verein habe wieder ein Zeichen setzen können. Damit meint er nicht nur das Interesse vor Ort, sondern auch das der Radiofreunde in der Region. Nicht nur in Wilsdruff saßen sie an den Geräten. Schließlich wurde das Programm auch über andere Rundfunkstationen in Deutschland und übers Internet gesendet.

Über den Livestream verfolgten es 300 Hörer mit, sagt Vereinsmitglied Klaus Michalk. Auch etliche Funkamateure saßen vor ihren Geräten. Mehrere haben angekündigt, dass sie dem Verein schreiben werden, um ihm eine Beurteilung zur Güte des Empfangs, zur Lautstärke und zur Deutlichkeit zu geben. Der Verein habe auch einen Anruf von einem Hörer bekommen, der 450 Kilometer weit entfernt wohnt. Der hat das Programm nicht über Mittelwelle hören können, dafür war die Leistung des Senders zu schwach. „Er hat uns übers Internet gehört“, sagt Michalk.

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Insgesamt ist Juhrig mit der Veranstaltung zufrieden, obwohl nicht alles wie geplant funktioniert hat. „Wir sind keine Profis, sondern nur Amateure“, entschuldigt sich Juhrig bei denen, die es perfekt haben wollten. Die Resonanz sei so gut gewesen, obwohl in Freital Windbergfest und in Riesa der Tag der Sachsen gefeiert wurde. Außerdem waren viele bei anderen Veranstaltungen zum Tag des offenen Denkmals unterwegs. Fest steht schon, dass es im nächsten Jahr einen zweiten Radiotag geben wird – dann ohne Konkurrenz von Festen.